Balsam für die Seele

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 Betreff des Beitrags: Die Elbenkriegerin (Herr der Ringe- FF ) (Finale)
BeitragVerfasst: 30. Mär 2008 10:52 
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Ich möchte auch hier meine Herr der Ringe Fanfiction vorstellen. Die Geschichte ist schon beendet und mehrfach überarbeitet, trotzdem werde ich sie Kapitel für Kapitel ins Forum stellen, um ein angenehmes Mitlesen zu ermöglichen.

Warnung: Es kann durchaus etwas kitschig werden- wer das also nicht mag, sollte diese Geschichte eher nicht lesen ^^

Titel: Die Elbenkriegerin
Autor: Goosberry
Altersbeschränkung: ich denke mal keine- wenn jemand anderer Meinung ist, bitte ich um eine kurze Info!
Genre: Romance
Hauptcharakter: Níthiel
Pairings: Níthiel/Legolas
Inhaltsangabe ie Geschichte handelt von der Elbenkriegerin Níthiel, die mit in die Schlacht um Helms Klamm zieht und so gezwungen wird, die Welt mit ganz anderen Augen zu sehen. Denn nichts wird mehr so sein, wie es einmal war. Und dabei lernt sie auch einen Elben von einer ganz anderen Seite kennen. Einen Elben, den sie offenbar immer völlig falsch eingeschätzt hat.
Anmerkungen: Hmmm. Eigentlich die klassische Romance verbunden mit ein bisschen Aktion...

Alles was nicht 100% den Büchern enspricht (was vorkommt) dürft ihr als künstlerische Freiheit werten!
Ich hoffe es gefällt!

LG Goosy

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Zuletzt geändert von Goosberry am 17. Apr 2008 19:29, insgesamt 1-mal geändert.

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BeitragVerfasst: 30. Mär 2008 10:56 
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Die Elbenkriegerin



Kapitel 1
Sie sah, wie er davon zog. Sie lehnte an der weißen Wand und blickte über das reich verzierte Geländer des breiten Gangs auf das Schauspiel, dass sich ihr bot. Eine kühle Brise strich über ihre Wangen, verfing sich in ihrem Haar und kündigte den Herbst an. Viel zu früh on diesem Jahr auf Mittelerde.
Eine Gruppe von neun Gefährten zog davon. Sie sah, wie sie über die Brücke wanderten und wie der dichte Wald schließlich ihre Gestalten verschluckte.
Die vier Halblinge, Hobbits genannt, wirkten wie Kinder im Vergleich zu den anderen. Nur mit Gimli, dem Zwerg, konnten sie es von der Größe her aufnehmen.
Die zwei Menschen dagegen, Aragorn und Boromir, genauso wie der graue Zauberer Gandalf und der Elbe Legolas, überragten die Hobbits um mehr als das Doppelte.
Sie sah sie davon ziehen, in eine Zukunft, die ungewiss war, für die Gefährten genauso wie für die Zurückgebliebenen.
Der Ring musste vernichtet werden in den Feuern des Schicksalsberges und der Bund der Gefährten sollte dafür Sorge tragen.

Die junge Elbin stand noch lange angelehnt an der weißen Mauer, bis sie spürte, wie sich eine Hand sanft auf ihre Schulter legte.
?Was trauerst du schon jetzt? Es gibt keinen Grund!?, flüsterte Arwen und blickte der jungen Elbin tief in die Augen.
?Ich spüre, dass alles im Wandel ist, dass ein Ende bevorsteht, das unausweichlich ist.?, antwortete Níthiel.
?Aber Ende bedeutet auch Neuanfang!?, erwiderte Arwen.
Die zwei Elbinnen standen sich gegenüber, regungslos, bis die Jüngere den Kopf wandte und auf die verlassene weiße Brücke blickte.
?Gibt es Hoffnung??, fragte sie dann und wandte sich wieder an Arwen.
?Es gibt immer Hoffnung!?, sagte diese bestimmt und fixierte solange die Augen ihrer Freundin, bis sie spürte, dass die Anspannung aus ihrem Gesicht entschwand.


Der Ring hatte eine bedrückende Stimmung nach Bruchtal gebracht. Mit jedem fortschreitenden Tag kam der Herbst und mit ihm spürten die Elben die bedrohliche Macht näher rücken, die dunkle Macht Saurons.
Auch Níthiel spürte diese beängstigende Macht. Sie fühlte, wie ihr Herz davon ergriffen wurde, wie sich der Schatten langsam durch alle Gänge, alle Winkeln und Ecken schlich und sich ausbreitete.
Doch ihre Gedanken verweilten meistens außerhalb der schützenden Mauern Bruchtals, weit entfernt bei den neun Gefährten, die tapfer ihren Weg nach Mordor suchten.
Trotzig widersetzte sie sich den Bitten ihrer Eltern mit ihnen auf ein Schiff zu kommen, dass sie in die unsterblichen Lande bringen sollte. Die Zeit der Elben war vorüber, und doch meinte die junge Elbin zu spüren, dass ihre Zeit in Mittelerde noch nicht zu Ende war.
Ihre Mutter akzeptierte ihre Entscheidung noch eher als ihr Vater, doch auch er musste sich schließlich mit der Entscheidung seiner Tochter abfinden.

So kam es, dass sich die Hallen, Flure und Plätze Bruchtals langsam leerten, als die Elben aufbrachen um in die unsterblichen Lande zu segeln. Nichts als Trostlosigkeit, Einsamkeit und Trauer blieb mit der jungen Elbin zurück. Arwen, gebunden an das Schicksal des Rings und an das von Aragorn, war außer ihr, als eine der wenigen Elbenfrauen zurückgeblieben.
Nur jene Elben, die ein letztes Mal auf Elronds Anweisung, mit den Menschen in den Krieg ziehen sollten, waren noch da und rüsteten sich für die letzte Schlacht von Mittelerde.
An jenem Tag, als die Elben aufbrachen, das Volk von Theodin zu verteidigen und das Heer zu stärken, sattelte auch die junge Elbin ihr Pferd und reihte sich in die Gruppe der Elben ein.
Sie war Elbenkriegerin, konnte nahezu genauso gut mit dem Schwert umgehen wie mit Pfeil und Bogen. Das lag den Elben im Blut.

?Nithiel!?
Unbemerkt war Arwen neben ihre Freundin getreten und ergriff deren Hand.
?Dieser Ring...?, und sie streifte der jungen Elbin ein silbernes Schmuckstück an den Ringfinger, ?...soll dir ein Hoffnungsschimmer sein, für jene Tage, an denen dich die Hoffnung zu verlassen droht!?, sagte sie sanft.
Langsam ließ Nithiel ihren Blick auf ihre rechte Hand wandern. Der Ring hatte eine kleine Verzierung. Ein glitzernder Stein war in den silbernen Ring eingelassen.
?Ich schenke ihn dir, genauso wie ich Aragorn meinen Abendstern anvertraut habe. Behüte ihn gut!?
Die junge Elbin beugte leicht den Kopf, und fiel dann der perplexen Fürstentochter um den Hals, die lächelnd die Umarmung erwiderte.
?Nun geh!?, flüsterte Arwen.
Nithiel schwang sich auf ihr Pferd und die Kapuze des schwarzen Umhangs, die bisher ihren Kopf bedeckt hatte, rutschte nach unten. Die langen, bis zur Hüfte reichenden, gewellten Haare hatten die Farbe von dunklem Waldhonig. Zwei Strähnen, rechts und links der Wangen, die ihr immer ins Gesicht zu fallen pflegten, waren nach hinten gebunden worden.
Das blasse Gesicht war fein gezeichnet, nur das dominante Kinn, das die junge Elbin immer nach vorn schob, wenn sie ihren Willen durchsetzten wollte, zeigte ihre Willensstärke. Die strahlend blauen Augen waren ganz die ihres Vaters und leuchteten nun in ungeahnter Stärke.
?Wir sehen uns wieder, Arwen!?, sagte Nithiel, bevor sie sich in die Reihe der Krieger einreihte und noch im Davonreiten ihren Bogen um die Schulter schnallte.

Es war eine Reise von mehreren Tagen. Mit ihren Pferden kamen die Elben rasch voran, immer weiter zogen sie, bis sie die große Ebene vor den mächtigen Mauern von Helms Klamm erreichten.
Noch drückender und aggressiver, als in der schützenden Welt von Bruchtal konnte Níthiel hier die dunkle Macht Saurons spüren.
Doch es war auch ein Gefühl von Zusammenhalt, Entschlossenheit und Hoffnung, das die Elben ausstrahlten, als sie den aus grauen Steinen und steil angelegten Weg zum Tor von Helms Klamm hinauf marschierten.
Níthiel konnte nicht anders, als ehrfürchtig die dicken Mauern der Festung zu betrachten.
Als das Elbenhorn ertönte und mehrfach an den Mauern und an den steilen Gebirgshängen und Wänden wieder hallte, schauderte sie unter ihrem schwarzen Umhang und atmete scharf die kalte Luft ein.
Längst hatte sie das weit entfernte Auge Saurons entdeckt. Feuer und Glut sprühten in die langsam aufkommende Dunkelheit. Der Tag neigte sich dem Ende.

Auch das Stampfen von Sarumans Heer, das zehntausend Uruk-hais umfasste, konnte Níthiel an den leichten Schwingungen des Bodens spüren.
Sie waren nahe. Bei Einbruch der Nacht würden sie die Festung erreicht haben.
Laut polternd und knarrend wurde nun das schwere Tor geöffnet und das Elbenheer marschierte zügig hindurch.
Die Menschen waren skeptisch und blickten mit großen Augen auf die Elben, die, eingehüllt in ihre schwarzen Umhänge, die Kapuzen über dem Kopf, ihre Gesichter verhüllten.
In strenger Ordnung trugen sie die geschickt angefertigten Bögen und setzten sie erst auf das Kommando ihres Heerführers ab.
Leichter Wind ließ ihre Umhänge rascheln und gekonnt gleichzeitig drehten sich die Elben zur Seite und begrüßten mit leicht geneigtem Kopf König Theodin.
?Aber, wie ist das möglich??
Théoden blickte ungläubig auf die Elbenkrieger.
?Ich komme im Auftrag von Herrn Elrond. Einst bestand ein Bündnis zwischen Menschen und Elben. Wir zogen gemeinsam in die Schlacht und kämpften und starben Seite an Seite!?
Bei diesen Worten waren ein Mensch, ein Elb und ein Zwerg hinter einer Mauer hervor gekommen und stiegen nun langsam die Treppe zu dem Elbenheer hinunter.
Níthiel konnte aus den Augenwinkeln sehen, wie Aragorn in seiner Bewegung innehielt, als er die Elben sah.

?Es erfüllt uns mit Stolz, wieder mit den Menschen in die Schlacht zu ziehen, denn das Bündnis soll erneuert werden.?
?Stimmt es? Elrond hat euch geschickt? Wie schön euch zu sehen!?
Lachend fiel Aragorn dem Herrführer der Elben um den Hals.
?Ihr seid uns wahrlich willkommen!?
Die tiefe Freundschaft zwischen Aragron und den Elben bestand schon lange Zeit. Als Kind von den Elben aufgenommen und großgezogen, bestand ein unzertrennliches Band zwischen ihnen, das auch nicht zeriss, als Aragorn als erwachsener Mann seinen eigenen Weg suchte. Besonders die Freundschaft zu Legolas und die Liebe zur Fürstentochter Arwen, ließ Aragorn die Elben nie vergessen.

