Balsam für die Seele

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 Betreff des Beitrags: Die Bürde seines Schicksals [Fluch der Karbik-FF] Kapitel 2
BeitragVerfasst: 21. Nov 2007 23:24 
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Meine erste Fluch der Karibik - FF... und ich vermute, es bleibt auch die einzige, was sie zu einer Rarität macht... :mrgreen: Ich wünsche euch viel Spaß!

Genre: Drama/Romanze









Prolog





Schon seit Stunden saß er vollkommen in sich versunken auf dem warmen Sand. Die Sonne hatte unbarmherzig auf ihn niedergebrannt, doch das hatte ihn nicht gekümmert. Seine Augen waren auf den Horizont gerichtet, auf die endlosen Weiten des Meeres.
Inzwischen war die Sonne ihrem seit Urzeiten vorgeschriebenen Lauf weiter gefolgt. Sie neigte sich schon dem Meer zu, hatte an Kraft verloren. Schon bald würde sie untergehen und so diesem Tag endlich ein Ende setzen. Diesem Tag, der seiner Seele so viel Schmerz bereitet hatte, dass er glaubte, es nicht ertragen zu können.
Langsam streckte er die Beine aus und ließ sich in den Sand sinken. Seine Hände bedeckten die Augen und schirmten sie so ab vor dem in diesem Winkel direkt einfallenden Licht der Sonne. Schließen wollte er sie nicht. Er hätte nur ihr Gesicht vor sich gesehen.
Kein Laut drang aus seiner Kehle, denn kein Schrei hätte seiner Verzweiflung entsprechen können. Keine Worte hätten seinem Kummer Ausdruck verleiten können.
Hier war es gewesen, an dieser Stelle, auf dieser Insel, als sich sein Glück erfüllt hatte. Vor zehn Jahren. Seine Hand in ihrem Haar, ihr Geruch auf seiner Haut. Ihr Geschmack auf seiner Zunge. Ihr Seufzen immer noch in seinen Ohren. Als hätte er diesen Moment des Glücks stets bei sich getragen. Nie wieder würde es so sein. Nie wieder die süßeste Erfüllung.

Er ballte die Faust und schlug unvermittelt hart auf den Sand neben sich. Der Schmerz war real und machte die Leere in seinem Inneren erträglicher, wenn auch nur für einen kurzen Moment. Dann gab er sich wieder den Gedanken hin, ließ sie zu; wissend, dass er vor seinen Gefühlen nicht würde entfliehen können. Sich nirgends würde verstecken können, an keinem Platz der Welt.
Er drehte den Kopf zur Seite und betrachtete die hölzerne Truhe. Kein Wort der Erklärung. Sie hatte sein Herz für ihn zurückgelassen, damit er es hier und heute finden würde. Nur sein Herz, das in der Truhe stetig schlug. Das Herz, das ihr gehört hatte. Das ihr für immer hätte gehören sollen.

Von Anfang hatte ihnen das Schicksal ihrer Liebe übel mitgespielt. Er wäre für sie gestorben, schon damals, und dieses Versprechen hatte er gehalten.
Seit zehn Jahren hatte er auf sie gewartet, nur in der Hoffnung auf einen Tag mit ihr. All seine Gedanken, wenn er sich niederlegte, um sich auszuruhen, wenn er am Steuer stand und den Ozean betrachtete, wenn er Seelen in die andere Welt hinüber geleitete, sie galten ihr.
Und nun war sie nicht hier. Hatte sein Herz als ein Zeichen zurück gelassen. Und seine Gedanken kreisten um eine einzige Frage: Warum?
Doch natürlich wusste er in der Tiefe seines Bewusstsein, warum er nicht mit ihr zusammen sein konnte und sie nicht mit ihm. Es gab keine Hoffnung.
Zehn Jahre, ein Tag. So war die Regel. Bis in die Ewigkeit. Keine Hoffnung.

Er setzte sich auf und blickte wieder zum Horizont. Seine Augen verengten sich. Nun war er in ein rotgoldenes Licht getaucht. Die Sonne ging unter. Er musste zurück.
Langsam, als wäre er an einem Tag um mehr als zehn Jahre gealtert, erhob er sich und ergriff sein Schwert, das er neben sich abgelegt hatte. Das war am Morgen gewesen, als er noch voller Erwartung und Freude an der Küste angekommen war.
Sein Blick fiel auf die Truhe. Er konnte, er würde es nicht mitnehmen. Mit einem Stöhnen ließ er sich auf die Knie fallen und begann zu graben. Nun, da seine Hände eine Tätigkeit gefunden hatten, gruben sie in einer rasenden Geschwindigkeit, so dass der Sand nur so um ihn herumflog. Beinahe besinnungslos hielt er schließlich inne, starrte in das Loch.
Würde er sein Herz hier begraben und mit ihm all seine Hoffnungen und Träume?
Er unterbrach diesen Gedanken abrupt. Wenn sie es nicht haben wollte, wäre es hier genau so gut aufgehoben wie an jedem anderen Ort auf dieser oder der jenseitigen Welt. Als würden an seinen Arme tausend Gewichte hängen packte er die Truhe und ließ sie in die Grube sinken. Dann schob er den Sand, den er fortgeschaufelt hatte, über den Rand des Lochs, ohne noch einmal hinzusehen.
Sein Blick fiel auf seine Hände. Die Finger bluteten stellenweise, doch er fühlte den Schmerz kaum. Schon heute Abend würde man nichts mehr davon erkennen können. Unsterblichkeit.
Mit zitternden Händen strich er den Sand glatt. Niemand sollte herkommen und das Herz zufällig entdecken.
Dann stand er auf und ging langsam, ohne sich umzusehen, zu dem kleinen Beiboot, das ihn wieder zu seinem Schiff bringen würde. Zu seinem Schicksal.

