Balsam für die Seele

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 Betreff des Beitrags: Halbblut (Thunderheart)
BeitragVerfasst: 17. Aug 2008 19:49 
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Für alle Rudel-Rothäute :mrgreen:

Der Film, den ich vorstellen möchte, handelt von zeitgenössischer indianisch-amerikanischer Geschichte. Er spielt in den USA der 1970er Jahre und basiert auf wahren Begebenheiten, die sich zu dieser Zeit in verschiedenen Indianerreservaten in South Dakota und Umgebung abgespielt haben.

FBI-Agent Raymond Levoi, zu einem Viertel indianischer Abstammung, soll im Indianer-Reservat ?Bear Creek? in den Badlands einen Mord an einem Indianer aufklären. Seine Vorgesetzten William Dawes in Washington und Frank Coutelle, bereits seit neun Jahren vor Ort im Revier, erklären ihm die Umstände des Mordes wie folgt:
Eine Gruppe militanter Indianer, Mitglieder in einer Organisation namens ?ARM?, mischen die Reservatsbewohner auf und wollen die traditionelle Lebensweise wieder einführen. Daher gibt es im Moment zwei Lager: Zum einen die ARM-Sympathisanten, zum anderen die regierungsfreundlichen Indianer. Diese werden von den sogenannten ?Schlägern? beschützt, damit nicht noch mehr von ihnen von der ARM ermordet werden (bisher gab es 61 unaufgeklärte Morde). Der aktuell gesuchte Mörder heißt James Zweiblick und soll der letzte Anführer der ARM sein.

Da Ray selbst seine Herkunft verdrängt hat, tritt er zunächst als ?zivilisierter? und arroganter Weißer den Indianern gegenüber, die ihn ihrerseits mit Verachtung und Ablehnung empfangen. Trotzdem gelingt es ihm im zweiten Anlauf, ein Gespräch mit Maggie Adler Bär, einer Lehrerin und ARM-Sympathisantin, zu führen. Zeitgleich kommen die Schläger auf Maggies Grundstück und schießen wahllos um sich, wobei sie ihren Sohn schwer verletzen. So langsam dämmert es bei Ray, dass hier irgendetwas nicht stimmt.

Frank Coutelle, dem Rays eigenwillige Ermittlungsweise langsam unangenehm wird, schickt ihn aufs ?Abstellgleis? zu Grandpa Samuel Reaches, einem alten Medizinmann, den er überwachen soll. Das erweist sich als Fehler, denn Grandpa, der das Massaker am Wounded Knee als Einjähriger miterlebt hat, zieht Ray mehr und mehr in seinen Bann, indem er ihn durch Visionen an seine indianischen Wurzeln erinnert. Ray, der es nicht schafft, sich dagegen zu wehren, entdeckt immer mehr Ungereimtheiten in dem Mordfall und zugleich muss er sich jetzt seiner eigenen Vergangenheit stellen. Diese Entwicklung gipfelt in einer mächtigen Vision, in der Ray erlebt, wie er am Wounded Knee von einem Soldaten erschossen wird.

Kurz darauf trifft Ray bei Grandpa den untergetauchten James Zweiblick. Doch bevor er handeln kann, dringen FBI-Agenten in die Hütte ein und verhaften den mutmaßlichen Mörder. Damit ist die ARM zerschlagen und der Tanz geht richtig los...


Bemerkungen
Unter anderem beziehen sich die Charaktere auf die Belagerung des Ortes Wounded Knee im Februar 1973, der größten Militäroffensive der US-Regierung im eigenen Land seit Ende des amerikanischen Bürgerkrieges. Die Handlung enthält weiterhin Anspielungen auf den Mord an zwei FBI-Agenten 1975 und die Flucht und Verhaftung von Leonard Peltier sowie auf die Ermordung von Anna-Mae Aquash. Folgende Namen und Filmfiguren weisen einen Bezug zu den realen Geschehnissen auf:

Bear-Creek-Reservation ? Pine Ridge, Reservat der Oglala-Sioux in South Dakota. Laut Wiki leben hier 97 Prozent der Einwohner unter der Armutsgrenze, die Lebenserwartung beträgt etwa 50 Jahre.

ARM ? AIM (American Indian Movement), militante Aktionsgruppe, die den Indianern Unterstützung bei der Durchsetzung ihrer Verträge mit der US-Regierung zusicherte.

James Zweiblick ? Leonard Peltier, AIM-Aktivist

Jack Milton ? Dick Wilson, Halbblut und korrupter Stammespräsident der Pine-Ridge-Reservation von 1972 bis 1976

Maggie Adler Bär ? Anna Mae Aquash, AIM-Aktivistin

Die Schläger ? die Todesschwadron, Wilsons Terrortruppe, die vom FBI ausgerüstet wurde. Sie nannte sich selbst ?GOONs?, Guardians of the Oglala Nation. "Goon" ist gleichzeitig eine Bezeichnung für Raufbold.