Die Nacht kam rasch und Níthiel spürte die Unruhe, die nun auch von den Menschen Besitz ergriffen hatte. Es waren keine Krieger, nicht ausgebildet für den Kampf, wie die Elben.
Théodens Heer bestand aus gerade einmal dreihundert Mann, doch die meisten davon waren zu alt, hatten zu viele Winter erlebt, oder zu wenige, wie die Knaben, die kaum ein Schwert zu führen in der Lage waren.
Níthiel konnte die Angst in den Augen der Menschen sehen.
Wo waren all die mutigen Männer? Wo die Krieger, die einst das Land gegen jedwede Bedrohung verteidigt hatten?
Sie waren gefallen, waren Opfer von Saurons Zorn geworden. Oder sie waren davongezogen, gen Westen, weil sie glaubten, dass es keine Hoffnung mehr gab.

Níthiel wusste inzwischen, dass Gandalf nach ihnen suchte. Nach jenen, die treu zum König standen, zu Théoden.
Doch wann würde er sie finden? Wann würden sie zurückkehren?
Legolas hatte das ausgesprochen, was die meisten ohnehin schon wussten.
Dass sie trotz der mächtigen Schutzwalle von Helms Klamm, die Nacht wahrscheinlich nicht überleben würden.
Und doch... und doch würden die Elben mit den Menschen in den Krieg ziehen. Denn das Bündnis war erneuert. Ein letztes Mal sollten sie die Menschen unterstützen, denn das Zeitalter der Elben war vorüber.

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BeitragVerfasst: 2. Apr 2008 14:15 
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Kapitel 2

?Warum bist du hier??
Schroff hatte Legolas Níthiel am Oberarm gepackt, als er sie unter den Kriegern erkannt hatte.
?Warum bist du nicht längst auf einem Schiff und segelst in die Unsterblichen Lande??
Sanft entwand Níthiel sich dem Griff des Elben. ?Ich bin Elbenkriegerin, genauso wie du ein Krieger bist, Legolas!?, entgegnete die junge Elbin.
?Es war meine freie Entscheidung, dieses Wagnis einzugehen!?
?Es war ein unvernünftiges Wagnis, Níthiel. Die Hoffnung schwindet mit jeder Stunde, diesen Krieg zu gewinnen!?
?Und doch war es meine Entscheidung!?
Kopfschüttelnd wandte Legolas sich ab, jedoch nicht ohne der jungen Elbin noch einmal einen scharfen durchdringenden Blick zuzuwerfen.

Frauen und Kinder und solche, die nicht kämpfen konnten, wurden in die Höhlen gebracht, Schwerter wurden geschärft und Schilde befestigt.
Auch Níthiel rüstete sich für die bevorstehende Schlacht.
Zwar musste sie als Elbenkriegerin regelmäßig ihre Kampffähigkeiten trainieren, doch hatte sie noch nie in einer so großen Schlacht gekämpft. Die Unruhe wurde immer drückender.
Nervös schüttelte sich die Elbin ihre Kapuze vom Kopf.

Von weitem konnte man schon die Fakeln der Uruk-hais sehen und ihr schauriges Brüllen hören. Das Schlagen von Metall auf Metall erklang und Níthiel spürte förmlich das gierige Verlangen der Uruk-hais. Sie wollten Blut!
Die mächtigen Mauern von Helms Klamm erzitterten unter dem Stampfen von Sarumans Heer, die Luft war schwer und drückend und bald würde ein Gewitter heraufziehen.
Erste Regentropfen fielen, als sich die schwarze Woge des Heeres näherte.
Mit ihren Elbenaugen, die scharf waren wie der Blick eines Adlers, konnte Níthiel einzelne Uruk-hais erkennen.
Die verzerrten und grob geschnittenen Gesichter waren voller Brutalität und Níthiels Herz begann heftig zu pochen.
Wie konnten Lebewesen dieser Erde nur so brutal, so blutrünstig sein?
Wie konnte ihr einziges Bedürfnis sein, Leben zu vernichten?

Níthiel stand ganz vorne an der Brüstung der Mauer, zwischen den anderen Elbenkriegern, die ihre Bogen fest umschlossen hielten.
Ihre Konzentration war auf das näher rückende Heer gerichtet und so merkte sie zunächst nicht, dass ein Elbe und ein Zwerg neben sie traten. Erst als Níthiel die Stimme des Zwerges hörte, wandte sie rasch den Kopf zur Seite.
?Hättest du nicht einen besseren Platz aussuchen können??, grummelte Gimli, der Zwerg, der nicht über die Brüstung schauen konnte.
Ungewollt grinste Níthiel.
?Was zum Teufel, geht da unten vor??, wollte Gimli wissen.
?Nun- ich könnte es dir beschreiben, oder soll ich dir eine Kiste besorgen??, antwortete der Elbe in einem amüsierten Tonfall.
Legolas konnte so schnell nichts erschüttern.
Er vertraute Aragorn und seiner Führung. Er vertraute seinem Freund auch in den dunkelsten Stunden, er stand ihm bei, auch bis in den Tod.

Níthiel wunderte sich darüber. Noch immer hatte sie den arroganten und selbstüberzeugten Elben in Erinnerung, der seine unheimliche Begabung mit dem Bogen und dem Schwert umzugehen, zu gern demonstrierte.
Wie oft hatte er Níthiel um einen Tanz gebeten, wenn es ein Fest zu feiern gab, wie oft hatte er sie eingeladen und ihr sein unwiderstehliches Lächeln geschenkt. Er war niemals aufdringlich, sondern zeigte sich immer in seiner sanften, charmanten Art.
Doch Níthiel hatte ebenso bestimmt abgelehnt, was keine der anderen Elbinnen je hatte verstehen können.
Níthiel wusste nicht warum, eigentlich fand sie den eigensinnigen Elben und sein sanftes Lächeln wirklich anziehend, doch sie meinte, dass er nur sein Spiel mit ihr treiben wollte.
Als Legolas nun das leise Lächeln in Níthiels Gesicht entdeckte, packte er sie an den Schultern und drehte die Elbin zu sich. Ernst blickte er ihr in die Augen.
?Níthiel, bitte geh mit den anderen in die Höhlen und behüte dein Leben!?
Níthiel blickte verwundert in die flehenden Augen des Elben.
Konnte es ein, dass sich dieser tollkühne Elbe tatsächlich um sie sorgte?

?Ich werde kämpfen, Legolas, egal was du zu mir sagst!?, antwortet Níthiel leise.
Lange blickten sich die zwei Elben in die Augen und Níthiel hatte einen Moment das Gefühl, sie würde sich in den tiefblauen Augen des Elben verlieren.
Gimli beobachtete die Elben mit geöffnetem Mund und ohne einen Laut von sich zu geben.
?Hast du keine Angst??, flüsterte Legolas und beugte sich weiter mit dem Gesicht zu der Elbin hinüber.
Langsam bewegte Níthiel die Lippen und antwortet genauso leise: ?Ich habe nur Angst vor dem Sterben, nicht vor dem Tod!?
?Ich werde dich beschützen, Níthiel!?, sagte Legolas bestimmt und ließ die Elbin langsam los.
Níthiels Mund war trocken als sie sich wieder dem Heer zudrehte, das inzwischen vor den Mauern der Festung angelangt war.
Ich werde dich beschützen, Níthiel!
Das hatte er gesagt.
Warum war sie auf einmal so ruhig?
Unauffällig schielte sie noch einmal zu dem blonden Elben hinüber, der konzentriert über die Brüstung auf die Uruk-hais blickte.
Wo war seine Arroganz? Wo war dieser tollkühne Elbe, der immer auf neue Abenteuer aus war und dem immer ein neckisches Wort auf den Lippen lag?
Sie blickte wieder nach vorn, weit in die Ferne, wo Saurons Auge feurig in der dunklen Nacht glühte. Sie fühlte sich auf einmal wohl in der Gegenwart des Elben, der sie sonst immer bis zur Weißglut hatte reizen können.

Sie umklammerte ihren Bogen fester, als das Heer der zehntausend Uruk-hais ihre dicken Speere, Äxte und Spitzhacken auf den Boden stampften und die Erde erzittern ließen.
Dunst lag in der Luft und Nebelschwaden zogen durch das Tal und ließen Sarumans Heer noch schrecklicher erscheinen. Weit hallte ihr grausames Brüllen und zeriss die Stille der Nacht.
Aragorn schritt hinter Níthiel vorbei, durch die Reihen der Elben und der Menschen.
?Zögert nicht! Zeigt kein Erbarmen, denn auch ihr werdet keines erfahren!?
Urplötzlich verstummte das Heer der Uruk-hais und drückende Stille legte sich über die Landschaft.
Níthiels Herz sagte ihr, dass die Schlacht kurz bevor stand.
Die letzte Schlacht?
Sollte es so enden?
Níthiel legte einen Pfeil an und spannte den Bogen.
Wohin sollte sie zielen?
?Ihre Rüstung ist schwach am Hals und unter dem Arm!?, hörte sie in diesem Moment Legolas sagen.

Der Wind strich ihr ein paar Strähnen aus dem Gesicht, als sie auf den Hals von einem der Uruk-hais zielte.
Ein letztes Aufbrüllen des Heerführers von Sarumans Armee. Níthiels Körper verkrampfte sich unwillkürlich. Ihr Herz klopfte so laut, dass sie glaubte es würde zerspringen.
Und dann, sah sie nur noch, wie sich Tausende von Uruk-hais gleichzeitig in Bewegung setzten und auf die Mauern von Helms Klamm zustürmten.
?JETZT!?, hörte sie Aragorn in der Elbensprache rufen und Hunderte von Pfeilen suchten sich ihren Weg und brachten die ersten heranstürmenden Gestalten zu Fall.
Gleichzeitig schickten auch die Menschen einen Pfeilhagel auf die Uruk-hais und Níthiel sah, wie sich weitere von Pfeilen durchbohrte Gestalten krümmten und zu Boden stürzten.
Doch es waren so viele.
Níthiel bekam Panik, als sich für jeden von ihr getroffenen Uruk-hai, drei weitere nach vorn drängten und immer näher auf die Festung zustürmten.
Ihr Körper war angespannt und ihre Atmung ging flach.
Warum war sie dageblieben?
Was hatte sie dazu gebracht?

Ein paar Reihen auf der anderen Seite des Walls konnte sie einen Jungen sehen, kaum älter als fünfzehn Jahre. Hilflos hielt er sein Schwert umklammert und seine Augen waren voller Angst auf das Geschehen gerichtet.
Níthiel erstarrte, als der Junge offenbar ihren Blick bemerkte und ihn erwiderte. Ihr Blick vertiefte sich und ihre Fähigkeit als Elbin ließ sie ungewollt bis in die Seele des Jungen schauen.
Er wird die Nacht nicht überleben!, sagte eine tiefe Stimme in ihr.
Er wird sterben, wie so viele hier! Er wird die Nacht nicht überleben!
?Nein!?, flüsterte sie und ihr Blick glitt über Sarumans Heer, ohne dass sie es richtig wahrzunehmen schien.
Er würde sterben! Der Junge würde sterben!
?NEIN!?, flüsterte sie entsetzt.
Aber genau das war der Grund warum sie hier war und nicht auf einem sicheren Schiff in die Unsterblichen Lande. Weil sie die Menschen nicht im Stich lassen wollte, weil sie noch an etwas Gutes glaubte, hier in dieser scheinbar verlorenen Welt.