~*~*~*

Kurze Zeit später kletterte er an Bord der Flying Dutchman. Die Hand, die ihm sein Vater entgegen streckte, ergriff er nicht.
Er ging an ihm vorbei und stieg die Treppe zur Brücke hinauf. ?Alle Mann an Deck! Lichtet den Anker und setzt die Segel!?
Das Steuer hielt er in seinen blutigen Händen. Als die Dutchman Fahrt aufholte, schlug er es hart backbord.
?Will?, hörte er die Stimme seines Vaters.
?Gibt es nichts, das du erledigen kannst, Maat?? Seine Worte klangen schroffer, als er es beabsichtig hatte. Er drehte sich weg, so dass er sein Gesicht nicht sehen konnte.
?Sicher, Captain?, erhielt er zur Antwort. ?Doch zuerst muss ich mich noch um meinen Sohn kümmern.?
?Für mich gibt es nichts zu tun?, sagte Will leise. Die Hand seines Vaters stahl sich in sein Blickfeld.
?Was ist geschehen, Will? Ist was mit Elizabeth??
Unwillkürlich zuckte der Captain zusammen. ?Es ist nichts mit ihr.?

?Sie ist nicht gekommen, hab ich Recht?? Bill klang rau, mitfühlend.
Er konnte es nicht ertragen. ?Maat, runter von der Brücke!? Dabei sah er in das Gesicht seines Vaters, sah seine verständnisvollen Augen. Wie oft hatte er ihm von seiner Vorfreude auf Elizabeth erzählt.
?Aye, Captain?, sagte Bill. Abrupt drehte er sich um, versuchte seine Enttäuschung über die Abweisung seines Sohnes zu verstecken. Dennoch hatte er Verständnis dafür. Also war Elizabeth nicht gekommen. Er ahnte, was dies für ihn hieß.

?Vater!? Wills Stimme klang wie ein Schrei, obwohl sie beinahe lautlos war. Bill wandte sich zu ihm um. ?Captain??
?Sie ist nicht gekommen. Doch das ist nun nicht wichtig. Wir haben Arbeit zu erledigen?, sagte der Captain tonlos.
?Aye, das haben wir!? bestätigte Bill. Er sah den Schmerz in den Augen seines Sohnes, den er versuchte zu begraben.
?Also?, fuhr er fort und seine Stimme wurde lauter, als er die Befehle an die Männer weitergab. ?Zurück nach Jenseits, Matrosen!?
Will nickte und drehte sich wieder zum Steuer um. Als die Sonne unterging, sah man am Horizont nur noch ein grünes Blitzen, dann war die Dutchman samt Besatzung wie von der Wasseroberfläche verschluckt.

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Zuletzt geändert von Liliana am 19. Dez 2007 22:32, insgesamt 2-mal geändert.

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BeitragVerfasst: 22. Nov 2007 10:03 
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Oh wie schön, meine Süße. :hips:

deine Geschichte war die erste FF, die ich außerhalb des HP Universums gelesen habe. Mittlerweile sind ja einige dazu gekommen, und da zählen deine immer wieder zu meinen Lieblingsgeschichten. Ich hoffe, du lässt mich weiter betaen, wir müssten dann nur mal schauen, wie weit ich schon gekommen bin. Aber es müssten schon einige Kapitel gewesen sein. ;)

Jetzt aber zu deiner Einführung:

Beim Lesen liefen mir die Tränen die Wangen herunter, so anschaulich verstehst du es, die Gefühle der Protagonisten zu schildern.
Ich leide regelrecht mit Will mit, kann seine Enttäuschung und seinen Verlust absolut nachempfinden.
Dabei zählt er nicht mal zu meinen Lieblingsfiguren. Dennoch will ich wissen, wie es mit ihm weiter geht. Denn er ist schon ein toller Pirat.

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BeitragVerfasst: 22. Nov 2007 17:02 
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Meine liebste Lil,

oh, ich freue mich so, dass du diese Geschichte nun auch hier postest, so dass sie angemessen gewürdigt werden kann.

Wie auch Minchen muss ich sagen, dass Will Turner nicht der Pirat ist, der mein Herz häher schlagen lässt, aber du schaffst es, durch deine liebevolle Beschreibung seiner Gedanken und Gefühle, ihn uns näher zu bringen, unser Interesse an seinem Schicksal zu wecken.

Und wie immer hast du auch eine spannende Hintergrundgeschichte in petto, worauf ich mich besonders freue.

/hugs
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BeitragVerfasst: 24. Nov 2007 16:04 
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Hey Lil! :typo_058:

Ich wusste ja gar nicht, dass du auch eine FdK-Geschichte schreibst! *hüpf*
Da bin ich ja froh, dass du sie jetzt hier postest, sonst hätte ich sie wohl gar nicht zu Lesen bekommen...

Also: Da Will mitspielt kann diese Geschichte nur gut werden *zwinker*, aber es ist auch wunderschön sie zu Lesen, denn schon das erste Kapitel liefert alles, was man sich wünscht: eine unglaubliche Kulisse, tolle Charaktere, Emotionen und Spannung. Was will man mehr?
Jedenfalls freue ich mich auf das nächste Kapitel und schicke Elizabeth inzwischen tausend Verwünschungen an den Hals. *gg*

LG deine Goosy

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BeitragVerfasst: 26. Nov 2007 22:46 
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Hey meine Lieben! *schnüff* Wie lieb von euch! Ich freu mich so sehr über eure Wortmeldungen und euer Lob! Will liegt mir ja auch ganz besonders am Herzen...

*mich bis zum Boden verneig* Tausend Dank!