AIM-Mitbegründer Dennis Banks spielt sich selbst und ist kurz bei einer Pow-Wow-Szene zu sehen.

Der Film ist vom Inhalt her sehr komplex, vor allem wenn man als Europäer nicht in der Materie steckt. Sein Ziel ist, die Misstände in Pine Ridge aufzuzeigen, die die US-Regierung bis heute nicht aufgearbeitet hat. Der Film spielt auch absichtlich mit den unterschiedlichen Standpunkten, so dass man gelegentlich nicht mehr weiß, wer zu welcher Seite gehört, was aber Teil des Plots ist. Vor allem ist er sehenswert, weil er zwei parallel verlaufende, völlig unterschiedliche Weltsichten darstellt ? die der Weißen und die der Indianer. Er zeigt deutlich auf, wie schwer es für Weiße ist, die indianische Denk- und Handlungsweise nachzuvollziehen und wie damit in den USA umgegangen wird. Beeindruckend ist auch, wie die US-Regierung den Indianern gegenüber auftritt, sobald Profit im Spiel ist.

Kritik bekam der Film für seine märtyrerhafte Darstellung von James Zweiblick. Peltier sitzt bis heute im Hochsicherheitstrakt des Gefängnisses von Lewisburg. Die US-Regierung betrachtet ihn als Mörder und Aufrührer, die Indianer als eine Art Messias. Seine Schuld konnte nie zweifelsfrei bewiesen werden, seine Unschuld allerdings auch nicht.

Schauspieler
Val Kilmer: Ray Levoi
Sam Shepard: Frank Coutelle
Graham Greene: Walter Krähenhengst
Fred Ward: Jack Milton
Fred Dalton Thompson: William Dawes
Sheila Tousey: Maggie Adler Bär
Regie: Michael Apted

_________________
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Anything
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"It is I", said a low voice.

Sssuch lies, Luciusss...


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BeitragVerfasst: 17. Aug 2008 21:01 
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Es ist einer der wenigen Filme, neben "Cheyenne" und "Der mit dem Wolf tanzt", die sich mit der Problematik der Amerikaner und deren Ureinwohner auseinandersetzt und nicht getreu dem Spruch handeln: "Nur ein toter Indianer ist ein guter Indianer".

Ich selbst habe ihn mehrmals gesehen und ich mochte Graham Greene, der darin sehr ironisch und selbstbewusst, den Indianerpolizisten - einen der weinigen guten - darstellt.

Der Film handelte auch zu der Zeit, wo die US-Regierung feststellte, dass das ach so karge Land, wohin sie einen der kriegerischten Stämme untergebracht hatten, doch nicht so karg war, wie sie damals dachten. Es wurden unter der Erde des Reservates einige Bodenschätze gefunden und aufgrund der sehr einflussreichen Ölfirmen plante man auch, den Indianern auch dieses Land auf irgendeine Art wieder wegzunehmen.
Dies gelang jedoch nicht und so fand man andere Mittel und Wege. Nachdem die Indianer auf Alcatraz und am Wounded Knee protestieren und die US-Regierung nur aufgrund weltweiter Proteste nicht die vorgefahrene Kriegsmaschenerie einsetzte, suchten und fanden sie andere Mittel und Wege, um sich sozusagen zu rächen.
Es wurde vorab ein korrupter Stammeshäuptling eingesetzt, die Indianerpolizei wurde dem FBI direkt unterstellt und es wurde massiv gegen die führenden Gegner vorgegangen.

Der Film zeigt auch auf tragische Art (in der Person von Ray Levoy), wie die Indianer versuchen, ihre Wurzeln wiederzufinden und nicht mehr in der Vergangenheit sondern mit der Vergangenheit zu leben. Sie finden zu ihrem alten Stammesstolz zurück und schämen sich auch nicht mehr ihrer Wurzeln und Herkunft.


Was der Film allerdings nicht zeigt ist, dass sich das FBI nicht zu fein war, auch auf Auftragskiller der Mafia zurückzugreifen, um einige der Anführer unter den Indianern zu beseitigen.
Auch nicht, wie tief der Stammesführer und seine Truppe gesunken sind und in Nacht und Nebelaktionen Menschen verstümmeln und verschwinden lassen, die gegen sie offen gegen sie protestieren. Und das alles für Geld, Alkohol (welcher offiziell in den Reservaten verboten ist) und Drogen.

_________________
Urteile nie über einen Menschen, ehe du nicht 20 Meilen in seinen Schuhen gegangen bist.


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