Ein Schrei nicht weit von ihr riss sie aus ihren Gedanken.
?LEIIIITTTEEEEERRRRNNN!?
?GUT!?, kam es dumpf von Gimli. ?Los! Schickt sie zu mir! Na los!?
Einen Augenblick blickte sie zu dem Zwerg hinüber, der neben Legolas stand und seine Axt umklammerte.
Sie bemerkte, wie Legolas über seinen kleinen Freund amüsiert grinste, obwohl sein Gesicht angespannt blieb. Das Ende einer Leiter schlug vor Níthiel auf die Brüstung.
?SCHWERTER! ZIEHT EURE SCHWERTER!?
Ein Klingen von Metall ertönte, als die Schwerter gezogen wurden.
Mit beiden Händen umfasste Níthiel den Griff ihres fein gearbeiteten und scharf geschliffenen Schwertes und hielt es ausgestreckt vor sich.
Langsam wich sie zurück, als die Umrisse eines Uruk-hais an der Brüstung erschienen. Das Gesicht war grässlich verzerrt, die stierende Augen blickten blutrünstig und brutal in ihre Richtung.
Schwerfällig hievte sich die Gestalt über die Mauer, doch bevor sie den Boden berührte, hatte sich ein Pfeil durch die dicke Haut am Hals gebohrt und röchelnd stürzte der Uruk-hai zu Boden, blieb unbeweglich und seltsam verrenkt liegen.
Níthiels Blick wanderte nach links, zu Legolas, der eben seinen Bogen nach unten senkte.
Ihre Blicke trafen sich.
>Ich sagte doch, dass ich dich beschützen werde, Níthiel!<, sagte sein Blick und die Zeit schien stillzustehen für diese Sekunde.

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BeitragVerfasst: 5. Apr 2008 12:12 
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Erst langsam wurde Níthiel der Lärm bewusste, der das Schlachtfeld erfüllte.
Schmerzenschreie, Todesschreie, das Brüllen der Uruk-hais. Metall hieb auf Metall, oder traf auf lebende Körper, die zu Boden sanken und blutüberströmt liegen blieben.
Greifbare Angst lag in der Luft, Gewalt, Brutalität.
Níthiel hatte kein Mitleid mit den Uruk-hais, mit diesen nur zu Kriegszwecken gezüchteten Wesen, die weder Leid noch Freude oder andere Emotionen empfinden konnten.
Ihr Blick suchte noch einmal den Jungen, doch ihre Augen konnten ihn nicht ausmachen.
Nein! Sie hatte kein Mitleid mit diesen Wesen! Ihr Mitleid galt allein den Unschuldigen, die das Leid dieses sinnlosen Krieges tragen mussten.
Unbändiger Hass erfüllte die Elbin, Hass, der allein diesem Machtstreben galt, diesem einem Ring, dem Ring Saurons.
Unermüdlich drängten Tausende von Uruk-hais weiter zur Festung vor. Die Nacht war schwarz, dunkel, nur von Fackeln erhellt, die lodernd das Schlachtfeld erleuchteten.
Pfeile sirrten durch die Luft, die selten ihr Ziel verfehlten und entsetzlich erklangen die Schreie, voller Grauen, und Níthiels Herz zog sich jedes Mal schmerzhaft zusammen.
Weit hallte der Kampflärm an den Gebirgszügen und den schweren Mauern von Helms Klamm wieder und schien alles zu betäuben.

Níthiel verlor den Blick für alles was um sie herum geschah. Sie wusste nicht, wie viele Pfeile sie schon abgeschossen hatte, wie viele Uruk-hais durch ihr Schwert gestorben waren. Sie spürte nur noch diese Erschöpfung, die allmählich von ihr Besitz ergriff und ihre Konzentration schwächte.
Immer weiter musste sie zurückweichen, konnte die Uruk-hais nicht mehr abhalten, die immer zahlreicher über die Brüstung kletterten.
Wie in Trance sah sie, wie eine Gestalt auf sie zustürmte. Verzweifelt hielt sie ihr Schwert schützend vor sich, als sich eine schwere Axt auf sie nieder senkte. Der Aufprall auf ihr Schwert war so heftig, dass sie fast von den Füßen gerissen wurde. Wie in Zeitlupe nahm sie war, dass der Uruk-hai erneut zum Schlag ausholte, während ihr Schwert nutzlos zu Boden gerichtet war und ihr keinen Schutz bot.
?Legolas! Töte ihn!?, brüllte Aragorn auf einmal. Doch es war nicht dieser Uruk- hai, den Aragorn meinte.
Verschwommen konnte Níthiel weit rechts von sich eine blau-weiß lodernde Fackel erkennen, die sich wie von Geisterhand an die Festung heranbewegte.
?TÖTE IHN LEGOLAS! TÖTE IHN!? Die Panik in Aragorns Stimme ergriff nun auch die junge Elbin.
Es war zu spät! Wieder brüllte der Uruk-hai auf, bedrohlich, die Axt auf Níthiel gerichtet. Sein Gesicht war hässlich verzerrt und widerlicher Schaum und rotes Blut tropfte aus seinem Mund.

Langsam schloss Níthiel die Augen.
Da war ein Tunnel! Ein von weißem Licht erfüllter Tunnel!
Unendlich lange schien sie durch diesen Tunnel zu rasen, durch Raum und Zeit. Sie fühlte sich frei, so frei, als wäre sie selbst die Freiheit.
Und der Tunnel endete nicht, er würde nie enden. Er war so lang, wie die Unendlichkeit.
Doch eine Stimme drängte sich auf einmal in Níthiels Unterbewusstsein.
Ich will noch nicht sterben! Nein! Ich will noch nicht sterben! ICH WILL NICHT STERBEN!
Es war der letzte Gedanke der Elbin. Als sie ihre Augen aufschlug, schien kaum eine Sekunde vergangen zu sein. Eine Axt, schwer wie Blei fuhr auf die Elbin hinab.
Ich will nicht sterben!
Wärme strömte in ihre Hände, während sie den Griff ihres Schwertes fester umschloss und mit einer blitzschnellen Bewegung das Schwert aufrichtete.
Ein zweites Mal traf die Axt des Uruk-hais auf das Metall von Níthiels Schwert und ein zweites Mal, spürte Níthiel den stechenden Schmerz in ihrem Handgelenk.

Doch bevor der zornige Uruk-hai ein drittes Mal zum Schlag ausholen konnte, hörte Níthiel nur noch Aragorns entsetztes Aufschreien: ?LEGOLAS!?
Einen letzten Blick konnte Níthiel auf die blau-weiß lodernde Fackel werfen, die von einem Uruk-hai getragen wurde, der auf die Mauern von HelmsKlamm zustürmte.
Was dann kam, war unbeschreiblich.
Níthiel spürte nur noch, wie der Boden unter ihr erschüttert wurde, sie sah, wie ein Teil des vordersten Walls von HelmsKlamm niedergerissen wurde und Steinbrocken, so groß wie Felsen, durch die Luft folgen und auf das Schlachtgeschehen hinunterregnete.
Der Wall war gebrochen.
Als der Uruk-hai, der noch immer Níthiel bedrohte sich einen Moment von der Explosion ablenken ließ, wusste Níthiel, dass das ihre letzte Chance sein würde.
Trotz ihrer Erschöpfung und ihrer Schmerzen richtete sie sich auf und sprang hinter den nächsten Mauervorsprung.
Gerade rechtzeitig, denn im nächsten Moment schlugen Steine auf diesen Teil des Walls, krachten zu Boden, rissen alles mit sich, was nicht schnell genug ausweichen konnte.
Dann gab es einen kurzen Moment von totaler Stille.
Langsam hob Níthiel ihren Kopf.

?Zieht euch zurück! ZIEHT EUCH ZURÜCK! Die Festung ist eingenommen! RÜCKZUG!?
Der Uruk-hai, der Níthiel bedroht hatte, lag mit zerschmettertem Schädel am Boden.
Massen von Uruk-hais stürmten durch das klaffende Loch in dem Wall herein, rissen alles zu Boden, was sich ihnen in den Weg stellte.
?RÜCKZUG! ZIEHT EUCH ZURÜCK!?
Noch immer hatte Níthiel ihr Schwert umklammert, regenasse Haarsträhnen hingen in ihr Gesicht, vermischten sich mit den Schweißperlen auf ihrer Stirn.
Wogen von schwarzen Gestalten erstürmten die Mauern, wie ein Feuer breiteten sich die Uruk-hais in der Festung von Helms Klamm aus.
?NÍTHIEL! Worauf wartest du? Los! Zurück in die Höhlen!?
Legolas fasste die Elbin am Oberarm und zog sie mit, hinter das Innentor.
?Warte hier!?, befahl er der Elbin, die sich widerstandslos auf eine steinerne Bank fallen ließ.
Sie fühlte sich kraftlos, eine drückende Last schien auf ihren Schultern zu liegen. Ihr schwarzer Umhang hing schlaff nach unten und leise Tränen füllten ihre Augen.
Die Höhle war überfüllt, mit alten Frauen, Mädchen, Kindern in jedem Alter.
Allen stand die Angst in den Augen geschrieben. Das Bewusstsein, dass die Festung gefallen war, drang in ein jedes Herz, die Erkenntnis, dass sie sterben würden, war greifbar nahe.
Níthiel senkte langsam den Blick auf ihre Hände. Sie wirkten fast grau in der Dunkelheit und wie aus weiter Ferne hörte sie die Rufe der Männer, die noch immer verzweifelt darum kämpften, einen letzten Schutz ihrem Volk, dem Volk Théodens, zu gewähren.
Sie hatten versagt!
War es das Ende?

Es schien eine Ewigkeit zu vergehen, bis wieder etwas in Níthiels Geist vordringen konnte.
Als Aragorn zu Théoden sprach, lauschte sie mit angehaltenem Atem.
?Reitet mit mir hinaus! Kämpft ein letztes Mal! Kämpft für die Ehre von Rohan!?
Einen Moment zögerte Théoden. Sein Wille schien gebrochen. Sein Volk würde untergehen.
Doch dann entfaltete sich eine neue Kraft in ihm, durch die Worte Aragorns.
In Théodens Worten klang Mut und Durchhaltewille mit, als er Aragorn seine Hand auf die Schulter legte und sprach: ?Für Ehre und Glorie!?
Níthiles Blick glitt zurück auf ihre Hände. Der Ring, den Arwen ihr geschenkt hatte, glitzerte schwach.
>Gibt es Hoffnung? Es gibt immer Hoffnung!<
Das waren Arwens Worte gewesen..
Entschlossen stand Níthiel auf. Dann wollte auch sie ein letztes Mal kämpfen, auch wenn es aussichtslos war, auch wenn es das Ende bedeuten würde. Doch bevor sie auch nur einen Schritt machen konnte, war wie aus dem Nichts Legolas aufgetaucht.
?Du bleibst hier!?, sagte er mit sanfter, aber bestimmter Stimme.
Schon wollte Níthiel protestieren, doch Legolas schüttelte sogleich den Kopf.
?Nein, Níthiel. Du bleibst hier!?
Mit sanfter Gewalt drückte er sie zurück bis sie an die kalte, raue Wand der Höhle stieß.
?Aber...?
?Nein, Níthiel! Das musst du mir versprechen!?
Ruhig stand der Elbe vor ihr.
?Du musst es mir versprechen, hörst du! Versprich es mir!?
Leuchtend blaue Augen bohrten sich in die der jungen Elbin.
?Warum, Legolas? Wir werden so und so alle sterben!?
?Sag so etwas nicht, Níthiel!?
Legolas Stimme duldete keinen Widerspruch.
?Legolas! Es wird keine Rettung geben!?, flüsterte Níthiel in der Elbensprache, wobei sich eine neue Träne aus ihren Augen löste.