Und nun viel Spaß beim ersten Kapitel! Liebste Grüße eure Lil







Gebundene Seelen




Zwei Monate waren vergangen, nachdem der Captain der Flying Dutchman seinen Landgang für die nächsten zehn Jahre beendet hatte. Die Besatzung spürte eine eindeutige Änderung in seinem Verhalten. Das Schiff schien den lähmenden Kummer seines Captain zu teilen und so griff die Hoffnungslosigkeit auch auf die Crew über.
Niemand vermochte es zu dieser Zeit, mit Will Turner zu reden, abgesehen von seinem Vater, dem ersten Maat, der sich Stück für Stück annäherte. Doch bisher war er nicht bis zu ihm vorgedrungen.

Will stand alleine auf der Brücke. Das Steuer hielt er locker in den Händen, es wehte kein Wind. Wieder einmal brütete er still vor sich hin, so wie immer, wenn ihn keiner der Besatzungsmitglieder sah.
Es war dunkel und die Sterne leuchteten am unnatürlichen Himmel der Jenseitswelt. Sie spiegelten sich im Wasser des Ozeans und er dachte an ihre Augen, die ebenso dunkel und unergründlich waren, die ihn aber einst voller Liebe für ihn angesehen hatten.
?Klare Nacht heute.? Will schloss die Augen. Ein erneuter Versuch seines Vaters, mit ihm zu sprechen.
?Hier gibt es keine stürmischen Nächte?, entgegnete er leise.
?Nicht, solange du es nicht willst?, ergänzte Bill und stellte sich neben ihn.
Will nickte. ?Solange ich es nicht will.?
?Weißt du, die Ewigkeit, die ist lang?, sagte Bill plötzlich, als habe er nur so den Mut, es wirklich auszusprechen. Dann schwieg er und Will spürte, dass er seine Worte sorgfältig abwog. ?Und manchmal erscheint sie einem zu lang.?
?Wem sagst du das?? Die Stimme des Captain klang verbitterter, als er es beabsichtigt hatte.
?Vielleicht sind ein Tag auf zehn Jahre nichts, was Elizabeth hätte auf Dauer ertragen können. Vielleicht hat sie das eingesehen.?

Will ließ das Steuer los und wandte sich um. ?Das Schicksal war uns niemals gewogen.? Unvermittelt fügte er hinzu: ?Es zerreißt mich in Stücke, Vater.?
Der Maat griff nach dem Steuer, um sich für eine Weile zu beschäftigen. Die von Gram erfüllte Stimme seines Kindes machte ihn hilflos. Er musste nun sehr behutsam sein. Nie hatte sich sein Sohn in der letzten Zeit so geöffnet.
?Wenn es etwas gäbe, was ich für dich tun kann... Ich würde all deine Schmerzen auf mich nehmen, wenn ich es könnte?, flüsterte er, doch Will hörte ihn.
?Das kannst du nicht. Niemand konnte mich vor meinem Schicksal retten. Niemand kann mich vor seinen Folgen retten.? Seine Hand fuhr unwillkürlich zu der Narbe an seiner Brust.

?Hättest du dir gewünscht...? Bill brach ab und starrte blicklos vor sich hin.
?Was??
Plötzlich drehte sich Bill um und sah seinem Sohn in die Augen. ?Hättest du dir gewünscht, dass ich damals anders gehandelt hätte? Dass ich dich hätte sterben lassen sollen??
?Das warst nicht du. Es lag nicht in deiner Gewalt, und ich glaube auch nicht, dass es in Jacks lag. Sie... Calypso, sie hat es mir vorausgesagt, schon bei unserer ersten Begegnung. Das Schicksal war schon lange vor den Ereignissen festgelegt.?

Er lächelte seinen Vater an, zum ersten Mal, seit er ohne Elizabeth zu sehen, zurückgekehrt war und dieser lächelte zurück. ?Mein Wunsch spielte keine Rolle. Und du hattest keine Wahl. Also warum sollten wir uns grämen über etwas, was wir nicht beeinflussen konnten und schon so lange zurückliegt.?

Ein Plätschern schreckte die beiden aus ihrer Unterhaltung auf. ?Was war das?? fragte Bill und fuhr herum, das Wasser mit seinen Augen absuchend.
Wasserbewegungen waren hier mehr als ungewöhnlich. Niemand hielt sich in diesen Gewässern auf, der Wellengang war durch den fehlenden Wind mehr als still.
?Jemand ist hier?, sagte Will leise und blickte ebenfalls übers Wasser. ?Ich kann es fühlen.?
Die beiden eilten die Treppe von der Brücke hinunter. ?John! Hierher! Schnell!? rief Will den Matrosen, der heute Nacht im Beobachtungsposten der Dutchman saß.
Der Mann ließ sich an einem Seil zu ihnen hinab. ?Aye, Captain!?
?Dort draußen ist jemand. Wir müssen ihn finden?, gab Will seinen Befehl.
Die drei Männer teilten sich auf, um getrennt das Wasser zu beobachten, doch plötzlich wurde das Platschen lauter und eine Hand streckte sich steuerbord ans Schiff, die rasch eine Haltemöglichkeit fand und sich festhielt.
Bill, dem die Hand im fahlen Mondlicht nicht sofort aufgefallen war, griff nach ihr und überhörte das erschrockene Keuchen. Mit einem Ruck zog er am Arm und brachte eine junge Frau an Deck.

