Balsam für die Seele

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 Betreff des Beitrags: Die Plagen Düsterwalds [HDR-FF/Kapitel 5]
BeitragVerfasst: 19. Nov 2007 15:57 
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Alles, was bekannt vorkommt, gehört Tolkien bzw. seinen Erben. Nienna und Enelya sind mein geistiges Eigentum, auch wenn ich jemand bestimmtes vor Augen hatte, als ich sie schrieb.


Zusammenfassung: Zwei Elbinnen haben einen Plan... Nun ja, eine hat einen Plan, die andere wird zum Mitmachen überredet. Außerdem kommt ein Prinz darin vor, und ein paar Heiße Quellen.

Genre: Humor



Diese Geschichte ist für Goosberry, meine liebste Regenwurmsektengenossin. Aber auch allen anderen Lesern wünsche ich viel Spaß!




Pläne einer Elbin

?Nienna!? Nahezu lautlos wisperte Enelya den Namen der Freundin, die sich katzengleich vor ihr herbewegte. Ihre dunklen, glatten Haare fielen ihr offen über den Rücken. Sie zögerte nicht, sondern schlich unbeirrt weiter, obwohl Enelya sich vollkommen sicher war, dass sie sie gehört hatte. Sie wusste, dass Nienna über ein solch außergewöhnliches Gehör verfügte wie alle Elben. Ebenso geschickt wie Nienna beschleunigte sie ihre Schritte und packte sie an der Hand. Endlich hielt Nienna inne und drehte sich zu ihr um.
?Was?? hauchte sie leise.
?Dafür wird uns der König umbringen!?
Ungeduld sprach aus Niennas Blick. ?Nur, wenn wir uns erwischen lassen!?
Sie wollte sich schon wieder umdrehen und weiterschleichen, als Enelya hektisch mit den Händen auf und ab wedelte, um wieder ihre Aufmerksamkeit zu bekommen. ?ER wird uns höchstpersönlich umbringen!?
?Das haben wir doch schon besprochen! ER wird gar nicht wissen, dass wir da sind!? Aufmunternd grinste Nienna sie an und hastete dann unverminderten Schrittes weiter.

Sie eilten an den ersten Quellen vorbei. Die Blätter der in der Höhle verteilten Pflanzen streiften ihre Gewänder zärtlich wie ein Windhauch. Sanfter Kerzenschein beleuchtete die Höhlen, fiel auf die Gesichter der beiden Elbinnen, die schnellen Schrittes auf die gegenüberliegende Wand zusteuerten.
Sie hielten neben einem Baum inne, dessen Blätter sich schon ab Bodenhöhe weit fächerten. Elegant sanken sie zu Boden und drapierten die Blätter ein wenig um sich herum. Nienna holte tief Luft. ?Da wären wir...?

?Ich kann nicht fassen, dass wir das wirklich tun!? Unglauben sprach aus Enelyas Stimme, während sie sich eine störrische Strähne ihrer hellen Locken aus der Stirn strich.
Ihre einzige Antwort war das lautlose Kichern ihrer Freundin. ?Es kann rein gar nichts schief gehen, das waren doch deine Worte. Ich werde dich daran erinnern, wenn wir in den Kerkern des Königs vor uns hin schmoren...? drohte Enelya.
?Solange keine von uns ein verräterisches Geräusch von sich gibt...? erwiderte Nienna mit vielsagendem Blick. ?Wie ein Seufzen.?
?Lass uns wieder gehen!? bat Enelya.
?Ist das ein Scherz? Wir haben Monate gewartet! Er ist endlich wieder hier! Das können wir uns doch nicht entgehen lassen!? Nienna klang empört. ?Außerdem wird es ihm schließlich nicht weh tun!?
Enelya wollte widersprechen, doch im gleichen Moment vernahmen ihre Ohren das Geräusch der sich öffnenden Tür. Niennas Augen wurden groß und sie bedeutete ihr überflüssigerweise, still zu sein. Als wäre Enelya nicht von selbst darauf gekommen.

Die Tür wurde geschlossen. Mit äußerster Anstrengung lauschte Enelya und konnte das Rascheln von Seide hören. Der Prinz musste müde sein. Normalerweise hörte man kaum einen Laut, wenn er sich bewegte.
Nienna spähte an einem der Blätter vorbei in die Halle hinein und Enelya tat es ihr gleich. Wie immer war der Anblick des Prinzen einfach atemberaubend. Sein helles Haar fiel locker über seine Schultern, die Kleidung war weit und aus bestickter Wildseide. Seine Bewegungen schienen an diesem Tag wirklich weniger geschmeidig, weniger kraftvoll als sonst.
Er stieg die Treppe zur heißen Quelle herauf und Enelyas Blick traf den Niennas. ?Unglaublich?, formte die Freundin mit den Lippen. ?Einfach unglaublich!?
Enelya nickte und schaute wieder an den Blättern vorbei zu Legolas, Sohn des Thranduils.

Der Elb begann, die Zöpfe zu lösen, die sein Haar bei seinen Reisen und Kämpfen aus dem Gesicht hielten, zunächst die beiden kleinen seitlich am Kopf, dann den großen am Hinterkopf.
Abwesend strich er sich durch die blonden Strähnen. Als er die Bänder seines Gewandes löste, fühlte Enelya die Hand ihrer Freundin, die sich an ihrer festklammerte.
Sie warf ihr einen Blick zu. Offensichtlich stand Nienna kurz vor dem Erstickungstod, aber Enelya beschied, dass sie ruhig in Mandos Hallen eingehen konnte. Schließlich war es ihre Schuld, dass sie beide hinter diesem Baum knieten und den Prinzen ihres Reiches beim Baden beobachteten. Und das mit voller Absicht.

Legolas streifte das Gewand von seinen Schultern und ließ es zu Boden gleiten. Die weiße Haut war stellenweise blauschwarz verfärbt. Prellungen. Die letzte Reise war kein Spaziergang für den Prinzen gewesen. Enelya fühlte die Schmerzen beinahe an ihrem eigenen Körper, als, sie die Verletzungen betrachtete. Kein Wunder, dass er heute langsamer war als gewöhnlich.
Dann griff er nach seiner Hose und öffnete das Band, das das Beinkleid um seine Hüften hielt. Nienna sog die Luft durch die Zähne ein und Enelya sah erschrocken zu ihr. Die Sinne des Elbenprinzen waren mehr als gut, es waren die Sinne eines Kriegers.
Als sie das nächste Mal zu ihm sah, war er jedoch ins Wasser geglitten und sah nicht in die Richtung des Baumes, der heute so seltsame Geräusche von sich gab.
Lautlos ließ sie die Luft entweichen, die sie unwillkürlich angehalten hatte. Sie hoffte, dass Legolas zu erschöpft gewesen war, um die Elbin gehört zu haben. In stummen Vorwurf sah sie zu Nienna, die entschuldigend lächelte. Wenn sie sie nicht so lange gekannt hätte, wäre sie auf ihre Unschuldsmiene sicher hereingefallen. Selbst Thranduil ließ sich von Zeit zu Zeit von ihrem Engelsgesicht täuschen.

?Du bringst uns wirklich noch um Kopf und Kragen?, schimpfte Enelya, ohne auch nur einen Laut von sich zu geben. Nienna tat so, als würde sie sie nicht verstehen und spähte wieder nach Legolas.
Der Prinz hatte den Kopf auf den Beckenrand gelegt und schien sich zu entspannen. Er seufzte wohlig, was Nienna zu einem verzückten Augen verdrehen reizte.

Die Minuten verstrichen. Weder Enelya noch Nienna wurde es müde, den Prinzen anzusehen, etwas, dass sie schon immer gemeinsam hatten. Sie drückten von Zeit zu Zeit die Hand der anderen in stillem Einvernehmen, dass sie niemals so etwas schönes gesehen hatten wie heute.
Enelya hoffte, dass es niemals enden würde, als sich Legolas aus dem Wasser erhob. Sie sah den Kerzenschein, der auf seine blasse Haut wundersame Schatten malte; seine blauen Augen, umrahmt von langen Wimpern, die außergewöhnlich dunkel für seine hellen Haare waren, den schmalen, doch durchtrainierten Körper, der so kräftig und reaktionsschnell sein konnte.

Legolas bückte sich, um seine Hose aufzuheben. Er streifte sie über und hob danach das Gewand auf. Schnell zog er es über und befestigte die Bänder, dann entwirrte er die nassen Strähnen seines Haares mit der Hand.
Nienna seufzte geräuschlos und strahlte Enelya an. Innerlich stöhnte die Elbin auf. Wenn Nienna damit durchgekommen war, würde die nächste Unternehmung noch um einiges wagemutiger werden als diese. Vermutlich würden sie sich dann in das Schlafzimmer des Prinzen schleichen, um ihn die ganze Nacht lang zu beobachten. Oder, noch schlimmer, sie würde von Enelya verlangen, mit dem Sohn Thranduils zu tanzen.

Nun allerdings machte sich der Prinz des Düsterwaldes auf, die Hallen der heißen Quellen zu verlassen. Nachdem die Tür hinter ihm zugefallen war, warteten die beiden Elbinnen noch ein wenig, dann machten sie sich ebenfalls auf den Weg, um zu gehen.
?Er ist ein Traum?, seufzte Nienna, als sie endlich wieder sprechen konnte. Enelya wunderte sich ohnehin, dass ihre Freundin es geschafft hatte, für die gesamte Dauer des Bades den Mund zu halten. Was sie an etwas erinnerte. Sie streckte die Hand nach der Tür aus und öffnete sie mit einer hastig geflüsterten Schimpftirade.
?Nienna, hast du den Verstand verloren? Willst du vielleicht gerne an die Spinnen verfüttert werden oder im Fluss landen? Es ist unaussprechlich, was uns zustoßen würde, wenn irgendjemand herausfinden würde, dass...?