?Níthiel!? Sanft wischte ihr der Elbe die Träne von ihrer Wange.
?Ein Pfad führt durch das Gebirge! Es ist der einzige Fluchtweg! Du musst fort!?
?Nein, Legolas... Ich... Ich will helfen!?
Wieder schüttelte Legolas nur den Kopf und legte seine kühle Hand auf ihre erhitzte Wange.
?Versprich es mir Níthiel! Versprich mir, dass du versuchst zu fliehen, wenn Sarumans Heer siegen wird. Ein Schiff liegt in den Anfuhrten, bereit in die Unsterblichen Lande zu segeln! Du wirst dorthin gehen! Versprich es mir!?
Und obwohl auch Legolas flüsterte, bohrten sich die Worte wie brennende Zweige in Níthiels Seele. Leicht schüttelte sie ihren Kopf, ein letzter schwacher Versuch die Worte von Legolas zu ignorieren...
?NITHIEL! Du musst mir dein Wort darauf geben!?, sagte der Elbe noch einmal eindringlich in der Elbensprache. ?Bitte! Bitte, Níthiel!??
Noch immer ließ Legolas die Elbin nicht los, bis sie ein leises Nicken erkennen ließ. Erst jetzt entspannte sich der Griff des Elben und er wollte sich umdrehen.
?Warum machst du dir solche Sorgen meinetwegen, Legolas??
Der Elbe verharrte in seiner Bewegung und blickte noch einmal zu Níthiel zurück.
?Weißt du das nicht??, flüsterte er und Níthiel wurde schlagartig bewusst, was der Elbe meinte.

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BeitragVerfasst: 8. Apr 2008 16:50 
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Pferde wurden gesattelt und Rüstungen ein letztes Mal festgezurrt.
Das lodernde Licht der Fackeln warf verschwommene Schatten an die Wände der Höhlen, ließ sie tanzen, bis sie verschwanden und durch neue ersetzt wurden.
Und dann wandten mit einem mal alle Menschen und Elben ihren Kopf, zu den schmalen Fenstern der Höhle, die gen Osten lagen. Es war, als würde ein Aufatmen durch die Reihen gehen, als würde ein Zeichen des Himmels zu ihnen gesandt werden. Denn in diesem Augenblick ging die Sonne über dem Tal auf und warf ihre staubigen Strahlen durch die Fenster und erfüllte die Höhlen mit Licht.
?FÜR EHRE UND GLORIE!?
Und als sich die schweren Tore öffneten, stürmte eine letzte Streitmacht hinaus, hinaus zu den Uruk-hais, ein letzter Versuch das Schicksal zu wenden.

Rasch eilte Níthiel zu einem der Fenster. Frischer Wind umspielte ihr Gesicht, und als sich ihre Augen an das helle Licht der Sonne gewöhnt hatten, verfolgte sie die Krieger, die wenigen, die noch kämpfen konnten.
Und sie sah, wie sie den steinernen Weg von Helms Klamm hinunter ritten, Feind um Feind aus dem Weg räumten und vernichteten.
Doch noch immer waren es mehr als sechstausend Uruk-hais.
Ihr Herz schlug hoch und gleichzeitig war sie außerstande sich zu bewegen. Sie hatte Angst, nicht nur um sich, dass wurde ihr mit einem mal bewusst. Sie hatte Angst, sich nie mehr bei Legolas entschuldigen zu können, ihm danken zu können, wenn hier sein Ende und das der Anderen gekommen war.
Mit einem Mal stutzte Aragorn jedoch, der die Krieger anführte und blickte nach Osten. Níthiel folgte seinem Blick.
?Gandalf?!?
Oben an einem, von Schutt bedeckten Berghang, saß Gandalf auf seinem treuen schneeweißen Hengst Schattenfell und blickte auf das Geschehen hinunter.
Seine Augen erfassten die von Aragorn und eine tiefe Zuversicht ergriff das weite Tal.
Als die Sonne nun auch den letzten Gebirgszug erklommen hatte, stürmte eine gewaltige Armee, geführt von Gandalf, in das Tal.
Es waren jene Menschen, die die Hoffnung verloren hatten und die nun, ermutigt von Gandalf, ihren König, Théoden, zu Hilfe kamen.
?Für Théoden!?, rief Éomer ihr Anführer und wie er, zogen tausend andere Krieger ihr Schwert und das Klingen von Metall erfüllte die Luft.
Das strahlend weiße Licht der Sonne, drängte die Uruk-hais zurück, und die Krieger stürmten auf Sarumans Heer ein.
Die jungen, kräftigen Männer überwältigten das feindliche Heer in kurzer Zeit und als ein Siegesschrei die weite Ebene erschallen ließ und Aragorn das Schwert zum Himmel streckte, stimmte die junge Elbenkriegerin in den Jubel ein, der nach und nach auch die Zurückgebliebenen in den Höhlen einnahm.
Die Tore wurden aufgestoßen und die Menschen strömten hinaus, in die frische Luft des Morgens. Ein neuer glücklicher Tag hatte begonnen.
Níthiel schwang sich auf ihr Pferd und ritt hinunter, vorbei an Schutt und Asche, an leblosen Körpern. Doch ihr Blick galt allein dem blauäugigen Elben, der an der Seite Aragorns stand.

?Legolas!?
Níthiel ließ sich von ihrem Pferd herab gleiten.
Der Elbe drehte sich zu ihr um.
?Níthiel!? Seine Freude war unverkennbar.
?Wir haben es geschafft!?, sagte Gimli, der Zwerg, der sich zu der Gruppe gesellte.
?Nun...?
Gandalf ritt heran und blickte sanft auf Níthiel herab.
?Ich fürchte, dass es noch nicht vorbei ist, Gimli!?
Ein leichtes Lächeln war in Gandalfs Gesicht zu erkennen.
?Die Schlacht um Helms Klamm mag vorüber sein, doch der eigentliche Krieg hat erst begonnen.?
Er wiegte leicht den Kopf.
?Sauron wird nicht glücklich über das Versagen von Saruman sein und sein Zorn wird alles übertreffen.?

Tage später erreichten sie wieder die Goldenen Hallen Rôhans. Saruman war besiegt, seine Macht gebrochen. Doch jeder wusste, dass dies erst der Anfang war und dass Sauron bereits einen neuen Angriff planen würde.
Es war ein kurzes Luftholen vor dem eigentlichen Krieg und Níthiel spürte tief in ihrem Inneren, dass die letzte Schlacht die alles entscheidende sein würde.
Oft dachte sie an Frodo, sah vor ihrem inneren Auge, wie er den Ring immer näher nach Mordor brachte, zu den Feuern des Schicksalsberges, dem einzigen Ort, an dem der Ring vernichtet werden konnte. Denn dort war er einst geschmiedet worden: Ein Ring sie zu knechten, sie alle zu finden, ins Dunkle zu treiben und ewig zu binden, im Lande Mordor, wo die dunklen Schatten drohn!
Doch Níthiel konnte auch das Leid Frodos spüren, wie er Tag um Tag schwächer wurde, denn die Bürde des Rings lastete schwer auf ihm. Niemand wusste, wann und wie Sauron die nächste Schlacht geplant hatte und so warteten sie in den Goldenen Hallen Rôhans und vertrauten auf den jungen Hobbit Frodo.
Aragorn, Sohn von Arathorn, war der eigentliche Thronerbe Gondors. Obwohl er bis jetzt den Thron Gondors lieber dem Truchsess Dénethor überlassen hatte, wusste er, dass es in seiner Hand lag, die Menschen aus der Dunkelheit zu befreien. Denn Gondor sollte der nächste Ort sein, der unter Saurons Zorn leiden würde.

Níthiel konnte die Unruhe spüren, die Angst vor einem neuen Schlag Saurons.
Auch sie selbst war davon ergriffen und so übte sie ihre Fertigkeiten mit dem Schwert, um sich abzulenken, oder nahm sich ein Buch zur Hand, um die alten Legenden zu lesen die von der ersten Schlacht in Mittererde handelten.
In den letzten Tagen war sie Legolas etwas aus dem Weg gegangen. Er beharrte noch immer darauf, dass sie sich auf den Weg in die Anfuhrten machen sollte, um in die Unsterblichen Lande zu segeln. Doch Níthiel weigerte sich. Sie wollte Mittelerde nicht einfach sich selbst überlassen, sie konnte es einfach nicht.
Nachts stand sie oft auf dem Vorplatz des Thronsaals und blickte in das dunkle Land, das nur von den wenigen Sternen leicht erleuchtet wurde. So stand sie dann die ganze Nacht, still und nachdenklich.
Eines Nachts, als sie wieder einmal auf dem steinernen Vorplatz verharrte, hörte sie, wie jemand auf sie zukam und als sie den Kopf in die Richtung drehte, sah sie eine große Gestalt, die sich die Kapuze des Umhangs über den Kopf gezogen hatte. Erst, als die Gestalt neben ihr stand, erkannte Níthiel Legolas unter dem Gewand.
?Legolas!? Níthiel neigte leicht ihren Kopf zur Begrüßung und blickte dann wieder in die Weite des Landes von Rôhan.