Sie riss sich los und starrte ihn mit weit aufgerissenen Augen an. ?Wer seid Ihr?? Beinahe wäre sie so weit zurückgewichen, dass sie wieder von Bord gefallen wäre, aber Bill fasste wieder nach ihrem Arm und zog sie zurück. ?Lasst mich los!?
Von ihrem Rufen angelockt trafen der Captain und der Matrose ein. ?Seid ruhig, es wird euch nichts geschehen!? versuchte Bill die junge Frau zu beruhigen, doch es schien zwecklos.
Sie zitterte am ganzen Leib.
?Wer seid ihr und was ist das für ein Ort?? Sie wandte sich an John. ?Wie bin ich hierher gekommen? Ich war woanders... eben.? Ihre Stimme wurde leise und sie sah auf den Boden.
?Was ist das Letzte, an das Ihr Euch erinnern könnt?? fragte Will sanft.
Sie sah ihn wild an, ihre Augen schienen noch größer zu werden. ?Sie haben mich über die Planke geschickt?, sagte sie tonlos. ?Dann war überall Wasser. Ich habe gekämpft, doch sie haben nur gelacht. Das Schiff verschwand am Horizont. Schließlich kam die Dunkelheit. Und dann war ich auf einmal hier. Wo sind wir hier??
Ihre Stimme war immer leiser, verzagter geworden. Will scheute sich davor, es ihr zu sagen, doch jemand würde es tun müssen. ?Du bist ertrunken.? Sein Ton war immer noch sanft, behutsam, als wollte er die Schroffheit der Worte lindern.
Sie schüttelte unvermittelt heftig den Kopf, alle Verwirrung schien vergessen, und Wut sprühte aus ihren Augen. ?NEIN! Das kann nicht sein!?

?Miss...?, begann Bill, doch sie fuhr herum und starrte ihn zornerfüllt an. ?Ihr seid verrückt! Wollt Ihr mir erzählen, ich sei tot??
?Miss!? Will wurde bestimmter. ?Ich kann Euren Zorn verstehen, doch Ihr müsst es akzeptieren. Ihr seid ertrunken.?
Die junge Frau wandte sich wieder zu ihm um. Sie ließ die Schultern sinken und mit einem Mal war ihre Aggressivität gänzlich verschwunden. Nur noch tiefe Trauer sprach aus ihrem Blick und die Tränen, die ihr in die Augen schossen, spiegelten die Sterne wieder.
?Dann seid Ihr der Fährmann zwischen den Welten?, stellte sie fest. Will nickte. ?Und Ihr könnt mich nicht zurück bringen??
?Vielleicht solltet Ihr Euch an einem anderen Ort mit dem Captain unterhalten. Eure Kleider sind nass und es ist kalt. Ihr seid sicher erschöpft?, meinte Bill und zeigte unter Deck.
?Eine Erkältung würde mich sicher nicht umbringen?, sagte die Frau trocken, aber Will ging voraus, mit einer unmissverständlichen Bestimmtheit. Also folgte sie ihm in seine Kajüte.





Nachdem die junge Frau in Decken gehüllt war und einen Becher Rum in die Hand gedrückt bekommen hatte, zogen sich Bill und John zurück. Es war eine unangenehme Aufgabe, die ihrem Captain bevorstand und sie waren froh, nicht der Überbringer der schlechten Nachricht zu sein.
Sie nahm einen Schluck und schüttelte sich wortlos. Für eine Weile schwieg sie, dann sagte sie: ?Könnt Ihr mich nicht wieder zurück bringen?? Sie klang flehend und Will verschloss seine Seele, um ihren Bitten standhalten zu können.
?Niemand kann zurück?, antwortete er rau.
?Aber Ihr seid der Captain der Flying Dutchman! Ihr seid der Fährmann! Wenn Ihr es nicht bestimmen dürft, wer dann?? Sie stellte den Becher mit einem Knall auf den Tisch.

?Doch bin ich nur der Bote. Niemand, der menschlichen Ursprung ist, darf über Leben und Tod entscheiden.?
?Aber ich muss zurück!? Nachdrücklich starrte sie ihn an. ?Meine Geschwister sind ganz alleine! Meine Eltern sind tot! Wer soll sich um sie kümmern, wenn nicht ich!? Verzweiflung schien sie zu packen und sie griff nach Wills Hand. ?Bitte, ich flehe Euch an!?
Der Captain zog seine Hand vorsichtig aus ihrer. ?Es ist unmöglich.? Ruhig hielt er ihrem Blick stand.
Endlich ließ sie sich in ihren Stuhl zurückfallen und stöhnte auf. ?Das kann nicht wahr sein!? Sie legte ihre zitternde Hand über die Augen und kämpfte mit den Tränen.

Lange saßen sie so da, Will war unfähig, ihr Trost zu spenden und er wusste nichts, was er ihr hätte sagen können.
Schließlich hatte sie sich wieder gefasst. ?Warum bin ich dann hier? Warum bin ich nicht in die andere Welt übergegangen? Oder ist das hier der Himmel??

?Nein.? Er wog seine Worte sorgfältig ab. ?Ihr seid nicht weitergegangen. So etwas geschieht von Zeit zu Zeit, wenn jemand...?, er machte eine Pause, ?so viele unerfüllte Aufgaben hat, dass seine Seele nicht von der Welt loslassen kann.?
Er suchte ihren Blick. Sie sah so verletzlich aus. ?Wem sagt Ihr das, Captain??
?Er kann nicht gehen, doch auf der Welt zurückbleiben darf er ebenfalls nicht. Deshalb landet er hier, auf meinem Schiff.?

Sie starrte ihn an, suchte nach Worten. ?Und was geschieht hier mit mir? Was soll ich tun?? Ihre Stimme brach.
?Ihr könnt auf der Dutchman bleiben. Die Männer, die sich bisher verloren haben, arbeiten nun auf diesem Schiff.? Er unterbrach den Blickkontakt, weil er erkannte, wie sehr seine Worte sie die Fassung verlieren ließen.
?Das kann nicht Euer Ernst sein! Auf einem Schiff bin ich mehr als überflüssig. Und außerdem wollte ich nicht die Ewigkeit hier verbringen!?
?Vielleicht werdet Ihr irgendwann einen Weg finden, weiterzugehen?, murmelte Will. ?Das hoffen sie alle.?