Ein Elb baute sich aus dem Nichts vor ihnen auf, das Gesicht wie von einer sehr düsteren Gewitterwolke verdunkelt. Er sah aus wie ein Rachegeist, angetrieben vom Zorn der Gerechten. Es handelte sich ausgerechnet um Eldaron, seines Zeichen der Hauptmann der Leibgarde des Prinzen. Schon bei guter Laune war man besser beraten, einen Bogen um ihn zu machen.

Enelya erstarrte zu Eis. Das konnte doch alles nicht wahr sein. Ihr Verstand suchte ununterbrochen nach einer Lösung, einer Ausrede, irgendetwas, was sie aus dieser Situation wieder hinausmanövrieren würde. Doch ihr Kopf war wie leergefegt. Stumm betete sie, dass wenigstens Nienna Geistesgegenwart bewies und sie bereits einen Plan hatte.
?Was, denkt ihr, in Erus Namen, was ihr hier tut?? Seine Stimme war leise und gefährlich. Enelya stand kurz davor, vor Scham im Boden zu versinken. Wenn Nienna auch kaltblütig in solchen Situationen blieb, sie konnte dies wirklich nicht.
?Wir?? wiederholte Nienna. Ihr Ton klang tatsächlich vergnügt, als würde ihr das alles Spaß machen und als wäre sie sich keiner Schuld bewusst.
?Ja, ihr! Ihr seid eine verfluchte Plage!?
?Wieso denkt Ihr das, Meister Eldaron?? Nein, Kaltblütigkeit war es nicht, die Nienna vorantrieb, entschied Enelya. Es war der pure Wahnsinn.
?Ihr wagt es!? Das Gesicht des Hauptmanns wurde noch blasser als ohnehin. Kleine Schweißperlen hatten sich auf seiner Stirn gebildet. Fasziniert betrachtete Enelya, wie sich eine löste, das Gesicht hinunterlief und dabei immer mehr mit sich riss. Ihr war klar, dass man das, was sie tat, nur als Realitätsflucht bezeichnen konnte, aber die Tropfen wirkten so beruhigend auf sie.
?Ich werde euch höchstpersönlich in Mandos Hallen schicken, dessen seid gewiss!? grollte Eldaron. ?Ihr schleicht euch in die Hallen der Quellen und beobachtet den Prinzen...? Seine Stimme wurde dünn und kippte; offensichtlich war es ihm nicht möglich, die Ungeheuerlichkeit dieser Tatsache auszusprechen.
?WIR?? Niennas Augen wurden groß und unschuldig. Enelya war der festen Überzeugung, wenn sie sie noch ein bisschen weiter aufriss, würden sie aus den Höhlen fallen, und sie bezweifelte, dass irgendjemand sie wieder aufsammeln und einsetzen würde. Nun, sie zumindest nicht. Strafe musste sein.
?So etwas würden wir niemals tun!? Nun klang Nienna empört. Fast hätte Enelya ihr ihr Entsetzen abgenommen, wenn sie es nicht besser wüsste, so gut gelang es der Freundin, die Stimme und das Gesicht zu verbiegen.
Eldaron streckte die Hand aus und öffnete und schloss sie ein paar Mal probeweise, als wollte er sie erwürgen.

?Entschuldigt?, ließ sich eine leise Stimme vernehmen, die Enelya im ersten Moment nicht erkannte, so sehr schämte sie sich, dass nun noch jemand diese Farce mit ansah. Doch als sie sah, wer sich am Hauptmann vorbeidrückte, war der Höhepunkt der Peinlichkeit erreicht. Sie schloss gequält die Augen und wünschte sich, dass sich der Erdboden auftat und sie verschlang.
?Was geht hier vor sich?? fragte der Prinz, ein leichtes Lächeln in den Mundwinkeln.
Der Hauptmann deutete ein Kopfnicken an, die beiden Elbinnen verneigten sich, wobei Enelya felsenfest davon überzeugt war, dass sie nicht wieder in den Stand kommen würde. Doch es gelang.

?Diese beiden verließen gerade die Hallen der Quellen?, begann Eldaron.
?Das ist nicht verboten?, bemerkte Legolas freundlich.
Irritiert musterte der Hauptmann ihn, dann fuhr er fort. ?Nur kurz, nachdem Ihr das Bad verließt!?
Der Prinz wandte sich ihm zu. ?Wenn noch jemand in den Hallen gewesen wäre, hätte ich ihn doch gesehen, Eldaron.?
Der Mund des älteren Elben stand offen. ?Sicher, Hoheit.?
?Also können sie nicht dort drin gewesen sein. Vielleicht waren sie gerade in die Hallen eingekehrt und haben es sich wieder anders überlegt??
Enelya traute ihren Ohren nicht. Vermutlich hatte sie eine der großen Spinnen auf einem Ausritt gebissen und sie halluzinierte das alles. Ja, bestimmt war es so. Gleich würde sie aufwachen und der Spinne ins riesige Maul schauen. Ein verlockender Gedanke. Sie gestattete es sich für einen Moment, sich diesem Traum hinzugeben.
Nienna nickte stürmisch. ?So war es, Hoheit!? sagte sie mit einer Verbeugung.
?Das dachte ich mir?, entgegnete Legolas mit einem Nicken. ?Und nun möchten uns die Damen entschuldigen, so erbauend Eure Gesellschaft auch ist. Ich benötige meinen Hauptmann!?
Er lächelte den Elbinnen zu und neigte den Kopf, dann fasste er nach dem Arm Eldarons und zog durch die Gänge von dannen.

Wie vom Donner gerührt standen Nienna und Enelya da und sahen sich an. ?Oh Eru!? seufzte Nienna. ?Er ist unglaublich!?
Enelya konnte sie nur stumm ansehen. Schließlich fand sie ihre Sprache wieder. ?Ich werde NIE wieder ein Wort mit dir sprechen!?
?Ach komm schon! Das war doch heldenhaft!? Sie starrte verzückt in den Gang, in dem Prinz Legolas verschwunden war.
?Ich bin fast gestorben!?
?Du übertreibst! Hast du diese Muskeln gesehen?? Aus Niennas dunklen Augen sprang der Übermut.
?Ich sah unser Ende!? entgegnete Enelya und musste nun doch ein wenig grinsen. ?Wieso hat er uns verteidigt??
?Er sah müde aus. Sicher hat er uns wirklich nicht bemerkt.?
?Und es ist typisch für ihn, dass er an das Gute in uns glaubt!? Enelya stöhnte leise. ?Heute Abend werde ich beim Essen sterben, wenn ich ihm gegenüber sitze.?
?Ach was.? Kichernd fasste Nienna ihre Hand und zog sie mit sich.


~*~*~*

Thranduil war an diesem Abend besonders guter Laune. Nicht, dass er es irgendjemandem gezeigt hätte, aber die Rückkehr seines Sohnes erfreute ihn sehr. Nun saß er neben ihm an der langen Tafel und unterhielt sich leise mit Direnduir, seiner rechten Hand, um sich über die Entwicklungen im Königreich zu informieren. Ein guter Sohn...

Nienna und Enelya saßen tatsächlich dem Prinzen gegenüber, allerdings wurde ihre Freude darüber etwas getrübt, dass sich Eldaron neben ihnen platziert hatte. Enelya war sich sicher, dass er ihre Gespräche belauschen wollte, weswegen sie nicht so frei sprechen konnten wie sonst. Doch das machte nichts, nicht bei diesem Anblick. Jede Bewegung Legolas registrierte sie, jedes kleine Lächeln und schloss es tief in sich ein, wo es ihr niemand wieder würde nehmen können.
Der Prinz beugte sich über den Tisch in die Richtung seines Beschützers. ?Eldaron??
?Ja, Hoheit?? Für einen kurzen Moment ließ er tatsächlich die beiden Freundinnen aus den Augen, was Nienna zu einem stummen Kichern reizte.
?Könntet Ihr jemanden bitten, die Hallen der Quellen zu durchsuchen?? Legolas Ton war unverbindlich und höflich.
Nienna verschluckte sich an dem Schluck Wein, den sie gerade genommen hatte, während Enelya spürte, wie ihr die Röte ins Gesicht stieg. Zu allem Überfluss wurde jetzt auch noch der König aufmerksam.
?Die Hallen der Quellen?? fragte er erstaunt.
Legolas nickte bedächtig. ?Es scheint, als habe sich in den größten der Bäume dort etwas eingenistet.?
?Tatsächlich??
?Es kann nichts großes gewesen sein.?
?Eine Ratte?? fragte Direnduir. ?Kaum vorstellbar!?

?Eher noch kleiner!? erwiderte der Prinz mit einem Lächeln. ?Vielleicht eine Maus? Könnten auch zwei gewesen sein.?
Eldaron nickte verwirrt, sagte aber nichts. Nienna kam wieder zu Atem und starrte Enelya an, die nicht wusste, was sie sagen sollte. Am besten wohl eher nichts. Ihr Blick fiel auf ihr Gegenüber.

Legolas lehnte sich mit einem zufriedenen Ausdruck im Gesicht zurück und griff nach seinem Becher. Dann zwinkerte er den beiden Elbinnen gegenüber mit einem bezaubernden Lächeln zu.

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Zuletzt geändert von Liliana am 14. Okt 2008 11:49, insgesamt 4-mal geändert.

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So, meine liebe Regenwurmanbeterin, jetzt befasse ich mich mal mit den frechen Elbinnen. :knuddeln:

Zitat:
?Dafür wird uns der König umbringen!?
Ungeduld sprach aus Niennas Blick. ?Nur, wenn wir uns erwischen lassen!?

Das fängt ja schon vielversprechend an. ;)

Zitat:
?Solange keine von uns ein verräterisches Geräusch von sich gibt...? erwiderte Nienna mit vielsagendem Blick. ?Wie ein Seufzen.?