?Es ist kalt, Níthiel. Die Winter hier sind strenger als in Bruchtal!?
Beißender Frost lag über dem Land und Níthiel wusste, dass Legolas Recht hatte. Ihr Atem war weißer Dunst in der Luft, und als Níthiel ihr Gesicht in den Wind streckte konnte sie die Eiskristalle spüren, die der Wind mit sich trug und die sich stechend in ihre Wangen bohrten.
?Du solltest besser ins Warme gehen!?, sagte Legolas sanft und blickte nun seinerseits in die Ferne. ?Saurons Zorn wird Tag um Tag stärker. Die Sterne sind verhüllt, etwas Dunkles regt sich im Osten!?
Auch Níthiel war das Schwinden der Sterne aufgefallen. Die weißen Dampfwolken ihres Atems mischten sich mit dem Wind, der ihr die Geräusche der Nacht zutrug. Das Wehen des Grases, das Stampfen der Pferde im Stall und irgendwo weinte ein Kind.
?Níthiel!?
Legolas drehte sich zu ihr und sah sie auf seltsame Weise an.
?Was hat deine Meinung mir gegenüber geändert??
Überrascht öffnete die junge Elbin leicht den Mund.
Legolas Augen blitzen und trotzdem lag etwas sanftes, ja fast verträumtes in ihnen.
Níthiel schluckte schwer. ?Nun... Ich... Ich weiß es nicht genau.?
Sie zog ihren Umhang fester um ihre Schultern und spielte mit dem Verschluss desselbigen um Legolas nicht mehr in die Augen schauen zu müssen.
Hatte er es gemerkt? Aber warum hatte er dann nicht früher etwas gesagt? Und was sollte diese Frage ausgerechnet jetzt?
Doch bevor Níthiel auch nur irgendetwas davon aussprechen konnte, spürte sie auf einmal Legolas Hände, der die ihren sanft von der Schnalle des Umhangs löste. Geschickt zog er die Schnalle anschließend fest.
Unsicher wagte Níthiel noch einmal einen Blick in Legolas Gesicht.
Er war so nahe!
Legolas Nähe ließ ihr Herz höher schlagen, aber gleichzeitig wusste sie nicht, wie sie sich verhalten sollte. Schon wollte sie einen Schritt zurücktreten, aber in diesem Moment hatte Legolas seine Arme um sie gelegt und hielt sie dadurch fest und ließ sie nicht entkommen.
Sie fühlte die Wärme seines Körpers. Sie spürte, wie ein paar Strähnen von seinem Haar ihr Gesicht kitzelten.
?Ich liebe dich, Níthiel!?, flüsterte Legolas auf einmal und Níthiel stockte der Atem.

Ihr Herz schien zerspringen zu wollen, sie war überwältigt, von seiner Nähe und von seinen Worten. Sie wollte etwas erwidern, doch sie wusste nicht einmal, ob sie überhaupt sprechen konnte.
?Legolas...?, flüsterte sie, nur um etwas zu sagen.
Doch bevor sie weitersprechen konnte, spürte sie Legolas Lippen auf ihrem Mund. So sanft und vorsichtig, als würde er sonst etwas Kostbares verlieren.
Níthiel schloss die Augen. Es war nicht mehr, als ein scheuer Kuss, doch ein Feuerwerk schien sich in Níthiels Bauch zu entladen.
Noch immer hielt Legolas sie fest und der verzauberte Ausdruck in seinen Augen wurde von Níthiel erwidert.

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BeitragVerfasst: 14. Apr 2008 17:35 
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Ein paar Tage später erklangen aufgeregte Schreie in den Goldenen Hallen von Rôhan. ?Die Feuer! Sie wurden entzündet! Man schickt uns ein Zeichen!?
Níthiel, die gerade in der Goldenen Halle saß und eine der alten Legenden über den Fangornwald gelesen hatte, schreckte zusammen, als das Tor aufgestoßen wurde und Aragorn hereinstürmte und auf Théoden zulief.
?Die Feuer sind entzündet! Minas Thirith ruft um Hilfe!?
Théoden erhob sich von seinem Thron und legte seine Hand an den Griff seines Schwertes.
?Sie rufen um Hilfe! Um eure Hilfe, mein König!?, fügte Aragorn leiser hinzu.
Théoden trat einen Schritt auf Aragorn zu: ?Und sie werden unsere Hilfe bekommen!?
Es war ein mächtiges Heer, das sich von Rôhan aus auf den Weg nach Gondor machte. Und es wurden stetig mehr, denn Botschafter waren ausgeschickt worden, um jeden kampffähigen Mann in der Riddermark zu informieren.
Níthiel saß nachdenklich auf ihrem treuen Pferd und betrachtete Legolas, der einige Reihen vor ihr, neben Aragorn ritt.
Sein Kuss vor einigen Tagen war die einzige Begegnung dieser Art geblieben, doch noch immer konnte Níthiel ihn auf ihren Lippen schmecken und jeder Blick, den Legolas ihr schenkte, entfachte das Feuer weiter, dass schon seit so langer Zeit in ihr erwacht war, wenn er in ihrer Nähe verweilte.
Sie lächelte leise. Auch das Auge Saurons, das nun immer näher rückte, je weiter südlich sie kamen, und die Schatten, die immer dunkler und gefahrvoller wurden konnten ihr dieses Gefühl nicht nehmen. Nur ihre Angst wuchs mit jedem weiteren Schritt, denn Legolas und ihre Zukunft, aber auch die all der anderen Lebewesen, die ihr etwas bedeuteten war ungewiss.

Einige Kilometer vor der weißen Stadt sammelte sich schließlich ein gewaltiges Heer, bereit gegen Sauron zu kämpfen. Auch Níthiel war bereit. Es gab kein Zurück mehr. Morgen schon würden sie auf Saurons Heer treffen und die alles entscheidende Schlacht schlagen. Sie dachte an Frodo und an seinen treuen Freund Sam und hoffte, dass sie wohlauf waren und stark genug, um den Ring zu vernichten. Jetzt waren sie so weit in das schwarze Land Saurons vorgedrungen, dass Níthiel Frodo nicht mehr wahrnehmen konnte. Sie spürte nur die Macht des Ringes, die mehr und mehr wuchs, je näher er seinem Herrn kam.
Níthiel lehnte am Stamm einer Kiefer und lauschte den Geräuschen der Nacht, wie sie es so gerne tat. Im fahlen Mondlicht konnte sie eine in einen schwarzen Umhang gehüllte Gestalt erkennen, die zu der Ebene hinauf ritt, auf der einige Lager und Théodens Zelt aufgestellt waren.
Der Reiter schien ihr seltsam vertraut zu sein und so machte sie sich nach ein paar Minuten auf den Weg über die Ebene ans andere Ende, dorthin wo der Reiter verschwunden war.
Noch auf ihrem Weg entdeckte sie Legolas, der sein Pferd sattelte und in ein Gespräch mit Gimli vertieft war.

Jetzt hatte Legolas sie jedoch entdeckt und eilte mit ernstem Gesichtsausdruck auf sie zu.
?Níthiel.?
?Du sattelst dein Pferd??, fragte Níthiel leise und hatte eine Vorahnung von dem, was Legolas ihr wohl sagen würde und es gefiel ihr überhaupt nicht.
?Aragorn muss den Weg zu den Pfaden der Toten einschlagen. Es ist die letzte und einzige Hoffnung den Dunklen Herrscher zu besiegen.?
?Die Pfade der Toten?? Níthiel zitterte plötzlich. Sie hatte nicht viel darüber gehört, doch was sie gehört oder gelesen hatte, reichte völlig um zu wissen, dass es einer der gefürchtetsten Orte in ganz Mittelerde war.
?Aber warum??
?Er ist Isildurs Erbe und wenn er es schafft das vergessen Volk der Wortbrüchigen, der Diebe und der Mörder seinem Befehl zu unterstellen, kehrt er mit einem Heer zurück, dass jeden und alles besiegen kann.?
Níthiel wusste, dass Legolas mit Aragorn gehen würde. Legolas Freundschaft zu Aragorn bestand länger, als sie denken konnte und sie hatte noch nie eine tiefere und ehrlichere Freundschaft gesehen. Ihr war plötzlich bewusst, dass sich Legolas und ihr Weg hier für eine unbestimmte Zeit trennen würde.
?Werden wir uns wieder sehen?? Und sie konnte nicht verhindern, dass ihre Stimme verzweifelt und von Tränen erstickt klang.
?In der Schlacht um Minas Tirith stehe ich an deiner Seite!?, flüsterte Legolas und nahm ihr Gesicht in seine Hände. ?Weißt du nicht mehr, dass ich dir versprochen habe, dass ich dich beschützen werde??
?Wie könnte ich so etwas vergessen??
Und dann lagen ein weiteres Mal Legolas Lippen auf ihrem Mund und küssten sie leidenschaftlich und zärtlich zugleich.
?Nun geh?!?, flüsterte Níthiel, als Legolas sie losließ und sie nur schwer neue Tränen zurückhalten konnte.
?Geh? und bring frohe Botschaft, wenn wir uns wieder sehen.?
Und dann eilten Legolas und Gimli Aragorn hinterher, in die Dunkelheit, und durchschritten das Tor von Dunharg zu den Pfaden der Toten.

Früh am nächsten Morgen brach auch Thóedens Streitmacht auf und Níthiel reihte sich in die Reihen der Krieger ein, die Dunharg verließen und auf die Felder von Pelennor zuritten, der weiten Ebene vor Minas Tirith.
Níthiel stockte der Atem, als sie das riesige Heer von Sauron erblickte, das die Mauern der weißen Stadt umlagerte. Feuer und Qualm stieg über den Türmen und Dächern der Stadt auf und Níthiel konnte die panischen Schreie der Menschen hören, die hilflos im Inneren der Stadt gefangen waren.
?Auf ihr Reiter von Rôhan! Die Stunde der Wahrheit ist gekommen! Kämpft für euren König, kämpft für Rôhan und für alle freien Völker von Mittelerde! Möge es ihr Untergang und nicht der unsere sein!?, rief Théoden und zog sein Schwert.
?Für die Ehre von Rôhan!?
Der Boden erzitterte, als die Reiter mit ihren Pferden über die Ebene jagten und schnell die ersten Reihen von Saurons Heer durchbrachen.
?Nur Mut, Alagos!?, sprach Níthiel ihrem treuen Pferd zu. ?Noch hat Sauron nicht gesiegt und du weißt, Legolas passt auf uns auf.? Alagos schnaubte und Níthiel ließ ihn gewähren, als er noch mehr Tempo aufnahm und an einigen anderen Reitern vorbeijagte.
Sie wusste, dass sie sich auf ihr Pferd verlassen konnte, uns so spannte sie Pfeil um Pfeil in ihren Bogen und brachte jene scheußliche Kreaturen zu Fall, die sich ihr in den Weg stellten.

Zunächst schien Théodens Heer die feindliche Streitmacht überwältigen zu können, doch als Níthiel ihr Schwert zog, Alagos wendete und sich dem nächsten Südländer in den Weg zu stellen, der auf Saurons Seite kämpfte, stockte ihr der Atem.
Von der anderen Seite der Ebene näherten sich neue Krieger, grausam bewaffnet und sie ritten auf riesigen grauen Tieren, so groß wie die höchsten Bäume und so gewaltig und stark wie tausende von Männern.
?Oliphanten!?, hörte sie die Rufe der Rohirrim von allen Seiten. ?Flieht, wenn ihr könnt, oder bringt sie zu Fall!?
Alagos bäumte sich unter ihr ängstlich auf, als er die Oliphanten auf sich zukommen sah und zerschmetterte dabei dem Südländer den Kopf, der gerade mit dem Schwert auf Níthiel losgehen wollte.
?Lauf, Alagos. Lauf, so schnell du kannst!? Níthiel spürte ihren rasenden Pulsschlag, ihre entsetzt aufgerissenen Augen und die Ohnmacht, die Besitz von ihr ergreifen wollte. Ein Pfeil zischte nur knapp an ihrem linken Ohr vorbei und streifte Alagos Hals, der für eine Sekunde in gestrecktem Galopp zusammen zuckte. Blut trat aus der Wunde und färbte das braune Fell ihres Pferdes dunkel.
?Lauf, Alagos! Lauf schnell!? Die Angst schien Níthiel übermannen zu wollen, als sie einen Schatten bemerkte, der die Sonne verdunkelte und über sie hinwegflog. Nazguls!
Für eine Sekunde schloss Níthiel ihre Augen. Hier auf dieser weiten Ebene gab es keinen Schutz für sie, keine Deckung und keinen Legolas, der sie beschützen konnte.
Menschen rannten verzweifelt um ihr Leben, als die Nazguls auf das Heer herabstürzten und die Oliphanten alles unter sich begruben, was sich ihnen in den Weg stellte.
Níthiel wusste nicht, was sie machen sollte und die Angst bereitet ihr Übelkeit.
Tut mir leid, Legolas, dass wir uns nicht wieder sehen können.
Sie warf einen Blick zurück. Rechts von ihr tat sich eine Lücke zwischen den heranstürmenden Oliphanten auf und ohne weiter zu überlegen lenkte sie Alagos in einem weiten Bogen nach rechts und galoppierte jetzt in entgegen gesetzter Richtung, direkt auf die Lücke zwischen den Oliphanten zu.
?Schneller, Alagos!? Und ihr Pferd streckte sich und als sie genau zwischen den Oliphanten war, schoss sie einen Pfeil in die Flanke des einen Tieres, dann einen zweiten und einen dritten. Erst der vierte Pfeil schien Wirkung zu zeigen, denn das riesige Tier knickte plötzlich auf dem Hinterbein ein und stöhnte gequält auf. Doch es war nicht besiegt, denn nun stampfte es wieder weiter, zwar hinkend, aber vom Schmerz rasend gemacht und noch wilder. Schließlich war Níthiel hinter dem Tier und schoss weitere Pfeile auf die Beine des Tieres, doch ohne Erfolg.