?Und wenn man weitergehen kann, wenn das möglich ist, warum kann ich dann nicht...? Sie unterbrach sich und suchte Wills Augenkontakt. Da sie keine Hoffnung dort entdeckte, sie nicht entdecken konnte, weil sie in Will nicht existierte, schwieg sie nur.
?Was ist dort, auf der anderen Seite?? fragte sie atemlos.
?Das kann ich Euch nicht sagen. Ich bin niemals dort gewesen. Nur hier, auf der Dutchman bin ich immer gewesen. Und werde es auf immer sein?, fügte er hinzu. Die Traurigkeit in seiner Stimme ließ sich nicht verbergen und die junge Frau spürte sie trotz ihres aufgelösten Zustandes.
?Seid Ihr ebenfalls tot??
?Ja?, entgegnete Will rau.
?Wie seid Ihr gestorben?? Sie sah seinen Blick und schwieg, die Augen senkend. ?Entschuldigt, es stand mir nicht zu, das zu fragen, Captain.?
Er machte eine abwehrende Handbewegung. ?Ihr könnt nun gehen. Schlaf werdet Ihr fortan nicht mehr brauchen, aber sicher wollt Ihr Euch ausruhen. Ich bin mir sicher, mein Vater hat euch ein Quartier gerichtet.? Sie erhob sich halb, und er fügte hinzu: ?Dies ist kein luxuriöses Schiff, aber für ein bisschen reicht es.?
?Ich danke Euch, Captain, für Eure Freundlichkeit?, sagte sie, seinen Blick noch ein letztes Mal suchend.
?Wie ist Euer Name?? fragte er, als er auf die Tür seiner Kajüte zuging.

?Lucy Ann Brighton?, antwortete sie und deutete einen Knicks an, von dem Will nicht sagen konnte, ob er ernst gemeint oder ironisch war.
?Captain William Turner?, erwiderte er und öffnete die Tür. Sie folgte ihm und schritt hinaus auf den Kajütengang, auf dem Bill wartete.
?Danke, Captain William Turner?, sagte sie mit einem schiefen Lächeln. Dann ging sie hinter seinem ersten Maat her.

Will sah ihr nicht nach. Manchmal berührte ihn seine Aufgabe, sein Schicksal zu sehr, als dass er seine Seele ganz vor den Bitten der Toten verschließen konnte. Und doch musste er sie erfüllen, niemand sonst konnte ihm diese Bürde abnehmen.
Er strich sich mit der Hand übers Kinn und kehrte dann mit gesenktem Kopf zur Brücke zurück, um das Steuer zu übernehmen. Wieder stand er alleine und starrte in die Nacht hinaus, in Gedanken bei Elizabeth.

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BeitragVerfasst: 26. Nov 2007 23:08 
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Huhu Süße, :knuddel:

es geht weiter. :hips:

Zitat:
?Weißt du, die Ewigkeit, die ist lang?, sagte Bill plötzlich, als habe er nur so den Mut, es wirklich auszusprechen. Dann schwieg er und Will spürte, dass er seine Worte sorgfältig abwog. ?Und manchmal erscheint sie einem zu lang.?
?Wem sagst du das?? Die Stimme des Captain klang verbitterter, als er es beabsichtigt hatte.
?Vielleicht sind ein Tag auf zehn Jahre nichts, was Elizabeth hätte auf Dauer ertragen können. Vielleicht hat sie das eingesehen.?

So traurig es für Will auch ist, ich könnte Elizabeth, wenn das der Fall sein sollte, sogar verstehen. Einmal in zehn Jahren ihren Mann an ihrer Seite zu haben, sich den Rest der Zeit aber allein herum schlagen zu müssen, war wohl gerade in dieser Zeit nicht einfach. Und Elizabeth hat nicht mal mehr eine Familie, die ihr zur Seite steht.

Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass es andere Gründe waren, die sie am Kommen gehindert haben.

Zitat:
?Das warst nicht du. Es lag nicht in deiner Gewalt, und ich glaube auch nicht, dass es in Jacks lag. Sie... Calypso, sie hat es mir vorausgesagt, schon bei unserer ersten Begegnung. Das Schicksal war schon lange vor den Ereignissen festgelegt.?

Ein `auch des Schicksals - als Tia Dalma diese Worte sprach, hätte ich nie gedacht, dass es ein solches Ende mit Will nehmen würde. *schluchz*

Aber es ist gut, dass Will nicht seinem Vater oder Jack die Schuld für seine Bürde geben will. Immerhin wäre es eine nachvollziehbare Reaktion gewesen.

Zitat:
Sie sah ihn wild an, ihre Augen schienen noch größer zu werden. ?Sie haben mich über die Planke geschickt?, sagte sie tonlos. ?Dann war überall Wasser. Ich habe gekämpft, doch sie haben nur gelacht. Das Schiff verschwand am Horizont. Schließlich kam die Dunkelheit. Und dann war ich auf einmal hier. Wo sind wir hier??

Was sind das nur für Bestien, die eine junge Frau einfach umbringen wollen? Und welche Rolle wird diese Unbekannte noch spielen? *gespannt weiter les*


Zitat:
?Doch bin ich nur der Bote. Niemand, der menschlichen Ursprung ist, darf über Leben und Tod entscheiden.?

Was für eine unmenschliche Aufgabe. Es muss grauenhaft sein, denen, die nicht verstehen wollen, ihren Tod plausibel zu machen. Und das, ohne helfen zu können, wenn sie noch Aufgaben hätten, die sie erfüllen müssten.

Zitat:
?Er kann nicht gehen, doch auf der Welt zurückbleiben darf er ebenfalls nicht. Deshalb landet er hier, auf meinem Schiff.?