Da ich ja weiß, welche realen Personen dir dabei im Kopf herumgespukt sind, halte ich DAS für unmöglich. *kicher*

Zitat:
Enelya wollte widersprechen, doch im gleichen Moment vernahmen ihre Ohren das Geräusch der sich öffnenden Tür.

Das ist eigentlich die einzige Stelle, die mir widersprüchlich vorkam.
Heiße Quellen, neben denen ein Baum wächst, in einer Höhle?
Und dann noch eine Tür???
Irgendwie passt das nicht.

Zitat:
Offensichtlich stand Nienna kurz vor dem Erstickungstod, aber Enelya beschied, dass sie ruhig in Mandos Hallen eingehen konnte.

*Sauerstoffzelt und Schokoinfusion bereitmache* *giggel*

Zitat:
Dann griff er nach seiner Hose und öffnete das Band, das das Beinkleid um seine Hüften hielt. Nienna sog die Luft durch die Zähne ein und Enelya sah erschrocken zu ihr.

Wusste ich es doch. :lool:
Aber würde es nicht besser klingen, wenn du schreiben würdest: ... und Nienna sah sie erschrocken an.

Zitat:
Oder, noch schlimmer, sie würde von Enelya verlangen, mit dem Sohn Thranduils zu tanzen.

Ja aber ... was ist denn an tanzen schlimm?
Dabei ist Legolas doch angezogen. *haltlos kichere* :haha:

Zitat:
Ein Elb baute sich aus dem Nichts vor ihnen auf, das Gesicht wie von einer sehr düsteren Gewitterwolke verdunkelt.

Erwischt! *gröööööhl*
Ich bin ja mal gespannt, wie sie sich da raus reden wollen.

Zitat:
?Was, denkt ihr, in Erus Namen, was ihr hier tut??

Denken? Sie denken nicht, sie sabbern nur. *weglach*
Aber als Entschuldigung ginge das nur bei uns durch. ;)

Aah, Legolas selbst rettet sie. Und er bietet ihnen eine Ausrede an, die sie bereitwillig annehmen.
Wenn da mal nicht was dahinter steckt. :razz:

Zitat:
?Könntet Ihr jemanden bitten, die Hallen der Quellen zu durchsuchen?? Legolas Ton war unverbindlich und höflich.

und
Zitat:
Legolas nickte bedächtig. ?Es scheint, als habe sich in den größten der Bäume dort etwas eingenistet.?

:lool: :lool: :lool:

Zitat:
Legolas lehnte sich mit einem zufriedenen Ausdruck im Gesicht zurück und griff nach seinem Becher. Dann zwinkerte er den beiden Elbinnen gegenüber mit einem bezaubernden Lächeln zu.

So ein Schlingel. *immer noch lachen muss*

Süße, deine kleine Geschichte über zwei freche Elbinnen ist dir sehr gut gelungen. Sieist witzig, kurzweilig zu lesen und macht Lust auf mehr. Immer weiter so.

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VIIIIIELEN DANK, liebstes Minchen! *strahl* :jubel: :knuff:

Schön, dass du das alles so plastisch vor dir sehen konntest... :mrgreen: *giggel* Ein paar Worte noch zu den Hallen der Heißen Quellen. Thranduils Palast ist ja quasi eine Höhle, schön in die Erde eingepasst... Ich dachte mir, wenn die Elben dort Heiße Quellen finden würden, dann würden sie sie sicher in ihren Palast integrieren. Die Bäume, oder eher Hecken haben sie mit herein gebracht, obwohl das sehr lichtscheue Exemplare sind. Vielleicht konnte ich dir das damit etwas anschaulicher machen, wie ich das meinte? *hilflos guck*

Liebste Grüße Lil

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Und nun folgt die Fortsetzung der Plagen, die mich einfach nicht mehr loslassen wollen. BÖSE PLAGEN! *fg*



Dem Prinzen zu Füßen



Das Brett unter ihr, das selbst für das zarte Gewicht einer Elbenfrau nicht ausgelegt war, knirschte noch ein letztes Mal gequält und gab dann endgültig nach.
Noch im Fallen verfluchte Enelya stumm ein letztes Mal Nienna, schließlich sich selbst, dass sie sich wieder einmal auf einen der Pläne ihrer Freundin eingelassen hatte. Dann schlug sie auf dem Boden auf und der Atem wurde ihr aus der Lunge gepresst. Neben sich konnte sie ihre Freundin stöhnen hören.

Dabei hatte alles so harmlos angefangen. Wie all ihre kleinen Abenteuer. Nienna hatte das glorreiche Vorhaben gehabt, den Prinzen der Waldelben vor der Jagd zu beobachten, die er mit seinen Freunden unternehmen wollte. Übriges Elbenvolk war nicht zugelassen, was sowohl Nienna und Enelya als auch Eldaron, der Hauptmann der Leibwache des Prinzen, betraf und gleichermaßen übel aufstieß.
Wenn auch aus vollkommen unterschiedlichen Gründen. Nun, Enelya glaubte zumindest, dass dem Hauptmann nicht daran lag, den Prinzen zu beobachten und anzuschwärmen.

Doch Nienna wäre nicht sie selbst, wenn sie nicht eine Möglichkeit ausgeheckt hätte, trotzdem noch einen Blick auf Legolas zu erhaschen. Und so entwickelte sie die Idee, sich im Stall zu verstecken, bis der Prinz mit seiner Jagdgesellschaft auftauchte. Von oben, so plante sie, würden sie alles genau sehen und beobachten können.
Dies sei absolut sicher, hatte die dunkelhaarige Elbin beteuert. Rein gar nichts könne dieses Mal schief gehen. Sie würden niemals erwischt werden. Alleine, dass der Plan von Nienna stammte, hätte Enelya zum Zögern veranlassen sollen, kannte sie die Freundin doch gut genug. Bis in alle Ewigkeit würde sie der Moment verfolgen, in dem ihr klar wurde, dass Legolas sie beide dabei erwischt hatte, ihn beim Baden beobachtet zu haben. Seitdem wurde sie immer noch scharlachrot, wenn sie ihn auch nur von weitem sah. Und diesen Moment hatte sie ebenfalls Nienna zu verdanken.

Wieder einmal hatte es sich nicht bewährt, sich auf Niennas Idee zu verlassen. Sie waren in den Stall gelangt und auf den Heuboden geschlichen und von dort aus ins Gebälk des Stalles, aber Nienna musste ein Seufzen entwischen, als der Prinz des Waldelbenreiches mit seinen Freunden Elrohir und Elladan den Stall betreten hatte und in Sichtweite gekommen war.
Wie sehr Enelya auch gebetet hatte, sie hatten das Geräusch nicht überhört, auch wenn Elrohir, der jüngere der Zwillinge, eine Eule vermutete, machte sich sein Bruder doch auf den Weg, die Leiter hinauf, um den Urheber zu finden.
?Halt dich gut fest, Bruder und gib Acht!? hatte Elrohir zu ihm hinaufgerufen und Enelya und Nienna nutzten seinen lauten Ruf, um sich unbemerkt ein wenig höher ins Gebälk zurückzuziehen. ?Vielleicht ist es eine von den ekelhaften Spinnen, die es in manchen Teilen des Reiches gibt!?
?Elrohir, dies hier ist der Stall unseres Palastes?, hatte der Prinz gelassen entgegnet, ohne auf die spöttelnde Bemerkung seines Gastes aufgebracht zu reagieren. ?Ich bezweifele wirklich, dass es hier von diesen Kreaturen wimmelt.?
?Sie könnte sich verlaufen haben?, hatte Elronds Sohn gemeint und gelacht. Kopfschüttelnd hatte sich Legolas umgedreht und zu den Boxen hinübergesehen.
Elladan war elegant in einer fließenden Bewegung auf den Heuboden gesprungen und sein Haar war so dicht an Niennas Kleidersaum gewesen, dass er ihn fast berührte. Der Elb hatte sich umgesehen und war ein paar Schritte in die Ecken getreten, während das Brett, auf dem Enelya und Nienna Zuflucht gefunden hatten, ein Ächzen von sich gegeben hatte. Alarmiert und reglos hatten die beiden Elbinnen auf den Sohn Elronds gestarrt, der jedoch nicht zu ihnen hinaufblickte.
Langsam hatte Enelya weitergeatmet und Eru gelobt, wenn er sie behütet aus der Situation herausführen würde, dass sie sich niemals wieder einem von Niennas Plänen verschreiben würde. Im selben Augenblick hatte das Brett nachgegeben. Die Valar und der Eine antworteten für gewöhnlich nicht so rasend schnell wie in diesem Fall.

Sterne schienen vor Enelyas Augen zu tanzen, so sehr schmerzte ihr Brustkorb, mit dem sie ungebremst einige Meter tief aufgeschlagen war. Nur schemenhaft bekam sie mit, wie der jüngere von Elronds Zwillingen einen erschrockenen Laut ausstieß und sich neben Nienna kniete.
?Meine Herrin...?, sagte er mit einem verzweifelten Unterton in der Stimme und griff nach Niennas Hand. ?Seid Ihr verletzt??

Legolas, natürlich, ausgerechnet, schoss es Enelya durch den Kopf, beugte sich zu ihr hinunter. ?Lady Enelya!?
Probeweise holte Enelya tief Luft und war erstaunt, dass die Schmerzen einigermaßen erträglich waren. Zum Sprechen war sie allerdings noch nicht in der Lage. Nienna neben ihr offensichtlich auch nicht, und Enelya dachte böse, dass dies ein ganz glücklicher Umstand war.
Sie bemühte sich, sich vom Boden wegzudrücken und fühlte Legolas Hand, die ihr unterstützend aufhalf. Vorläufig setzte sie sich bloß und ließ sich vom Prinzen gegen eine Stallwand lehnen. Eigentlich wollte sie es nicht, aber dann sah sie doch auf und blickte zu ihm hoch. Sie hätte es nicht tun sollen. Seine Augen musterten sie in diesem tiefen Blau, von dem sie jede einzelne Nacht träumte und schon blieb ihr wieder die Luft weg. Diesmal lief sie nicht rot an, doch sie vermutete, dass sie dafür ziemlich blass aussah. Kraftlos lächelte sie in ihn an, weil er so besorgt aussah.
?Geht es Euch gut?? fragte er leise und sie rang sich zu einem Nicken durch.
Neben ihnen sprang Elladan die letzten Sprossen der Leiter einfach hinab und bückte sich zu Nienna. ?Bei Eru, ich hoffe, Ihr habt Euch nichts getan!?