Alagos atmete schwer und das Blut rann unaufhörlich an seinem Hals hinab. Níthiel brachte zwei weitere Südländer zu Fall, die den Oliphanten nacheilten und sprang dann vom Rücken ihres Pferdes um sich weiteren Kriegern von Morgul in den Weg zu stellen.
?Lauf hinfort, Alagos. Du warst mir ein treuer Freund und Gefährte auf all meinen Wegen, doch ab jetzt muss ich meine Schlacht alleine schlagen. Und du sollst nicht der grausamen Hand eines Dieners von Morgul erliegen. Lauf! Ich vergesse dich nie!?
Alagos wieherte kurz und sprang dann über ein paar Steine hinweg und galoppierte auf den entfernten Wald zu mit letzter Kraft, doch mit ungebrochenem Willen.
Níthiel sah den Morgulkriegern entgegen, die auf das Schlachtfeld stürmten. Neben ihr stellten sich auch ein paar Reiter der Riddermark dem Feind entgegen, doch ihre Anzahl war lächerlich klein im Vergleich zu den Morgulkriegern.
Es tut mir leid, Legolas!
Und noch während Níthiel das Schwert erhob, rannen ihr Tränen über das blasse Gesicht und glitzerten wie Kristalle in der Morgensonne.
Doch siehe!
Die Schlacht auf offenem Feld schien eine Sekunde still zu stehen, als ein unheimlicher Laut über die Felder von Pelennor wehte, der von den Ufern des Großen Stroms zu kommen schien.
Von Osgiliath, dem letzten Vorort Gondors vor dem Schattengebirge und der Hochebene von Gorgoroth wogte eine Streitmacht heran, so schrecklich und umhüllt vom Schleier des Todes, dass Níthiel alles um sich herum vergaß.

Wie eine Welle überrollte diese Streitmacht das Schlachtfeld und zeigte kein Erbarmen. Noch bevor Níthiel reagieren konnte, fegten die Untoten, von Isildur selbst verdammt zur Unsterblichkeit, bis sie ihr Versprechen einlösten, über sie hinweg und vernichteten das feindliche Heer.
Und dann war es vorbei. Nur langsam wurde Níthiel bewusst, dass die Schlacht um Minas Tirith geschlagen war und sie immer noch lebte.
Sie war so erschöpft, dass ihr das Schwert mit einem dumpfen Klirren aus der Hand fiel und sie sich einfach auf die Erde sinken ließ und dort unbeweglich verharrte. Sie nahm nichts war, als die Sonne, die ihr ins Gesicht schien, den Geruch von Rauch und Blut und den Wind in ihren Haaren.
Sie wusste nicht, wie lange sie dort gesessen hatte, als sich eine Gestalt zu ihr hinabbeugte und fragte, ob sie verletzt wäre. Sie blinzelte und erkannte das Gesicht eines Rohirrims, der sie fragend anschaute.
?Ich bin unversehrt.?, sagte sie mit dankbarer Stimme und stand langsam auf und fragte nun ihrerseits: ?Kann ich Euch irgendwie helfen??
Der Rohirrim schüttelte den Kopf. ?Soweit sind alle Verwundeten geborgen worden. Jetzt gilt es, den Verstorbenen die letzte Ehre zu erweisen.?
In eben diesem Moment hörte Níthiel ein Zischen und Knacken hinter sich und als sie sich umdrehte, züngelten die ersten Flammen zum Himmel von jenem Feuer, das die letzte Ruhestätte der Verstorbenen sein sollte.

?Níthiel!? Eine Stimme, sanft und leicht drang an Níthiels Ohr und ließ ihr Herz höher schlagen.
Mit federnden Schritten lief Legolas auf sie zu und bremste erst Zentimeter vor ihr ab.
?Níthiel.?, sagte er noch einmal und fand keine anderen Worte und auch Níthiel blieb stumm und lächelte Legolas nur glücklich an.
?Wir haben es geschafft!?, dröhnte da noch eine andere Stimme und Níthiel entdeckte Gimli, als sie über Legolas Schulter blickte. Und da war Aragorn, er sah müde aus, traurig und ein grauer Schatten lag über seinem Gesicht, doch in seinen Augen blitzte neue Hoffnung und ein Lächeln lag auf seinem Mund.
?Wir haben uns leider etwas verspätet.?, flüsterte Legolas ihr zu und berührte zärtlich ihre Wange. Diese Berührung jagte Níthiel einen Schauer über den Rücken und sie grinste Legolas an. ?Wolltest du mich nicht beschützen??
?Das wollte ich, aber offenbar bist du ganz gut alleine klar gekommen.?, flüsterte er zurück und seine Augen funkelten schelmisch.
?Dein Glück, Legolas, sonst hättest du jetzt ernsthafte Probleme mit mir bekommen.?, antwortete sie grinsend.
?Da hörst du es!?, lachte Gimli und schwang seine Axt. ?Du solltest gut auf sie Acht geben, sonst bestreitet sie die nächste Schlacht ganz ohne dich.?
?Warten wir ab, was uns noch bevorsteht!?, warnte Aragorn. ?Frodo ist dem Schicksalsberg nahe, doch der Ring hat seinen eigenen Willen. Wir können nur hoffen und auf Frodos Willenskraft vertrauen. Doch ich schließe nicht aus, dass diese hier nicht die letzte Schlacht war.?

So kam es, dass eine Zeit des Wartens begann, das Warten auf eine Botschaft aus Mordor, auf eine Nachricht von Frodo. Niemand wusste, wo Frodo war und für welchen Weg durch das Schattengebirge er sich entschieden hatte. Man wusste nur eines, nämlich, dass Frodo und Sam noch immer irgendwo da draußen waren und lebten, denn andernfalls wäre Mordor längst zum Leben erwacht und hätte die Rückkehr des Rings in die Hände seines Meisters gefeiert.

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BeitragVerfasst: 15. Apr 2008 20:06 
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Faramir war es schließlich, der Sohn des Truchsess Dénethor, der den Gefährten Auskunft über Frodos Reiseweg gab.
?Ihr Weg führte sie nach Minas Morgul, denn das Schwarze Tor war ihnen verschlossen.?, erzählte Faramir. Gandalf erstarrte und seine Augen wurden plötzlich so wachsam, wie die eines Adlers. ?Und von dort nehmen sie den Pass von Cirith Ungol!?
?Den Pass von Cirith Ungol? Welch ein Wahnsinn!?
Níthiel, die still in einer Ecke saß und das Gespräch mit angehaltenem Atem verfolgte, zog scharf die Luft ein.
?Kankra wird ihr Ende sein.? Aragorn schlug sich die Hände vor das Gesicht und atmete schwer.
?Nun, selbst wenn sie es schaffen ihren widerlichen Klauen zu entgehen??, erklärte Gandalf, ??liegt ein Heer von mehreren tausend Orks zwischen ihnen und dem Schicksalsberg. Wie soll Frodo da ungesehen hindurch kommen? Was bin ich für ein Narr.?
Ein paar Tränen rannen über das Gesicht des weißen Zauberers. ?Ich habe ihn in den Tod geschickt.?
?Nein!?, fuhr da auf einmal Aragorn auf und erhob sich von seinem Stuhl. ?Wir überlassen Frodo nicht seinem Schicksal. Ruft das Heer zusammen und sammelt es vor den Toren der Stadt. Wir reiten zum Schwarzen Tor.?
Für einen Augenblick herrschte gespanntes Schweigen. Dann flüsterte Legolas: ?Ein Ablenkungsmanöver!?
Níthiels Blick wanderte ruhelos zwischen Aragorn, Legolas und Gandalf hin und her. Sie glaubte kaum, was sie da eben hörte und strich sich nervös ein paar Haarsträhnen aus dem Gesicht.
?Unser Heer ist zahlenmäßig unterlegen und schwach und es würde mich wundern, wenn Sauron auf diese List hereinfallen würde.? Gandalf schüttelte den Kopf. ?Es würde unser und Frodos Verderben bedeuten.?
?Und doch werden wir reiten. Ich kann nicht tatenlos herumsitzen und Frodo sich selbst überlassen.?, sagte Aragorn energisch.
?Keine Aussicht auf Erfolg, den Tod als Gewissheit? Worauf warten wir noch??, dröhnte Gimli und zog an seiner Pfeife.
Und so war es beschlossene Sache.

?Alagos, mein Freund. Wie geht es dir?? Leise trat Níthiel zu ihrem Pferd in die Box und besah sich prüfend die langsam verheilende Wunde an Alagos? Hals. Wie aus dem Nichts war Alagos nach der Schlacht um Minas Tirith aufgetaucht und zu seiner Herrin zurückgekehrt. Seine Treue hatte ihn getrieben und Níthiel war glücklich gewesen ihn wieder zu haben.
?Bist du bereit für ein letztes Abenteuer? Für einen letzten Kampf um Mittelerde??
Alagos scharrte mit dem Huf und Níthiel legte behutsam ihre Hand an seinen Hals.
?Dann lass uns aufbrechen.?
Als Níthiel sich umdrehte, um Köcher und Bogen umzuschnallen, stand Legolas plötzlich vor ihr und sah sie ernst an.
?Wir reiten in den Tod, Níthiel, der so sicher ist, wie der Sonnenaufgang am Morgen.?
?Ich weiß.?, war alles was Níthiel erwidern konnte.
Legolas lächelte ein trauriges Lächeln. ?Wenn ich nur wüsste, was dich so sehr treibt dein Leben aufs Spiel zu setzten.?, flüsterte er.
Níthiel fasste nach Legolas Händen. ?Was ist es, was dich treibt, Legolas??
?Ich gehe für Mittelerde und für Aragorn. Und für dich.?
?Siehst du.?
Daraufhin erwiderte der blonde Elbe entsetzt: ?Heißt das, du gehst nur meinetwegen??
Níthiel schüttelte lächelnd den Kopf. ?Ich gehe auch für Mittelerde, für alle Menschen und alle Kreaturen, die in Freiheit leben wollen. Und natürlich auch für dich.?
?Das will ich aber nicht.?, sagte Legolas leise.
?Legolas.? Níthiel genoss es, seinen Namen so langsam auszusprechen. ?Ich werde mitkommen!?
Legolas löste seine Hände aus den ihren, nahm Níthiels Köcher und Bogen, die an der Wand lehnten und reichte sie ihr. ?Bleib? an meiner Seite.?
Níthiel nahm noch einmal Legolas Händein die ihren. ?Das werde ich, schließlich muss ich dich ja beschützen.?, grinste sie, schwang sich auf Alagos Rücken, noch bevor Legolas reagieren konnte, und trabte hinaus.