Dann besteht Wills Mannschaft aus den Menschen, die gestorben sind, aber den Weg in die Ewigkeit nicht gehen können. Das ist die beste Erklärung, wie er zu seiner Mannschaft kommt. Im Gegensatz zu den ängstlichen Seelen, die Davy Jones in seine Dienste gepresst hat.

Liebste Lil, ich warte schon gespannt auf die Fortsetzung.

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BeitragVerfasst: 28. Nov 2007 22:36 
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:typo_107:
Das ist soooo traurig... *schnüff*
Wie er so alleine und verloren an Deck steht und an nichts denken kann, als an Lissy.
(ich werde diese Frau eigenhändig über die Planke befördern, und wehe sie landet nicht auch auf der Flying Dutchman... *lach*)

Jedenfalls haben mich deine Worte wieder zutiefst berührt und ich fühle echt mit Will mit. Furchtbares Gefühl...

Ich bin gespannt, was Lucy auf dem Schiff noch erleben wird- sie ist die einzige Frau unter Männern- sie wird sich behaupten müssen...
Und ich hoffe doch für sie, dass sie noch einen Weg finden wird, der sie weiterführt- denn niemand hat es verdient "zwischen den Welten zu bleiben" - Will ja eigentlich auch nicht *wieder losheult*

Wie Minchen finde ich, ist deine Erklärung die beste, die es gibt, um zu erklären, woher Will seine Mannschaft hat.

Die Stimmung "auf der anderen Seite der Welt", beschreibst du unheimlich düster und traurig- so, wie auch Wills Stimmung im Moment ist- unglaublich schön auf der einen Seite, wenn man beim Lesen dieses Gefühl "hautnah" vermittelt bekommt und unheimlich traurig auf der anderen Seite. :typo_045:


Ich hoffe, du schreibst schnell weiter und erfreust und mit weiteren tollen Kapiteln!
Wirklich großes Kompliment für die Art und Weise, wie du die Gefühle der Personen beschreibst! :typo_038:

LG deine Goosy

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BeitragVerfasst: 3. Dez 2007 17:44 
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Huiuiui, hier hab ich ja auch noch gar kein Review geschrieben... :oops: :oops: :oops:

Nun aber hurtig...

Hachjeh, armer Will. Aber mal ehrlich, muss er denn gleich an der Frau und ihrer großen Liebe zweifeln? Vielleicht war sie nicht freiwillig abwesend, vielleicht war das Herz eine Botschaft.... *augen zusammenkneif*

Zitat:
?Weißt du, die Ewigkeit, die ist lang?, sagte Bill plötzlich, als habe er nur so den Mut, es wirklich auszusprechen. Dann schwieg er und Will spürte, dass er seine Worte sorgfältig abwog. ?Und manchmal erscheint sie einem zu lang.?
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Oh Daddy, wasn Käse. Auf so eine Idee kann auch nur jemand kommen, der von Muscheln überwuchert in ein Geisterschiff eingewachsen war. Will sagen: jemand, der sich so weit es nur möglich ist, vom Leben entfernt hat.
Entweder, sie hat sich anderweitig verliebt und dann war Will niemals ihre wahre Liebe (was ich definitiv nicht glaube), oder sie liebt ihn, dann wird so etwas rationales, wie "Einsicht" da nichts ausrichten.

Und dann muss ich mal kurz auf Minchens Review eingehen (hach, irgendwie liebe ich es, wenn Geschichtenthreads in Gespräche ausarten *lach*).

Minchen hat geschrieben:
So traurig es für Will auch ist, ich könnte Elizabeth, wenn das der Fall sein sollte, sogar verstehen. Einmal in zehn Jahren ihren Mann an ihrer Seite zu haben, sich den Rest der Zeit aber allein herum schlagen zu müssen, war wohl gerade in dieser Zeit nicht einfach. Und Elizabeth hat nicht mal mehr eine Familie, die ihr zur Seite steht.

Bei allem Respekt für dein Verständnis für Frauenrollen, aber Lizzie ist ja nun nicht irgendeine Bürgerliche, die es in dieser Zeit besonders schwer hat, oder?
Sie ist die Königin der Piraten und wenn ich mir die anderen Piratinnen da so angucke, dann hatten die nun wirklich nicht den Eindruck des kleinen, hilflosen, auf an der Seite stehende Familie angewiesenen Frauchens gemacht.
Das sind Flintenweiber, die es jederzeit mit jedem Mann aufnehmen können und nach dem Kodex ist Lizzie eine von ihnen.
Auszustehen hat sie da wohl nix. :mrgreen:

So, nun aber zurück zu Lück...

So traurig die ganze Angelegenheit ist, es ist schön, zu sehen, wie Vater und Sohn sich hier nahe kommen. Sie haben so vieles verpasst und es ist wunderbar, wie Bill die Gelegenheit nutzt, nun endlich ein Vater sein zu können.

Und schwupps... damit sie nicht alle im Kummer ertrinken... wird eine unbekannte Frau angespült. :mrgreen:
Sehr schön, endlich kommt da mal etwas "Leben" in die trübsinnige Bude. Naja... "Leben" nicht direkt, aber Bewegung. *lach*

Arme Lucy, sie ist nicht so sehr mit ihrem Tod im Reinen. Da wird sie noch einige Zeit brauche, scheint mir.

Es ist wunderschön, wie du die Gedanken und Gefühle des Captains beschreibst, aber da bist du ja auch die unangefochtene Spezialistin... :knuff:

Und nun freue ich mich auf die Fortsetzung.