Enelya sah, dass Nienna immerhin schon Kraft genug für ein atemberaubend unschuldiges Lächeln hatte. ?Es geht?, ächzte die Elbin nonchalant und tat so, als wäre es üblich, dass junge Elbinnen von Stalldächern plumpsten.
?Sollen wir Euch zu einem Heiler bringen?? erkundigte sich Elrohir. Seine dunklen Augen waren ebenfalls besorgt und so ernst, wie Enelya den Elben selten gesehen hatte.
?Nicht notwendig, ich bin selbst Heilerin?, hauchte Nienna und strich sich vorsichtig über die Rippen, als wollte sie zählen, ob noch alle dort waren. ?Mir geht es schon wieder ganz gut.?
Legolas nickte und sah dann nach oben ins Gebälk. ?Das wird Direnduir gar nicht gefallen...?
Enelya, die gerade damit beschäftigt war, möglichst behutsam Luft zu holen, blieb wie erstarrt und lief rot an.
?Wir sollten die Herrinnen in den Palast bringen, und dann sogleich die rechte Hand deines Vaters benachrichtigen. Verschieben wir den Anbruch der Jagd etwas?, schlug Elladan vor.
Der Prinz nickte und richtete einen besorgten Blick auf die beiden Elbinnen. ?Könnt Ihr denn schon laufen??

Nienna sah hastig zu Enelya und diese konnte sehen, wie es bereits hinter der Stirn ihrer Freundin arbeitete.
Jede einzelne Minute, die sie länger mit Legolas verbrachten, war kostbar, aber je länger sie hier waren, umso eher konnten die Elben, die immerhin nicht auf den Kopf gefallen waren, auf die Idee kommen, zu fragen, was die beiden Freundinnen eigentlich hier getrieben hatten. Nienna war offenbar von einem seltenen Anflug von Vernunft beseelt, denn sie wisperte mit einem koketten Augenaufschlag: ?Ich glaube schon. Ich könnte es ja mal versuchen.? Sie fasste mit ihrer schmalen Hand nach Elrohirs, der ihr die seine hilfreich hinhielt, und stand auf.
Wortlos tat Enelya es ihr gleich. Ihre fehlende Sprache lag nicht nur an dem Sturz und der überaus peinlichen Situation, sondern vor allem auch daran, dass es Legolas war, der ihr aufhalf.
Er grinste sie aufmunternd an und plötzlich sank ihr das Herz.
?Wunderbar?, meinte Elladan und fasste nach Niennas anderem Arm. ?Dann werden wir euch begleiten, wenn Ihr erlaubt.? Nienna neigte den Kopf zum Dank und beobachtete mit unbeteiligter Miene, wie Elladan noch einmal prüfend nach oben schaute. ?Merkwürdig ist es schon, dass ein Balken einfach bricht.?
?Nun ja?, entgegnete sein Zwilling gedehnt, ?vermutlich war das Brett nicht stark genug, um zwei Elbinnen zu halten. Was die Frage aufwirft, und verzeiht, wenn ich Euch unhöflich erscheine: Was habt Ihr dort oben gemacht??

Drei Augenpaare, eines blau, die anderen braun, richteten sich auf Enelya und Nienna. Enelya schnappte nach Luft und wurde von einem Hustenanfall geschüttelt, der es ihr glücklicherweise unmöglich machte, zu antworten. Sie hätte auch nicht wirklich eine Entgegnung gewusst.
Nienna behielt ihre Geistesgegenwart und behauptete hastig : ?Wir haben etwas gehört!?
?Eigentlich dachte ich, ICH hätte etwas gehört, meine Herrin?, grinste Elladan und warf seinem Bruder einen vieldeutigen Blick zu.
?Warum wart Ihr auf dem Heuboden?? fragte Legolas nun leise Enelya, die sich seine Stimme zwar schon häufig so nah und sanft an ihrem Ohr gewünscht hatte, aber nicht mit einer solchen Frage.
Sie spürte, wie sich ihre Wangen rosa verfärbten. Um nichts in der Welt hätte sie nun antworten können.
?Wir...?, begann Nienna, doch der Prinz unterbrach sie bloß mit einer Handbewegung. ?Verzeiht, Lady Nienna, ich habe Eure Freundin gefragt.? Seine Stimme war nicht weniger freundlich, aber es war eine eindeutige Aufforderung an Nienna, nun zu schweigen.
Hilflos starrte Enelya ihre Freundin an. Nicht sie war es, der immer eine Ausrede einfiel und offensichtlich war das dem Prinzen mehr als bewusst. Nienna riss die Augen auf und machte eine dringende Geste mit den Händen. Lautlos formte sie die Worte: ?Sag was!?
?Wir haben ein Geräusch gehört?, sprudelte es aus Enelya hervor.
?Aber was habt Ihr überhaupt im Stall gemacht??

Enelya verstummte und nahm sich vor, nie nie nie wieder auf nur im Entferntesten auf etwas einzugehen, dass diese Plage namens Nienna vorschlug.
Nun öffnete Nienna doch den Mund, um ihrer Freundin zu Hilfe zu kommen, doch ein lautes Lachen erklang.
?Sei nicht so streng, Legolas, ich glaube, ich weiß, was sie vorhatten!? gluckste Elrohir amüsiert.
Sein Zwilling lachte ebenfalls, als sich Legolas mit erstauntem Blick an seine Freunde wandte. ?Nun ja, das ist doch ganz klar. Wie es aussieht, wollten sie einfach einen Blick auf dich erhaschen!?

Enelya packte der schlimmste Hustenanfall, den sie jemals gehabt hatte, während selbst Nienna zum vermutlich ersten Mal in ihrem Leben sprachlos war.
?Das ist ja auch überhaupt nicht schlimm, zumindest nicht bei so hübschen und charmanten jungen Elbinnen!? steuerte Elladan seinen Beitrag zur Diskussion bei und zwinkerte.
Während Enelya nach Luft rang, wünschte sie Nienna von Herzen, dass sie für diesen misslungenen Plan einen möglichst großen, langandauernden Pickel bekam, den sie ausgerechnet auf einem Fest zur Schau stellen musste.

?Ähm...? machte Nienna wenig elbenhaft und Enelya erkannte mit einem Seitenblick auf die Freundin, dass sie fieberhaft nachdachte.
Langsam und vorsichtig ließ sie den Blick zur anderen Seite schweifen und sah Legolas, der zu ihrem großen Erstaunen tatsächlich sprachlos erschien. Nun musste sie nur noch herausfinden, ob vor Wut oder einem anderen Grund.
?Legolas, wirklich!? lachte Elrohir. ?Ich wäre froh, uns würde so was mal passieren!?
?Ja, ich kann nicht abstreiten, dass ich auch etwas neidisch bin!? gab Elladan grinsend zu und klopfte Legolas auf die Schulter.
?Verrate uns dein Geheimnis, wenn wir wieder unter uns sind!? bat sein Bruder. Mit einem weiteren Seitenblick erkannte Enelya, dass Legolas etwas hilflos drein sah.
?Also, eigentlich... wir waren nur...?, brummelte Nienna zusammenhanglos vor sich hin, eine Art, die sie noch nie an den Tag gelegt hatte.
?Lasst gut sein, meine Herrin, wir werden es niemandem verraten!? schwor Elrohir an ihrer Seite mit einem Zwinkern.
?Das zieht allerdings nach sich, mein lieber Freund, dass du sie nicht bestrafen kannst, was du auch nicht solltest!? ergänzte Elladan.
?Auf gar keinen Fall!? pflichtete sein Zwilling ihm bei. ?Und wofür auch??

Nienna hielt inne und drehte sich zu Legolas. Offenbar war ihr letzten Endes doch noch eine Taktik eingefallen, um das Schlimmste abzuwenden und sie weiter unentdeckt bleiben zu lassen. Gespannt lauschte Enelya, als die Elbin zu sprechen anhub. ?Bitte, Legolas, verzeiht uns. Zürnt uns nicht.?
Ungläubig hörte Enelya die Entschuldigung und glaubte, dass sich entweder sie oder Nienna ganz gewaltig den Kopf gestoßen haben mussten, denn das konnte einfach nicht sein. Nienna würde doch niemals zugeben...
?Vergebt uns, Hoheit!? Nun erspähte Enelya sogar Tränen auf dem Gesicht der Freundin und die Stimme Niennas zitterte. Wenn sie es nicht besser wüsste, würde sie ihr die Tränen und die Zerknirschtheit beinahe abnehmen, so gut war Niennas Vorstellung.