Während des ganzen Weges durch Nordithilien, das bedrohliche Schattengebirge auf ihrer rechten Seite, wich Legolas nicht von Níthiels Seite und Níthiel war dankbar dafür. Je weiter nördlich sie kamen und je mehr sie sich dem Schwarzen Tor näherten, desto wachsamer und bedrohlicher wurde das Land und unsichtbare Augen schienen ihnen zu folgen auf ihrem Weg nach Mordor.
Wann immer sie jedoch Legolas Stimme hörte oder sein feines Gesicht in der Sonne leuchten sah, war sie erfüllt von tiefer innerer Ruhe und sie gab ihr die Kraft den Weg weiterzugehen und dem sicheren Tod mit leichterem Herzen entgegen zu treten.
Nach einigen Tagen erreichten sie schließlich das Schwarze Tor im schwachen Licht des Morgens. Das Tor war fest verschlossen, dunkel und unheilvoll und versperrte ihren Weg. Rechts und links ragten die zwei Wehrtürme und hohe Berge auf, sie waren schwarz und ohne Leben und begrenzten das Tor an beiden Seiten.
Rötlich-schwarzes Licht spiegelte sich am Himmel über dem Udûn und wer noch nicht allein von diesem Anblick erzittert war, der war jetzt dem Wahnsinn nahe, als das Licht am Himmel wie brennendes Feuer wurde, als Saurons Auge auf das Heer des Westens fiel.

Selbst mit tausenden von Männern mehr und geeigneten Mitteln um eine Festung zu stürmen, hätten sie an diesem Tor versagt, selbst dann, wenn der Feind nur die Hälfte ihrer Streitmacht besessen hätte. Sie standen schutzlos da, verletzlich in dem schmalen Tal und wussten doch, dass sie jetzt nicht aufgeben konnten. Nicht, wenn es auch nur die geringste Chance gab, dass sie Frodo einen Weg durch die verpestet Luft von Mordor ermöglichten.
Doch der Feind regte sich nicht, alles war still, doch wachsam.

So ritt Aragorn auf das schwarze Tor zu und erhob seine Stimme, um Sauron herauszufordern:
?Öffnet das Tor und kommt heraus! Der Herrscher des Schwarzen Landes soll seine gerechte Strafe bekommen, für seine Taten. Unrechtmäßig war der Krieg, den er führte und abscheulich sein Handeln. Öffnet das Tor und kommt heraus! Denn Gerechtigkeit und Freiheit ist es, was wir verlangen!?
Aragorn zog sein Schwert und es glänzte matt, aber voller Hoffnung im grauen Licht des Morgens. Lange regte sich nichts hinter dem Schwarzen Tor, doch dann ertönte ein entsetzlicher Schrei, so grässlich, dass Níthiel das Blut in den Adern gefror und wilde Trommeln erklangen und hallten an den Bergen wieder.
Unter lautem Getöse öffnete sich das Tor und Aragorn sah sich einem Heer gegenüberstehen, von solch entsetzlicher böser Macht, wie es noch nie ein Mensch gesehen hatte. Orks, Bergtrolle und andere schreckliche Wesen strömten heraus und der Strom riss nicht ab, sondern ergoss sich wie ein unendlicher Fluss in das schmale Tal.
Angst überwältigte Níthiel und Alagos spürte die Verzweiflung seiner Herrin und tänzelte aufgeregt unter ihr.
?Hab? keine Angst, Níthiel!?, flüsterte da Legolas und seine Augen waren auf sie gerichtet, voller Liebe und Trauer. ?Auch wenn hier und jetzt unser Ende gekommen ist, werden wir uns wieder sehen und nichts kann dann unseren Frieden trüben.?
?Ich dachte niemals, dass ich Seite an Seite mit einem Elben sterben würde.?, sagte da Gimli und packte seine Axt fester.
?Wie wäre es Seite an Seite mit einem Freund??, antwortete Legolas lächelnd.
?Ja, das wäre mir sehr Recht.? Und es war diese Stunde, als ein Zwerg und ein Elb auf ewig in unzertrennlicher Freundschaft verbunden waren.

Aragorn erhob ein weiteres Mal seine Stimme, doch diesmal an sein Heer und seine Augen leuchteten in ungebrochenem Willen und machte den Männern Mut.
?Reiter von Rôhan und Männer von Gondor! Hoffnungslos scheint diese Stunde zu sein und aussichtslos der Kampf! Doch höret! Auch wenn das Ende nahe ist, wollen wir nicht verzagen, sondern kämpfen bis in den Tod! Menschen des Westens, habt Mut, denn dieses wird nicht unser Untergang sein, sondern der seine! Kämpft für die Freiheit! Kämpft für Mittelerde! Und für Frodo!?
?Für Frodo!?, rief es da von allen Seiten und das Heer des Westens stürmte die feindlichen Reihen und ihr Herz schlug nur für den kleinen Hobbit in jenem Moment.
?Für Frodo!?, flüsterte da auch Níthiel und zog ihr Schwert und Alagos bäumte sich auf unter ihr und sprang dann nach vorne, mitten hinein in die Schlacht.

Níthiel war umgeben von Orks, sie wusste nicht, nach welcher Seite sie sich zuerst verteidigen sollte und wohin sie einen Gegenschlag ausführen konnte.
Ein schwarzer Ork, dessen blutunterlaufene rote Augen sie gierig anstarrten, hob seinen Krummsäbel und wollte auf Alagos Kopf einschlagen, der hilflos zwischen den feindlichen Kriegern gefangen war. Doch Níthiel kam ihm zuvor und rammte dem Ork ihr Schwert in den Brustkorb. Im gleichen Moment spürte sie einen stechenden Schmerz in ihrem rechten Unterarm und das Schwert entglitt ihrer Hand und blieb im Körper des Orks stecken.
Die Orkklinge eines anderen Orks hatte eine tiefe Wunde in ihren Arm gerissen und ihr helles Blut verklebte den Stoff ihres schwarzen Umhangs. Aus den Augenwinkeln konnte sie erkennen, wie erneut eine schwarz schimmernde Klinge auf sie hinabfuhr und ihr den Kopf abgeschlagen hätte, wenn sie nicht in letzter Sekunde von Alagos gerettet worden wäre, der zur Seite wegsprang und mit den Hinterbeinen wütend austrat. Aber nun griffen zwei weitere Orks von der anderen Seite an und Níthiel hatte nichts, womit sie sie sich verteidigen konnte.
Sie fühlte nur noch den stechenden Schmerz in ihrem Arm und eine entsetzliche Kälte, als sie den beiden Orks entgegenblickte, die mit aufgerissenen Mäulern und mit blutbefleckten Krummsäbeln auf sie zukamen.
Genau in dem Moment, als die Orks zum Schlag ausholten und Níthiel in letzter Verzweiflung die Arme schützend vor ihr Gesicht warf, erzitterte die Erde unter ihnen und ein Donnern durchzog das Tal, als würde der Boden unter ihnen einstürzen wollen. Die Zeit schien stehen zu bleiben, denn die Krieger auf dem Schlachtfeld unterbrachen den Kampf und erstarrten in ihrer Bewegung.
Das Beben nahm immer mehr zu und Níthiel klammerte sich in Alagos Mähne fest, als ein entsetzlicher Laut, wie der Schrei eines Toten, über ihnen die Luft zerriss und Feuer und Asche in die Luft spieen und das graue Licht des Tages verdunkelten.
?FRODO! FRODO!?
Níthiel hob den Kopf und blickte an den Horizont, mitten hinein nach Mordor, wo ein schwarzer Berg in Flammen stand und weiter zum Auge Saurons, das wild auf seinem Turm umher flackerte. Dann blähte es sich auf, wurde größer und größer und der grässliche Schrei wurde lauter und wehklagender. Weiße Lichtblitze zuckten vom Himmel und schlugen krachend auf Barad-Dûr, den Dunklen Turm, ein. Das Mauerwerk des Turms wurde gesprengt und Níthiel verfolgte mit angehaltenem Atem, unfähig sich zu bewegen, wie der Turm in sich zusammenstürzte.
?FRODO!? Rufe voller Hoffnung und voller Euphorie drangen an ihr Ohr und noch während der Turm stürzte, zog sich das Auge Saurons zu einem kleinen weißen Punkt zusammen und explodierte dann mit solcher Wucht, dass die Druckwelle ganze Steine durch die Luft wirbelte und alles niederriss, was noch nicht auf dem Boden lag.
Noch immer bebte die Erde unter ihnen und ein riesiger Spalt öffnete sich im Boden und das Schwarze Tor und die Wehrtürme brachen zusammen und stürzten in unendliche Tiefen.
Die Orks, die gerade noch Níthiel bedroht hatten, ergriffen panisch die Flucht, als sie sahen, dass ihr Herr und Gebieter besiegt war. Sie waren nicht die einzigen. Als das Schwarze Tor zusammenbrach rannten Saurons Krieger, so schnell sie ihre Beine tragen konnten, als würde Sauron selbst sie verfolgen. Es nutze jedoch nichts. Noch während die feindlichen Krieger ihrem Untergang zu entfliehen versuchten, tat sich der Boden unter ihnen auf und sie alle wurden hinab gerissen ins Innere der Erde und nie mehr wieder gesehen. Das Heer des Westens stimmte Jubelchöre an, zu Ehren Frodos, doch da gab es eine weitere Explosion und der Schicksalsberg wurde zersprengt.
Stumme Tränen rannen über Níthiels Gesicht, als sich die Jubelchöre in verzweifelte Schreie wandelten und Merry und Pippin, die zwei kleinen Hobbits, voller Schmerz auf den Boden sanken und um ihre Freunde weinten.