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BeitragVerfasst: 19. Dez 2007 22:31 
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Ihr Lieben, ich danke euch unheimlich für eure Reviews und freue mich sehr, dass die Geschichte so einen Anklang bei euch findet! Und die Diskussion finde ich auch prima, aber leider werde ich dazu noch keine Stellung nehmen können, sonst nehme ich euch ja alle Spannung... :mrgreen: Aber es erfreut mich wirklich ungemein.

Habt dank für euer Lob *tief verneige*

Liebste Grüße Lil





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Lucy zog sich in den ersten Wochen in der Jenseitswelt zurück. Captain und Besatzung ließen ihr den Freiraum, um ihre Trauer zu verarbeiten und sich an das Leben auf der Dutchman zu gewöhnen.
Die Seelen, die sie geleiteten, waren zahlreicher als gewöhnlich. Nicht alle waren den Seetod gestorben, viele von ihnen waren in einem Zustand, als habe jemand eine furchtbare Wut an ihnen ausgelebt.
Will konnte trotz seines Kummers nicht umhin, diese Umstände zu bemerken und sein Argwohn wuchs, als er eines Morgens fünfzehn Seelen auf einmal in die andere Welt führte.

Sein Vater hielt ihn zur Mittagszeit an, als sie durch einen Nebel segelten, der so dick war wie Hechtsuppe.
?Das ist nicht normal, Captain?, begann er das Gespräch. Sein Sohn stand an der Reling, die Unterarme fest auf das Holz des Schiffs gestützt.
?Ich weiß.? Sein Blick ging in die Ferne, wie so oft in letzter Zeit und seine Stimme war abwesend.
?Wir sollten es klären. Die vielen Toten. Die Wunden.? Er schwieg. ?Vielleicht hat der Tod des jungen Mädchens etwas damit zu tun.?
Will sah ihm in die Augen. ?Meinst du??
?Möglich.? Bills Stimme war nachdenklich. ?Wer tötet eine so junge Frau und aus welchem Grund??
?Ich kann es mir nicht vorstellen?, entgegnete Will.
?Du könntest sie fragen. Dir würde sie antworten. Sie hat Vertrauen zu dir.?
Will wandte sich ab und lächelte schmerzlich. ?Solange man einem Toten vertrauen kann.? Er machte eine Pause.
?Denkst du, dort oben stimmt etwas nicht?? fragte er und griff mit der Hand nach einem Nebelfetzen.
?Ich glaube, dass dort etwas oder jemand sein Unwesen treibt?, bestätigte Bill.
Der Captain nickte. ?Ich werde mit ihr sprechen. Dann sehen wir weiter.?

~*~*~*


Er fand Lucy im Frachtraum. Sie hielt ein dickes Seil in den Händen und war dabei, es neu zu verflechten, damit es noch stärker werden würde.
Will trat ein und sie unterbrach ihr Tun. ?Captain!? begrüßte sie ihn und ließ das Seil in ihren Schoß sinken.
?Miss Brighton?, sagte er steif und stand unschlüssig im Raum. Schließlich gab er sich einen Ruck und setzte sich zu ihr.
?Ich möchte Euch etwas fragen?, begann er, ohne sie dabei anzusehen.
?Um was geht es?? Ihre Stimme war klar, furchtlos.
?Es ist sehr privat.? Endlich sah er in ihr Gesicht. Ungläubiges Erstaunen lag auf ihren Zügen. ?Captain!?
?Oh?, beeilte sich Will zu sagen. ?Nicht so etwas, beileibe nicht!? Insgeheim schalt er sich für sein mangelndes Einfühlungsvermögen. Aber vermutlich hatte er den Umgang mit jungen Frauen verlernt ? obwohl er anzweifelte, diese Fähigkeit jemals wirklich gehabt zu haben.

?Es geht um... Euren Tod.?
Ihre Augen wurden dunkel, verletzt, und auch wenn er wusste, dass er für ihren Kummer nicht verantwortlich war, fühlte er sich ein wenig schuldig, weil er sie an ihr Leiden erinnerte.
Sie drehte sich etwas und drehte das Seil in ihren Händen. Sie waren schmal, sahen aber nicht so aus, als würden sie vor harter Arbeit zurückschrecken.
?Was für eine Frage habt Ihr?? fragte sie, als sie sich gefasst hatte.
?Wer hat Euch getötet? Wisst Ihr, wer Euch das angetan hat??
Sie runzelte die Stirn. ?Warum wollt Ihr das wissen??
?Es ist wichtig?, antwortete er nur.

?Es war jemand, von dem ich ganz andere Legenden gehört hatte. Aber er scheint sich gewandelt zu haben. Er war es auch nicht persönlich, aber meine Mörder handelten in seinem Auftrag, das haben sie mir gesagt.? Sie vermied den Blick zu ihm.
?Es war Captain Jack Sparrow. Der Pirat.?

Will fühlte sich, als wäre ein Eimer eiskalten Wassers über ihm ausgeschüttet worden. Er zuckte zusammen. ?Seid Ihr sicher?? Seine Augen verengten sich ungläubig.
?Ich bin mir sicher. Es war sein Name, der genannt wurde?, bestätigte sie.
Er stand ruckartig auf und drehte sich um, damit sie nicht in seinem Gesicht lesen konnte. Das konnte nicht sein...

Jack war alles andere als ein Mörder. Zugegeben, seine Motive waren nicht immer leicht durchschaubar, aber er hatte ein gutes Herz. Töten war ihm zuwider. Oder war er so lange hier gewesen, dass sich in der oberen Welt alles verändert hatte?
Ihre Stimme schreckte ihn aus seinen Überlegungen auf. ?Captain? Ist alles in Ordnung??
?Natürlich?, beeilte er sich zu versichern. Er wandte sich um. ?Ich war nur überrascht.?