Der Prinz nickte schwach, dann wandte er sich an die beiden Elbinnen. ?Ich werde Euch vergeben, denn wie könnte ich nicht?, sagte er mit einem leichten Lächeln. ?Aber nur, wenn Ihr mir eine Sache versprecht!?
?Alles, was Ihr wollt, mein Prinz!? versprach Nienna eilig.
Die Söhne Elronds warfen sich einen Blick zu und schienen das Lachen nur mit Mühe unterdrücken zu können. Legolas sah sie warnend an, dann nahm er mit der rechten Hand die Enelyas, mit der linken die von Nienna. ?Versprecht mir, dass Ihr Euch nicht mehr meinetwegen in Gefahr begebt. Euch hätte Schlimmes geschehen können!?
Nienna sank anmutig auf die Knie und zog Enelya mit sich. ?Natürlich, Hoheit!? Enelya nickte bloß. Mehr war ihr beim besten Willen nicht möglich. Die ganze Situation und Legolas Hand auf ihrer verursachten ein Kribbeln auf ihrer Haut und machten sie so aufgeregt, dass sie schwören würde, nie wieder schlafen zu können, ohne von ihm zu träumen.
?Und nun werden wir Euch in den Palast bringen. Vielleicht doch zu einem Heiler?? Besorgt sah Legolas von einem zum anderen und Enelya war wie elektrisiert von seinem Blick.
?Nicht nötig?, versicherte Nienna. Enelya konnte nur in seine faszinierend blauen Augen sehen und den Kopf schütteln.
?Also gut?, schloss Legolas und bot ihr den Arm. Enelya befürchtete, sie würde ohnmächtig werden, als sie ihre seltsam taube Hand um seinen Arm legte und neben ihm einher schritt, obwohl sie wusste, dass sie sich dafür verfluchen würde, diesen Moment, in dem sie ihm so nah sein konnte, zu verpassen.
Wie auch immer, es würde sicher nicht die letzte Gelegenheit sein, in seiner Nähe zu sein. Zumindest auf Niennas Pläne konnte man sich verlassen.

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es geht weiter ... :hips:
Ich bin ja mal gespannt, was die Beiden sich diesmal einfallen lassen werden, um in Legolas Nähe sein zu dürfen. ;)

Zitat:
Nun, Enelya glaubte zumindest, dass dem Hauptmann nicht daran lag, den Prinzen zu beobachten und anzuschwärmen.

Nun, das wage ich auch zu bezweifeln. :lool:

Zitat:
aber Nienna musste ein Seufzen entwischen, als der Prinz des Waldelbenreiches mit seinen Freunden Elrohir und Elladan den Stall betreten hatte und in Sichtweite gekommen war.

Immer dieses verräterische Seufzen. *kicher*
Vieleicht sollten die Zwei sich ja mal den Mund mit Heftpflaster zukleben, wenn sie auf Legolasschau gehen. :twisted:

Zitat:
Im selben Augenblick hatte das Brett nachgegeben. Die Valar und der Eine antworteten für gewöhnlich nicht so rasend schnell wie in diesem Fall.

Das klingt aber nicht nach dem behüteten Herausführen, für das Enelya gebetet hatte. :kopf:

Zitat:
?Meine Herrin...?, sagte er mit einem verzweifelten Unterton in der Stimme und griff nach Niennas Hand. ?Seid Ihr verletzt??

Klingt da mehr als nur Besorgnis in der Stimme des Elben mit? *aufhorch*

Zitat:
Was die Frage aufwirft, und verzeiht, wenn ich Euch unhöflich erscheine: Was habt Ihr dort oben gemacht??

Diese Frage musste ja kommen. *kicher*

Zitat:
?Sei nicht so streng, Legolas, ich glaube, ich weiß, was sie vorhatten!? gluckste Elrohir amüsiert.
Sein Zwilling lachte ebenfalls, als sich Legolas mit erstauntem Blick an seine Freunde wandte. ?Nun ja, das ist doch ganz klar. Wie es aussieht, wollten sie einfach einen Blick auf dich erhaschen!?

Elronds Söhne sind eindeutig nicht auf den Kopf geschlagen.
Sie haben die Absicht der Elbinnen gut erkannt. Allerdings ist das jetzt für alle drei Beteiligten eine peinliche Situation.
Für die Freundinnen, die durchschaut wurden wie für Legolas, der mit dieser Erklärung bestimmt nicht gerechnet hat.

Ich könnte das ganze anschließende Geplänkel zwischen den Zwillingen und Legolas zitieren, so gut hat es mir gefallen.
Elladan und Elrohir sind einfach köstlich.

Zitat:
?Versprecht mir, dass Ihr Euch nicht mehr meinetwegen in Gefahr begebt. Euch hätte Schlimmes geschehen können!?

Wenn Worte eine Brücke wären, dann wollte ich über die Antwort Niennas nicht gehen wollen.
Das schafft sie doch nie im Leben. Und wo sie ist, ist auch Enelya dabei, ob sie will oder nicht. :fg:

Zitat:
Wie auch immer, es würde sicher nicht die letzte Gelegenheit sein, in seiner Nähe zu sein. Zumindest auf Niennas Pläne konnte man sich verlassen.

Sag ichs doch. *ggg*

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Zitat:
Zitat:
Zitat:
?Versprecht mir, dass Ihr Euch nicht mehr meinetwegen in Gefahr begebt. Euch hätte Schlimmes geschehen können!?


Wenn Worte eine Brücke wären, dann wollte ich über die Antwort Niennas nicht gehen wollen.
Das schafft sie doch nie im Leben. Und wo sie ist, ist auch Enelya dabei, ob sie will oder nicht.


Ja, Minchen, so ist das... auch wenn Enelya eigentlich NIE NIE wieder etwas derartiges machen will, bei der nächsten Gelegenheit ist sie doch wieder dabei. :mrgreen:
Nienna hat aber auch eine Überzeugungskraft- "Wir werden bestimmt nicht erwischt!" *lach*
Und natürlich hat der Prinz ja auch eine magische Anziehungskraft auf die Beiden. *kicher*


LG Goosy

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Hab vielen lieben Dank für dein Review! :tanz:

Zitat:
Das klingt aber nicht nach dem behüteten Herausführen, für das Enelya gebetet hatte


Ich glaube, den Valar ist dieses Herumschleichen nicht so ganz recht... :mrgreen:

Du hast da schon den absolut richtigen Riecher, was Nienna und Enelya angeht... :mrgreen: Und Elladan und Elrohir, die find ich ja auch einfach nur zum Knuffeln seit einer gewissen FF... Die Mussten rein und machen immer sehr viel Spaß.

Ich danke dir, liebste Grüße deine Lil

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Kapitel 3





?Enelya, tu was, dieses Monstrum bringt mich um!? behauptete Niennas Stimme hinter ihr im Brustton der Überzeugung und die Elbenfrau mit den gelockten, dunkelblonden Haaren drehte sich auf ihrem Pferd nach Nienna um.
Sie hatte noch niemals eine Elbin gesehen, die so sehr uneins mit der Natur war und so hölzern auf einem Pferd sitzen konnte wie Nienna. ?Hör auf, dich so verkrampft festzuklammern!? riet sie ihr zum wiederholten Male und ließ sich ein wenig zurückfallen.
?Aber ich hab Angst!? jammerte Nienna und starrte anklagend auf die Mähne ihres Rappens, als habe das Pferd sie eigenhändig zu sich geschleift und auf sich gesetzt.
?Bitte geh ein bisschen mit seiner Bewegung mit und lass wirklich mal locker!? Geduldig gab sie die gleichen Anweisungen wie unzählige Male zuvor. Eine Zeitlang schienen sie auch zu helfen, doch dann machte der Rappe einen etwas weiteren Schritt als die anderen und Nienna kiekste nervös.

?Nienna, mal ganz im Ernst: Ich glaube nicht, dass dieser PLAN?, sie betonte dieses Wort ganz besonders, ?so gut ist. Vielleicht solltest du umkehren. Ich bring dich auch in den Palast zurück!?
Mit purem Entsetzen starrte Nienna ihre Freundin an, als sei sie eine Erdspinne, die soeben angefangen hatte zu singen. ?Bist du verrückt? Den ganzen Weg umsonst? Ich bin mitgekommen, um IHN auf der Jagd zu sehen, und nicht, um wieder zurückzureiten. Das vergiss mal gleich wieder!?
?Myladys Enelya und Nienna, es wäre großartig, wenn Ihr Euren Reitunterricht auf einen anderen Zeitpunkt als eine Jagd verlegen könntet!? knurrte Eldaron hinter ihnen. Nienna zuckte zusammen und warf ihm dann einen hochmütigen Blick zu.
?Ich brauche keinen Unterricht, ich kann reiten!? behauptete sie mit einer solchen Überheblichkeit, dass sogar Enelya ihr beinahe geglaubt hätte.
?Das sehe ich?, bemerkte Eldaron trocken. ?Und nun bitte ich um Ruhe, denn sonst können wir die Jagd gleich aufgeben, weil sämtliches Wild bis nach Lorien ausgewandert ist.?
Er ritt an ihnen vorbei und verschwand in der Gruppe vor ihnen.

Nienna grinste Enelya an, doch das Lächeln verging ihr rasch, als ihr Pferd einen ruhigen Satz über eine Wurzel machte. Sie quietschte erschrocken auf und klammerte sich wieder fest. Seufzend packte Enelya nach den Zügeln des erbarmenswerten Tieres, das langsam nervös wurde und murmelte: ?Der Plan ist wirklich einer deiner schlechtesten.? Sie warf der dunkelhaarigen Elbin einen vielsagenden Seitenblick zu. ?Zumindest bis jetzt!?
?Wir müssen bloß den Anschluss behalten?, meinte Nienna und überhörte die Bemerkung. ?Nur in seiner Nähe bleiben. Eigentlich müssen wir ja noch nicht einmal etwas schießen!?

Immerhin war dieses Detail des Planes, in dem sie einen riesigen Hirsch schossen und bewundernde Blick einheimsten und vor allem die Aufmerksamkeit des Prinzen auf sich zogen, mittlerweile verabschiedet worden. Vermutlich wegen Unausführbarkeit. Nienna hatte offensichtlich genug damit zu tun, sich auf dem Pferderücken zu halten.