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BeitragVerfasst: 17. Apr 2008 19:29 
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Ein paar Monate später wanderte Níthiel nachdenklich im grau-grünen Licht des Waldes einen schmalen Pfad entlang. Vögel zwitscherten fröhlich in den hohen Ästen und es duftete herrlich nach Frühling. Auf dem weichen Waldboden ließ es sich angenehm laufen und so konnte sich die Elbin ganz ihren Gedanken hingeben.
Ob Frodo und seine Freunde wohl schon wieder das Auenland erreicht hatten?
Níthiel fragte sich noch immer, wie es Frodo und Sam gelungen war dieser Feuerhölle zu entkommen. Gandalfs Adler hatten die beiden Hobbits gerettet, die zwar schon mehr tot als lebendig waren, als Gandalf sie gefunden hatte, aber stark genug, um sich von all den Strapazen zu erholen. Níthiel wollte sich gar nicht ausmalen, welchen Gefahren Frodo und Sam ausgesetzt gewesen sein mussten.
Sie hatten die Ehre wirklich verdient, die ihnen in Minas Tirith zuteil wurde, am Tag von Aragrons Krönung, als sich alle Menschen, Elben und Zwerge vor ihnen verbeugt hatten. Níthiel lächelte glücklich. Aragorns Krönung zum König von Gondor war der Moment gewesen, als ihr erst so richtig bewusst wurde, dass der Ringkrieg tatsächlich zu Ende war. Ihr Lächeln wurde breiter, als sie an ihre Freundin Arwen dachte, die jetzt Aragorns Frau und somit Königin von Gondor und Königin der Herzen war, wie Níthiel im Stillen zufügte, denn die Menschen von Gondor liebten ihr neues Königspaar.
?An was denkst du gerade??
Legolas, der neben ihr herlief, schaute sie mit schief gelegtem Kopf an.
?An dich natürlich.?
?Das freut mich. Aber ich glaube dir nicht??
?Willst du damit sagen, dass ich dich anlüge?? Níthiel tat empört.
?Nein, niemals.? Legolas grinste verschlagen. ?Ich will damit nur sagen, dass ich dich mittlerweile ganz gut kenne.?
Níthiel lachte. ?Ich hab? an Arwen gedacht. Und an Aragorn. Und an unsere kleinen Freunde. Was meinst du, ob sie schon wieder im Auenland sind??
Legolas fasste nach ihrer Hand und rückte ein Stück näher an Níthiel heran.
?Bestimmt. Und selbst wenn nicht, droht ihnen jetzt keine Gefahr mehr.?
Ein rotes Eichhörnchen sprang vor ihnen über den Pfad und verschwand dann auf einen Baum. Die Sonne schickte ihre Strahlen durch eine kleine Lücke in den Baumwipfeln über ihren Köpfen und ließ die Tautropfen auf den Farnblättern am Waldboden funkeln.
?Ich hoffe, dass dein Vater gnädig mit mir ist.?, murmelte Níthiel plötzlich und verlangsamte ihre Schritte, so dass Legolas schließlich stehen blieb und sie mit gerunzelter Stirn ansah.
?Warum? Hast du etwas angestellt, von dem ich nichts weiß??, scherzte er.
?Kannst du dich noch daran erinnern, wie ich das erste Mal nach Düsterwald kam??
?Natürlich!? Legolas schloss die Augen, als die Erinnerung wieder in ihm auflebte.
?Du und vier weitere junge Elben aus Imladris seid als Botschafter gekommen, auf der Suche nach dem Buch ?Die Quellen des Lebens?, dass ihr verloren habt.?
?Verloren? War es nicht eher so, dass es zwei junge, nur Unsinn treibende Waldelben gestohlen haben??
Legolas lachte. ?Beweist das erst mal. Und eure heimliche Suche in unserer Bibliothek damals, war übrigens völlig umsonst.?
Níthiel errötete bei diesen Worten und blickte rasch zur Seite, denn sie waren damals heimlich in der Nacht in die Bibliothek von König Thranduil regelrecht eingebrochen, um das Buch zu suchen.
?Ihr wusstet es die ganze Zeit??
Legolas lachte noch lauter. ?Wir haben uns köstlich amüsiert, als eure Suche erfolglos blieb.?
?Dann habt ihr das Buch gar nicht?? Níthiels Verlegenheit wechselte schlagartig und machte einer aufkeimenden Wut Platz, sie musste aber gleichzeitig mit sich kämpfen um nicht loszulachen. ?Und ihr habt es uns nie gesagt??
?Nun. Ich habe nicht behauptet, dass wir es nicht haben??, grinste Legolas und sprang ein paar Schritte davon, als Níthiel spielerisch auf ihn losging.
?Prinz Legolas von Düsterwald! Ihr müsst mir Rede und Antwort stehen!?
Legolas lachte nur, blieb aber sicherheitshalber auf Abstand. Bei einer wütenden Elbin aus Imladris war Vorsicht angesagt.
Doch dann lachte auch Níthiel und ihr helles warmes Lachen erfüllte den Wald mit Freude.
?Jedenfalls erinnerst du dich dann bestimmt auch noch daran, mit welcher Begeisterung dein Vater uns für einige Tage in seinem Haus aufgenommen hat.?, sagte Níthiel mit leichter Ironie in ihrer Stimme. Legolas lief nun wieder an ihrer Seite.
?Er tut nur so, als würde er keine anderen Elben respektieren, als die seiner Sippe.?, murmelte er. ?In Wirklichkeit hat er ein weiches Herz.?
?Ach tatsächlich??, Níthiel kicherte. ?Und was war mit: ?Ihr seid Elben aus Imladrids? Was wollt ihr und wann gedenkt ihr abzureisen???, zitierte sie Legolas Vater und kicherte, als sie Legolas verlegenen Gesichtsausdruck sah.
?Er ist eben ein bisschen eigensinnig.?
?Wie der Vater so der Sohn?? sagte Níthiel trocken. Doch noch bevor sie sich versah, lehnte sie mit dem Rücken an einem Baum, Legolas stand dicht vor ihr, die Hände rechts und links von ihren Schultern auf den Baum gestützt und sah ihr prüfend in die Augen. Er gab sich tatsächlich große Mühe ernst auszusehen, doch Níthiel entdeckte den Schalk in seinen Augen.
?Also, wie war das jetzt noch mal?? Níthiel schluckte ein paar Mal, um nicht loslachen zu müssen. ?Ähm. Du sagtest, dein Vater wäre eigensinnig.?, flüsterte Níthiel und zwang sich dazu weiter in Legolas Augen zu blicken, auch wenn sie am liebsten losgelacht oder ihn geküsst hätte.
?Und weiter??, fragte er leise und kam mit dem Gesicht noch näher an das von Níthiel heran.
Níthiel war überwältigt von seiner Nähe und musste sich ganz darauf konzentrieren weiter zu atmen.
?Ich weiß nicht genau??, flüsterte sie ergeben und spürte dann nichts mehr, als Legolas Lippen auf den ihren. Sie legte ihre Hände auf seine Schultern und vergaß alles um sich herum, denn nichts schien mehr wichtig zu sein in diesem Moment.

?Du weißt es nicht mehr?? nahm Legolas das Gespräch schließlich wieder auf. Er war sich wohl bewusst, dass er gewonnen hatte und grinste amüsiert.
?Nicht genau jedenfalls.?, flüsterte Níthiel, die noch immer etwas atemlos war, als Legolas und sie jetzt wieder dem Waldpfad folgten.
?Aber zurück zu deinem Vater. Er wird nicht sehr begeistert sein, wenn sein Sohn ihm mitteilt, dass er sich in eine Elbin verliebt hat, die nicht zu seiner Sippe gehört.?
?Oh, ich denke, das weiß er schon.?
?Er weiß es? Und woher??
?Er weiß es, seit er dich das erste Mal gesehen hat.? Legolas grinste.
?Wie bitte??
?Normalerweise fordere ich nicht so ohne weiteres jemanden zum Tanzen auf.?
?Ich habe aber doch immer abgelehnt.?
?Ja. Das hast du. Ich bin heute noch gekränkt.?
Níthiel kicherte. ?Warum hast du auch einen Pfeil auf mich abschießen müssen??
?Ihr ward fremde Elben im Hoheitsgebiet meines Vaters!?, empörte sich Legolas.
?Nette Art, mit anderen Lebewesen umzugehen. Erst mal Pfeile abschießen und dann Fragen stellen.?, unterbrach ihn Níthiel, doch Legolas fuhr ungerührt fort: ?Und außerdem wollte ich dich nie treffen und habe dich ja auch nicht getroffen.?
?Aha. Aber Freunde macht man sich so nicht.?
?Jetzt verstehe ich wenigstens, warum du so ablehnend reagiert hast.?
?Und dein Vater wird mir also kein Gift in meinen Becher kippen, wenn wir zu Abend essen??
?Ich werde es verhindern.? Legolas zwinkerte ihr zu.

Etwas das aussah wie ein silberner Nebelschleier zog vor ihnen über den Weg und verschwand ebenso schnell wieder, wie er gekommen war.
?Was war das?? Níthiel war stehen geblieben und machte große Augen. So etwas hatte sie noch nie gesehen.
?Die Geheimnisse von Düsterwald.? Legolas nickte bedächtig. ?Es gibt hier Lebewesen, die man in keinem anderen Teil von Mittelerde findet. Und Magie. Der Wald ist voller Magie. Ich wünschte, ich hätte dir schon viel früher das alles zeigen können, denn jetzt bleibt keine Zeit dafür.?
?Aber du kannst mir davon erzählen.?
?Das könnte ich.?
?Solange ich noch da bin.?
Legolas griff wieder nach ihrer Hand.
?Noch bleibt uns etwas Zeit, bis dein Schiff geht.?
?Ich wünschte, ich könnte bei dir bleiben.?
?Das wünschte ich auch.?
?Aber ich habe Herrn Elrond versprochen das nächste Schiff in die Unsterblichen Lande zu nehmen?
?Ich weiß.?
?Und du musst dein Versprechen bei Gimli einlösen.?
?So ist es. Und es reut mich nicht, denn er ist mir ein so treuer Freund wie Aragorn geworden auf dieser Reise.?
?Und noch haben wir Zeit.?, wiederholte Níthiel und drückte Legolas Hand. ?Und wir werden uns wieder sehen.?
?Das werden wir, sehr bald. Was sind schon ein paar Jahre, wenn man bedenkt, dass wir in Aman alle Zeit der Welt haben.?
Zwei Waldelben traten plötzlich vor ihnen auf den Pfad und blickten Níthiel und Legolas in freudiger Erwartung entgegen und verbeugten sich leicht vor ihnen.
?Meine Herrin. Mein Prinz. Euer Vater erwartet euch bereits, es gibt ein Festmahl zu Ehren eurer Rückkehr.?
?Ich danke euch!?, erwiderte Legolas und deutete ebenfalls eine Verbeugung an. ?Bis zum Festmahl sind wir da.?
Die beiden Waldelben lächelten und verschwanden dann wieder in den Tiefen des Waldes.
Níthiels Herzschlag beschleunigte sich ein wenig. Sie hatte trotz Legolas Worten ein bisschen Angst vor dem König.
?Nur Mut.? sagte Legolas und zog sie weiter. ?Mein Vater gibt sogar ein Festmahl für uns.?
?Wohl eher für dich.?, murmelte Níthiel und wäre am liebsten weggelaufen.
?Sie kämpft gegen Orks, Bergtrolle und Oliphanten, aber vor meinem Vater hat sie Angst.?, lachte der Elb und schüttelte den Kopf.
?Die wollten mich nur umbringen, dein Vater will mir aber sicher schlimmeres antun.?
?Bleib? in meiner Nähe. Ich werde dich beschützen.?, sagte Legolas, packte Níthiels Hand fester und rannte mit ihr weiter, bis das Dämmerlicht des Waldes ihre Getalten verschluckte und nichts zurückblieb, als Níthiels fröhliches Lachen.



ENDE

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