?Lady Nienna?, grüßte eine Stimme hinter ihnen und sogleich ritten Elronds Söhne neben ihnen, in Begleitung von Legolas, der ihnen zunickte.
?Lady Enelya, Eure Anwesenheit ehrt diese Jagd und schmeichelt diesem düsteren Düsterwald auf ganz besondere Art!? sagte Elladan und schaffte es, auf seinem Pferd eine Verbeugung anzudeuten.
?Ihr scheint Pferde wirklich zu lieben, Lady Nienna?, fügte Elrohir mit einem Zwinkern hinzu. ?Kein Wunder, dass man Euch ständig im Stall erwischt!?
Nienna kicherte recht unelbisch und warf ihm einen Seitenblick zu. ?Lord Elladan, Lord Elrohir, Eure Hoheit? , grüßte Enelya zurück, damit wenigstens eine die Etikette erfüllte.
?Es sieht etwas gefährlich aus, wie Ihr dort sitzt, ohne Euch zu nahe treten zu wollen, Lady Nienna. Ich fürchte, ehrlich gesagt, um Eure Gesundheit?, erklärte Elladan mit einem Lächeln.
`Die geistige vielleicht´, dachte Enelya giftig. Man sah Nienna auf zehn Meilen Entfernung an, dass Reiten nicht zu ihren liebsten Beschäftigungen gehörte.
?Macht Euch keine Sorgen, Lord Elladan?, strahlte Nienna. ?Ich kann mich sehr wohl auf einem Pferderücken halten und die Jagd ist mein Leben!?

Ungläubig starrte Enelya sie an. Diese Lüge war schon mehr als dreist. Aber vielleicht verlor man irgendwann ja alle Skrupel, wenn man so wie ihre Freundin war. Die Söhne Elronds und der Düsterwaldprinz schienen nicht ganz so sehr an ihrer Aussage zu zweifeln, denn sie nickten den beiden noch einmal zu und ritten dann voran.

Als sie außer elbischer Hörweite waren, wisperte Enelya: ?Bist du verrückt? Die Jagd ist dein Leben??
?Irgendwie musste ich ja rechtfertigen, dass ich mich auf einem Tier befinde, das viel zu groß für mich ist und versuche, von seinem Rücken aus einen dämlichen Hirsch zu erschießen?, meinte Nienna und zuckte mit den Achseln.
Enelya hatte das Gefühl, dass ihre Freundin langsam sicherer im Umgang mit dem Rappen wurde, aber ihr Wahnsinn schien sich leider nur weiter zu verschlimmern.
?Wir müssen uns beeilen, sonst verlieren wir Legolas!? fügte Nienna hinzu. Zögernd sah sie auf den Rappen. ?Ob das auch schneller geht??

?Eru...? jammerte Enelya und trieb ihr Pferd an. Niennas Rappe verfiel ebenfalls in den Trab, um ihr zu folgen.
Mit jedem Schritt, den das Pferd machte, hörte Enelya Nienna leise seufzen. Schließlich gab sie ihrem Tier den Befehl zum Galopp, weil diese Gangart etwas weniger holprig war als der Trab.
?Willst du dich rächen für all die Pläne, die laut deiner Aussage misslungen sind?? erkundigte sich Nienna und stöhnte.
?Du willst doch dranbleiben, das Feld ist schon ziemlich weit vor uns, und ER auch!? erklärte Enelya ihr Tun. ?Ich seh ihn noch nicht mal mehr!?
?Was ist das?? fragte Nienna mit einem Mal und hielt ihr Pferd an. Enelya tat es ihr gleich und lauschte. Hufgetrappel, keine beschlagenen Hufe.
Sie starrte auf den Rand des Waldpfads, dem sie bisher gefolgt waren, ins Dickicht hinein und versuchte, etwas zu erkennen, als eine Herde von Hirschen aus dem Wald brach und über den von den Waldelben geschaffenen Weg hetzten.
Geschickt nahm sie den Bogen auf und legte einen Pfeil auf die Sehne. Aus den Augenwinkeln konnte sie Nienna beobachten, die das gleiche tat. Dann gaben sie ihren Pferden wortlos den Befehl, den Hirschen zu folgen.

Sie jagten das Wild nicht alleine. Eine Gruppe hatte sich zu ihnen gesellt, zu denen zu ihrer großen Freude Elronds Söhne und Legolas gehörten. Schnell rasten sie durch den Wald und selbst Nienna schien das Jagdfieber gepackt zu haben, denn sie beugte sich tief über den Hals ihres Pferdes, den Bogen in der Hand und schien alle Jammerei über das Reiten vergessen zu haben.
Dennoch konnte sie nicht verhindern, dass sie etwas zurückfiel, vermutlich, weil ihr schlicht und ergreifend die Übung fehlte. Enelya zügelte ihr Pferd ebenfalls, da sie ihre Freundin nicht alleine lassen wollte.
Schließlich fiel Niennas Rappe in einen leichten Trab und blieb am Ende stehen. Sie sah sich um und starrte in das dichte Unterholz. ?Wir haben sie verloren?, klagte sie.
?Ich weiß?, beruhigte Enelya sie, beschwingt von dem Rausch des wilden Ritts. ?Ist nicht schlimm...
?Nicht schlimm?? jammerte Nienna. ?Wofür sind wir denn mitgekommen??
?Um den Prinz bei der Jagd zu sehen und das haben wir auch!? grinste Enelya. Nienna warf ihr einen wenig überzeugten Blick zu. ?Jetzt wäre ich doch gerne bis zum Ende dabei gewesen...?
?Das nächste Mal dann!? meinte Enelya tröstend und wurde von einer Hirschkuh überrascht, die versprengt über den Weg huschte.
?Da kommt sicher noch mehr!? rief Nienna begeistert und richtete den Pfeil auf das Dickicht. Als etwas aus den Bäumen hervorbrach, ließ sie den Pfeil los.

Er flog elegant am Prinzen vorbei, der sich in seinem Sattel schnell nach hinten fallen ließ und so dem Treffer entging, verlor etwas an Kraft, passierte Elronds etwas verwirrt dreinschauende Zwillinge und bohrte sich dennoch überraschend effektiv in den Oberschenkel Eldarons.
Vor Überraschung, Wut und Schmerz stieß der Elb einen Laut aus, der an einen wütenden Bären erinnerte. Geschockt starrte Nienna abwechselnd auf den Hauptmann der Leibwache des Prinzen, Elronds Söhne und Legolas selbst. Sie schien von ihrem Schuss vollkommen überwältigt zu sein.

Enelya war nach dem anfänglichen Schock ohne Umschweife dazu übergegangen, sämtliche Valar anzurufen, damit sie Nienna beschützen würden, wenn sich der Zorn des Hauptmanns über sie entladen würde. Außerdem fühlte sie eine unbestimmte Erleichterung, dass sie nun ausnahmsweise einmal nicht ausbaden musste, was eigentlich aus Niennas brillantem Kopf stammte. Dennoch wappnete sie sich, ihre Freundin, so gut es ging, zu verteidigen. Es wäre allerdings von Vorteil, dachte sie, wenn der Prinz nicht anwesend gewesen wäre, denn seine Gegenwart machte sie immer noch stumm.

?Mein Herr...?, begann Nienna zögernd und sprang von ihrem Pferd, um zu Eldaron hinüberzueilen.
?Bei allen Valar!? stöhnte der Hauptmann. ?Ihr seid wahrhaftig eine Plage!? Mehr brachte er im Moment nicht heraus, was Nienna zum Vorteil gereichte. Sie kam zeitgleich mit Elrohir, der ein angestrengtes Gesicht machte, bei dem blassen Elben an. Enelya konnte sich nicht erklären, warum er so gequält aussah, doch sie beschloss, zu einem besseren Zeitpunkt darüber zu grübeln.

?Durchschuss!? teilte Elrohir dem Hauptmann mit.
?Ich werde Euch...? Eldaron brach ab, als Nienna ihn gemeinsam mit Elrohir vom Pferd hob. Sie ließen den Elben auf den Boden sinken und Nienna kniete neben ihm nieder.
?Könnt Ihr das hier behandeln?? fragte Elrohir und musterte Nienna offenkundig überrascht, dass sie zu mehr befähigt war als nur auf Waldelbenprinzen zu lauern und Pfeile auf unschuldige Wachmänner abzuschießen.

?Ja...?, sagte Nienna und wurde sogleich von Eldaron unterbrochen. ?NEIN!? rief er aufgebracht. ?NICHT IHR! JEDER, NUR NICHT IHR!?
?Vielleicht solltet Ihr die Behandlung verschieben, Lady Nienna?, schlug Elladan vor. Auch sein Gesicht war seltsam verzerrt. ?Wenn er noch weiter herumschreit, tauchen am Ende noch andere Waldbewohner als schießwütige Elbinnen auf...?

Elrohir entfuhr ein Geräusch, machte jedoch schnell ein unbeteiligtes Gesicht, als Enelya ihn ansah.
?In Ordnung?, meinte Nienna ernst. Zwischen ihren Augenbrauen war eine Falte. Alles in allem hatte sie vor lauter Schreck wohl vergessen, unschuldig auszusehen, dachte Enelya und verbiss sich ein Grinsen.

?Nun, wir werden zunächst in den Palast reiten?, hörte sie Legolas Stimme und ihr Herz begann wild zu pochen. ?Dort kann dann Nienna...?, er unterdrückte den aufkommenden Protest mit einer Handbewegung, ?oder Elrohir meinetwegen, die Wunde behandeln.?
?Ich werde nur unter einer Bedingung mitreiten, Legolas?, meldete sich Elladan und seine Augen funkelten vergnügt.
?Welcher??
?Jemand muss Lady Nienna den Bogen abnehmen, sonst fühle ich mich unsicher!? Und mit diesen Worten platzte das Lachen, dass er und sein Bruder so angestrengt zurückgehalten hatten, heraus und schallte durch den Düsterwald.

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BeitragVerfasst: 1. Dez 2007 10:59 
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Du weißt ja, dass ich deine Geschichte über alles liebe, aber dieses Chap hat es mir einfach besonders angetan.
*sich vor Lachen nicht mehr einkriegt*

Niennas Pläne in Kombination mit den Zwillingen muss unweigerlich zu Lachattacken führen.
Ich finde es großartig, wie du den Humor der Zwillinge einbaust:

Zitat:
?Lady Enelya, Eure Anwesenheit ehrt diese Jagd und schmeichelt diesem düsteren Düsterwald auf ganz besondere Art!? sagte Elladan und schaffte es, auf seinem Pferd eine Verbeugung anzudeuten.
?Ihr scheint Pferde wirklich zu lieben, Lady Nienna?, fügte Elrohir mit einem Zwinkern hinzu. ?Kein Wunder, dass man Euch ständig im Stall erwischt!?


Und hier:
Zitat:
?Jemand muss Lady Nienna den Bogen abnehmen, sonst fühle ich mich unsicher!? Und mit diesen Worten platzte das Lachen, dass er und sein Bruder so angestrengt zurückgehalten hatten, heraus und schallte durch den Düsterwald.


Ich liebe es auf jeden Fall und obwohl ich die Geschichte ja schon kenne, lese ich sie immer wieder gern...
(einfach zum Lachen und Träumen :typo_059: )

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BeitragVerfasst: 19. Dez 2007 22:36 
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Ach meine Süße,

ich freu mich so, dass dir die Geschiche so gefällt... *hips*

Vielen Dank... *verbeug*



Kapitel 4


Die Sonnenstrahlen fielen wärmend auf ihr Gesicht und Enelya schloss verträumt die Augen. So gesehen war dies eine Gelegenheit, einem wunderschönen Tagtraum nachzugehen. Die letzten Wochen waren anstrengend gewesen.
Seufzend streckte sie die Beine aus und ließ sich auf der Bank ein wenig tiefer sinken. Dieses Labyrinth war einfach ein herrlicher Ort, um seinen Gedanken freien Lauf zu lassen. Die hohen Hecken schienen jeden Laut zu dämpfen, was ihm etwas Verträumtes verlieh. Wenn man alleine war.
?Enelya?? fragte eine zarte, liebliche Stimme. `Nein´, dachte Enelya bloß. `Ich werde die Augen nicht öffnen.´
?Was ist mit dir?? fragte die Stimme weiter.
?Sie schläft, Nuinel. Komm her, ich lese dir die Geschichte weiter vor?, hörte Enelya Nienna sagen und sie musste zugeben, dass ihre Freundin schon einmal weitaus mehr Elan gezeigt hatte.
?Warum schließt sie die Augen beim Schlafen?? Das Elbenkind verfügte über einen wirklich gesunden Wissensdurst.
?Nuinel?, wiederholte Nienna und klang nun schon etwas entschlossener. Vermutlich musste Enelya nun nur noch ein Zeitalter der Welt warten, bis ihre Freundin sie vor Nuinel rettete.

Da sie nicht vorhatte, solange abzuwarten, öffnete Enelya die Augen wieder und sah sich einem Paar grüner Augen gegenüber, das sie ernst musterte. Als Nuinel merkte, dass sie wach war, strahlte das Mädchen und Enelya konnte nicht anders, sie musste zurücklächeln.
Nicht zum ersten Mal wurde ihr bewusst, wie wunderschön das Elbenkind war. Das Licht der Eldar war so stark in ihm, es schien durch es hindurchzuleuchten.
Helles, fast weißes Haar krönte seinen Kopf. Im Schein der Sonne war es wie von Goldfäden durchwirkt. Seine Gestalt war zart und wenn es lächelte, zeigte es eine solch große Wärme darin, dass niemand ihm widerstehen konnte. Nicht einmal Thranduil, und das wollte etwas heißen.

?Warum schließt du beim Schlafen die Augen?? wiederholte Nuinel. ?Ich hab nicht geschlafen?, erwiderte Enelya. ?Und ich schließe die Augen auch nicht beim Schlafen.?
?Das sähe auch komisch aus?, befand Nuinel und legte den Kopf schief. ?Zeigst du mir, wie man mit dem Bogen schießt??
?Der König hat dir doch schon erklärt, dass du noch zu jung bist?, sagte Nienna lächelnd und kam näher.
?Ich möchte nur sehen, wie sie es macht!? bettelte Nuinel. Ihre Augen wurden noch größer und schauten Nienna bittend an. Enelya hätte es nicht für möglich gehalten, dass ihre Freundin auf so etwas hereinfiel, hatte sie diese patentierten Blicke doch sozusagen entwickelt, doch offenbar hatte sie sich getäuscht.
Niennas Mimik wurde weich und sie zuckte die Achseln. ?Da ich dir nicht wirklich etwas vormachen kann, weil ich auf dem Gebiet vermutlich schlechter bin als du, musst du wohl Enelya fragen!?

Sofort wandte Nuinel die Strategie auf Enelya an, die sich ihre nun notwendige Stärke und Härte bewusst machte. Sie würde sich nicht von diesem manipulativen Miniatur-Elben hereinlegen lassen. Es ging ums Prinzip.
Außerdem war es nicht ratsam, Thranduil in diesen Tagen zu reizen. Der König hatte eine ausgesprochen schlechte Laune. Also stand ihr Entschluss vollkommen fest.
Nur ein Blick in die großen, unschuldigen Augen des Elbenkindes und er kam ins Wanken. ?Nein?, stammelte sie hastig.
Das hätte sie nicht tun dürfen.
Augenblicklich sammelten sich Tränen in den Augen von Nuinel. Enelya fühlte sich gemeiner und niederträchtiger als der letzte Ork, aber sie wollte nicht nachgeben.
?Nein?, wiederholte sie leise und unsicher. Das leichte Beben der Unterlippe gab ihr den Rest. Sie war kein Ork, sie war eine Spinne, ein augenloses Monster, das niemals Licht gesehen hatte und es auch gar nicht verdiente.
?Na gut!? grollte sie.
?Er wird uns nicht erwischen!? meinte Nienna aufmunternd. Diesen Satz hatte Enelya schon oft aus dem Mund ihrer Freundin gehört und er beunruhigte sie jedes Mal aufs Neue.

Das Jubeln, in das Nuinel ausbrach, machte den Eindruck des leidenden Elbenkindes zunichte. Seufzend gab Enelya auf und fügte sich in ihr Schicksal. Sie nahm den Bogen auf, den sie sorgfältig neben sich auf der Bank platziert hatte.
Nuinel hüpfte fröhlich vor ihnen her, während Nienna das Buch trug, aus dem sie dem Elbenkind vorgelesen hatte. Düster folgte Enelya ihnen und schloss zu Nienna auf. Seit Nuinel geboren war, wurde es vom ganzen Palast verehrt. Die Eldar hatten lange keine Kinder mehr bekommen, und dass es im Waldelbenreich welche gab, war noch länger her. Selbst die gefürchtetesten Krieger wurden weich, wenn sie des Weges kam. Sie hatte das Herz eines jeden Elben, der hier lebte, fest in der Hand.

?Sie ist eine Gefahr für uns?, murmelte Enelya Nienna zu.
?Wieso??
?Zusammen mit dir ergibt sie eine Summe, die unweigerlich auf Bestrafung durch den König hinausläuft.?
Niennas Lachen erklang silberhell. ?In der letzten Zeit haben wir uns doch mehr als gut benommen, Liebste!?
?So langsam werden wir auch zu alt, um noch etwas auszuhecken?, meinte Enelya. Sie konnte nicht leugnen, dass die Hoffnung aus ihren Worten sprach.

?Seit gestern ist der Prinz wieder im Palast?, erwähnte Nienna fast beiläufig. Enelya fühlte, wie sich ihr Magen zu einem harten Stein ballte. ?Ich weiß?, entgegnete sie leise.
?Ich finde, wir sollten uns was überlegen?, fuhr Nienna in gefährlich unschuldigem Ton fort.
Enelya holte tief Luft. ?Nienna, das ist doch albern. Ich werde nicht mehr mitmachen.?
?Warum nicht??
?Weil es erstens nicht Recht ist, jemanden zu beobachten, und weil wir zweitens sowieso jedes Mal erwischt werden und drittens... Der Prinz ist auch nicht das höchste Maß an Vollkommenheit.? Es schmerzte Enelya, dies auszusprechen, weil es nicht der Wahrheit entsprach. Ihr Herz gehörte dem Prinz des Waldelbenreiches, würde immer ihm gehören. Doch irgendwann war dieses Wissen so schmerzhaft geworden, dass sie es tief in sich verborgen hatte und in langen Stunden der Wache hatte sie sich von ihm verabschiedet. Nur aus ihren Träumen ließ er sich nicht so leicht verbannen.

Nienna sah sie an. Ein Ausdruck lag in ihren grünen Augen, den sie nur selten an ihr gesehen hatte. Es war Mitleid, gepaart mit Verständnis und Ernst. Sie sagte kein Wort.
Enelya schluckte. Wie hatte sie nur glauben können, eine Elbin täuschen zu können, die sie schon seit ihrer Kindheit kannte?
?Enelya...?, begann Nienna sanft, aber Nuinel unterbrach sie. ?Wir sind da!? rief sie in höchsten Tönen.

Tatsächlich waren sie an einem der Übungsplätze angelangt, die von der königlichen Garde genutzt wurden. Eigentlich nicht Enelyas Übungsplatz, aber er war der in nächster Nähe gewesen. Und da sie ohnehin etwas taten, dass der König untersagt hatte, war es wohl nicht so wichtig, wo es stattfand.
Das Elbenkind sprang fröhlich wie ein Kobold um Enelya herum, während sie sich noch einmal umsah. Niemand war zu erblicken, deshalb nahm sie den Bogen vom Rücken und spannte ihn.
Der Pfeil, den sie nur Sekunden später losschoss, traf genau in die Mitte des Zieles. Nuinel jubelte mit ihrer glockenhellen Stimme und Nienna klatschte lachend in die Hände.

?Das ist doch nicht schwer?, meinte Enelya und wurde rot ob der Begeisterung ihrer Zuschauerrinnen.
?Das sagst du!? entgegnete Nienna.
?Kannst du nicht schießen?? fragte Nuinel und richtete ihren Blick auf Nienna.
?Ich bin nicht besonders gut?, erwiderte diese grinsend.
Enelya brach in helles Gelächter aus. ?Das trifft es wohl nicht ganz. Deine Trefferquote ist bemerkenswert, nur erreichst du eben nicht das Ziel, das du treffen wolltest!?
?Das hätte jedem passieren können!? wehrte sich Nienna nur halbherzig.
?Bitte schieß!? bat Nuinel.
?Aber schau vorher nach, ob nicht noch ein Hauptmann irgendwo in der Gegend der Zielscheibe ist!? grinste Enelya und reichte Nienna den Bogen.
Die dunkelhaarige Elbin spannte lächelnd den Bogen und schoss. Ihr Pfeil traf ebenfalls ins Ziel, nicht ganz so mittig wie Enelyas.
Nuinels Jubel pries nun Nienna. ?Nicht so gut wie der Prinz!? meinte Nienna bloß.

?Kannst du es mir zeigen?? Natürlich, immer noch einen Schritt weiter. Niennas Einfluss auf das Elbenmädchen war eindeutig zu groß. Noch bewegten sie sich im Bereich des legalen, denn auch wenn Nienna mit ihrem Pfeil den Oberschenkel des Hauptmannes der königlichen Leibgarde durchschossen hatte, war ihr der Umgang mit dem Bogen nicht verboten worden.

Nuinel war jedoch klar mitgeteilt worden, dass sie noch für zu jung befunden worden war, und das vom Waldelbenkönig persönlich. Doch Nienna übergab ihr natürlich den Bogen ohne Zögern und zog einen Pfeil aus dem Köcher Enelyas.

Mit einem unguten Gefühl sah sich Enelya erneut um. Es war niemand zu sehen. Nuinel spannte unter Niennas aufmerksamen Augen bereits die Sehne. Sie hatte nicht genug Kraft, um den Bogen ganz zu spannen. Ihr fehlten die Muskeln und noch dazu war der Bogen vollkommen auf Enelya ausgerichtet. Nur jemand von gleicher Statur und Stärke wie sie hätte die gleichen guten Ergebnisse erzielt können.
?Du musst die Beine etwas spreizen und in die Knie gehen!? sagte sie und gab die Beobachtung der Umgebung auf.
Das Elbenmädchen hörte auf ihre Anweisung und schaffte es, die Sehne noch ein Stück weiter zu ziehen. Nienna gab ihr den Pfeil, doch Nuinel schoss weit neben das Ziel. ?Deine Hand muss sicherer sein und darf nicht zittern!?
Nuinel verschoss alle Pfeile aus dem Köcher und machte sich dann auf den Weg, um sie alle wieder einzusammeln. Allmählich wurden ihre Bemühungen von mehr Erfolg gekrönt, weshalb sie sich fröhlich daran machte, weiter zu üben.
Nienna hatte sich auf dem weichen Gras niedergelassen und ließ sich die Sonnenstrahlen aufs Gesicht scheinen, etwas, das eigentlich Enelya für den Nachmittag vorgehabt hatte, die sich nun in Tipps und Kommentaren für ein Elbenkind im übereifrigen Lernwahn ergehen musste.

?Bleib ruhig, ruhig?, mahnte Enelya zum wiederholten Male, und Nuinel schaffte es, den nächsten Pfeil immerhin schon in der Nähe der Zielscheibe zu bringen. Ein Klatschen drang an ihre Ohren und ließ Enelya erschrocken herumfahren. Nienna sprang auf und zeigte für den Bruchteil einer Sekunde tatsächlich ein schuldbewusstes Gesicht. Einzig Nuinel strahlte immer noch über ihren Erfolg und sah dem Neuankömmling gelassen entgegen.

?Ein guter Schuss?, lobte Thranduils Sohn, während er mit gemäßigtem Schritt näher kam. Wie immer, wenn sie ihn sah, sank Enelyas Herz, doch nun bebte sie beinahe. Warum passierte es immer wieder, dass er sie bei Peinlichkeiten ertappte? Und nun auch noch beim Brechen eines Verbotes seines Vaters... Das konnte üble Konsequenzen haben.
Glücklicherweise war er alleine, und so langsam wurde Enelya bewusst, dass ein Lächeln auf seinen Lippen lag.

?LEGOLAS!? quietschte Nuinel. Den Bogen drückte sie Nienna in die Hand, dann sprang sie auf den Prinzen zu. Mit einer anmutigen Geste verneigte sie sich und hüpfte ihm in die Arme.
?Nuinel!? erwiderte Thranduils Sohn lachend. ?Es freut mein Herz, dich gesund und munter zu sehen!?
Er hielt das Elbenkind ein Stück weit weg, um es zu betrachten. ?Du wirst immer schöner!? Erstaunt beobachtete Enelya, wie Nuinel errötete. Offensichtlich hegte sie ebensolche Verehrung für den schönen Prinzen wie sie und Nienna.

?Und nun erlernst du das Schießen?? Legolas deutete auf die Zielscheibe.
?Enelya und Nienna zeigen es mir?, erzählte das Elbenmädchen fröhlich. Eru, musste sie denn so mitteilsam sein?
Der Waldelbenprinz nickte und schlenderte auf die beiden erwachsenen Elbinnen zu, die sich wohl beide weit weg wünschten.
?Lady Enelya?, begrüßte er sie und neigte den Kopf. Ihr Mund war plötzlich so ausgedörrt, dass sie kaum sprechen konnte, deshalb beschränkte sie sich auf einen Knicks. Wieso hatte er solch wunderschöne azurblaue Augen, in denen sie so tief versinken konnte, dass sie sich wünschte, nie mehr aufzutauchen?

?Lady Nienna... Ich hoffe, mein Hauptmann ist in Sicherheit.? Er hob eine Augenbraue und lächelte Enelyas Freundin an.
?Ich habe vorher nachgesehen, er war nicht in der Nähe?, erwiderte Nienna mit einem Zwinkern. Enelya fand es bemerkenswert, wie locker sie mit dem Sohn Thranduils sprechen konnte.
?Gut für ihn?, lachte Legolas. ?Und Ihr unterrichtet nun Nuinel euer Zielgeschick??
?Glücklicherweise übernahm Enelya den Unterricht!? entgegnete Nienna arglos.

?Soso?, schmunzelte der Prinz und richtete seinen Blick wieder auf Enelya, die gegen eine Armada von Schmetterlingen in ihrem Bauch ankämpfte. ?Ich möchte Euren Unterricht nicht unterbrechen, aber es ist jemand hierher unterwegs.?
Enelya traute ihren Ohren kaum. War das das einzige, dass Legolas zu sagen hatte, wenn man gegen die Gesetze seines Vaters verstieß? ?Ihr hättet eine Wache aufstellen sollen!? meinte er nun und beugte sich zu ihr hinüber, als würde er ihr ein Geheimnis verraten. Ihr stockte der Atem, aber schon war es vorbei und Legolas packte Nuinels Hand. ?Komm, wir sammeln die Pfeile ein. Niennas Geschick ist zwar bekannt, aber dass sie so miserabel schießt... Verzeiht, meine Herrin.?

Nienna lachte auf und folgte den beiden, um Enelyas Pfeile einzusammeln. Auch Enelya gesellte sich zu ihnen und als die beiden Hauptmänner der Wache Düsterwalds auftauchten, verstaute Legolas gerade den letzten Pfeil in Enelyas Köcher.
?Hoheit?, begrüßte Finlas den Prinzen überrascht. Enelya bemühte sich, möglichst unschuldig dreinzuschauen. ?Ich dachte, Ihr wolltet Euch ausruhen.?
?Ich habe mich doch für die reizende Gesellschaft dieser Damen entschieden. Wer könnte da auch widerstehen!?
Finlas Gesichtsausdruck besagte ziemlich genau, dass er sehr wohl besseres zu tun wüsste, als mit drei jungen Elbinnen auf einem Übungsplatz der Düsterwaldkrieger herumzustehen, vor allen Dingen mit diesen Elbinnen.
?Aber nun wollten wir gerade gehen. Gehabt Euch wohl.? Legolas nahm Nuinels Hand und bot Enelya den Arm, dann schritt er mit ihnen vom Platz. Nienna schloss sich ihnen an und klaubte in einer schnellen Bewegung noch das Buch auf.

?Der Bogen war zu groß für dich?, sagte Legolas, als sie außer Hörweite waren. Nuinel nickte eifrig. ?Um eine Tawarwaith zu werden, musst du noch wachsen.?
?Das werde ich?, versprach das Elbenkind hingerissen. Nienna unterdrückte mehr oder weniger erfolgreich ein Kichern.
?Das weiß ich?, erwiderte Legolas ernst. Dann hob er Nuinel auf seine Arme und schritt mit ihr voran.

Enelya und Nienna folgten mit etwas Abstand. ?Der Prinz weiß, wie er die Schar seiner Anhänger vergrößert?, schmunzelte Nienna.
?Offensichtlich?, antwortete Enelya sehnsüchtig. ?Ist das nicht schrecklich??
?Nein, keinesfalls. Es zeigt uns, dass wir nicht verrückt sind, diesem Elb hinterherzulaufen.?
Enelya brach in helles Lachen aus. ?Also, wir sind alles, Liebste, aber nicht nicht verrückt!?

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Zwischen allen Zeiten, zwischen Welten schlägt mein Herz...


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