Langsam zog er sich zur Tür zurück. Er hatte vieles, über das er nachdenken musste. ?Ich danke Euch für Eure Offenheit.?
?Captain!?
Er hielt inne. ?Darf ich Euch auch etwas fragen?? Ihre Stimme zitterte etwas.
?Fragt.? Was war es, das sie wissen wollte? Hoffentlich kein erneuter Versuch, der Jenseitswelt zu entkommen.
?Wie seid Ihr gestorben?? Sie sah ihn ernst, voller Mitgefühl an, konnte nicht ahnen, was ihre Frage bei ihm bewirkt hatte. Plötzlich fühlte er wieder den Regen auf seiner Haut, den stechenden, alles vernichtenden Schmerz in seiner Brust, als Davey Jones ihm das Schwert in den Körper jagte. Elizabeths Flehen, sie nicht zu verlassen...
?Ich wurde erstochen?, flüsterte er leise. ?Hier an Deck. Der vorherige Captain der Dutchman hat es getan.?
Sie machte ein paar Schritte auf ihn zu und hielt sich nur im letzten Moment davon ab, seine Hand zu greifen.
?Doch ein Freund hat mit meiner Hand sein Herz durchbohrt. Die Dutchman darf niemals ohne Captain sein. Der Mörder des Captains ist sein Nachfolger. So wurde ich auf ewig an dieses Schiff gebunden. Es lebt durch mich und ich lebe durch es.?
Er wusste nicht, warum er ihr all das erzählte. Seit Jahren hatte er nicht darüber gesprochen.

?Ihr habt ein hartes Schicksal, Will Turner?, sagte sie weich. Ein Blick in ihre Augen zeigte, wie sehr sie Anteil nahm.
Er entgegnete nichts. Es hätte nichts gegeben, was er hätte sagen können. Ein Hauch von einem traurigen Lächeln umspielte seine Lippen.
?Für Eure Offenheit danke ich Euch. Ein Mann wie Ihr es seid kann sich meiner Loyalität sicher sein.?
Will nickte und sein Lächeln wurde einen Deut tiefer. Dann verließ er den Frachtraum.

~*~*~*

?Was hältst du davon?? Bills helle Augen suchten Wills dunkle. ?Ich bin nicht sicher.?
?Ich auch nicht.? Will atmete tief durch. ?Es sieht Jack nicht ähnlich. Ich denke, dass da was faul ist, aber ich glaube auch nicht, dass Lucy nicht die Wahrheit sagte. Sie ist ein ehrlicher Mensch.?
?Was sollen wir tun, um der Sache auf den Grund zu gehen??
Will antwortete mit einer Gegenfrage. ?Was können wir tun, um der Sache auf den Grund zu gehen??
Sein Vater grinste verwegen. ?Du kannst alles tun. Wir können an die obere Welt gehen. Nach Jack suchen. Nach den Hintergründen suchen.?

Will zögerte. ?Sind das unsere Belange? Jacks Ruf?? Er machte eine Pause und ließ den Blick in die Ferne schweifen. ?Allerdings sind die toten Seelen meine Belange und da sie so zahlreich geworden sind, obwohl es weder Sturm noch Orkan gab... Sie so entsetzlich verstümmelt wurden... Es muss einen Grund dafür geben!?
?Und den werden wir suchen, Captain??
?Den werden wir suchen?, entschied Will, auch wenn seine Seele zu straucheln drohte bei dem Gedanken, in die Welt zurückzukehren, in der Elizabeth lebte. In der sie ihr Herz vielleicht einem anderen geschenkt hatte.

?Aye, Captain!? rief Bill und klopfte seinem Sohn auf die Schulter. ?Auf geht?s, Seemänner! Wir stechen in See! Alle Mann an Deck!?
Die Besatzung trat zusammen vor der Brücke. Alle, auch der letzte Mann an Bord, warteten auf die Befehle des Captain, denn niemandem waren die vielen Toten entgangen.
?Wo segeln wir hin?? fragte John.
?Nach oben?, antwortete Bill und grinste. ?Wir kehren in die Welt zurück.?
?Aye!? brüllte die Crew wie ein Mann und zerstreute sich, um, jeder einzelne von ihnen, seinen Posten anzutreten.

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BeitragVerfasst: 27. Dez 2007 09:55 
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Meine liebste Lil! *umknuddel*

Das ist wieder ein großartiges Kapitel, das du geschrieben hast.
Auf jeden Fall wächst meine Neugierde mit jedem weiteren Chap, was du dir überlegt hast, welche Geschichte hinter den Personen steckt.

Ich finde es bewundernswert, wie Will mit seiner Trauer umzugehen vermag, es muss für ihn schrecklich sein, zu wissen, dass es keinen Ausweg für ihn gibt, dass er Elizabeth "verloren" hat. Trotzdem vergisst er seine Pflicht als Kapitän nicht. Im Gegenteil. Er sorgt sich sogar um die vielen Toten.
Es verdient jedenfalls größte Anerkennung!

Wie Will auch, glaube ich nicht, dass Jack für die vielen Morde verantwortlich sein soll. Was auch immer "da oben" los ist, ich hoffe, wir werden es bald erfahren.

Zitat:
Jack war alles andere als ein Mörder. Zugegeben, seine Motive waren nicht immer leicht durchschaubar, aber er hatte ein gutes Herz. Töten war ihm zuwider. Oder war er so lange hier gewesen, dass sich in der oberen Welt alles verändert hatte?

Ahhhh, wenn sich alles verändert hat, gibt es vielleicht auch einen sehr guten Grund, warum Elizabeth nicht gekommen ist.
Wer weiß, vielleicht wollte sie Will und die Dutchman schützen.

Ich frage mich auch gerade, ob du an das Ende von Film 3 anschließt... Die Suche nach dem Jungbrunnen könnte "da oben" ja einiges in Bewegung gesetzt haben ^^

Jedenfalls bin ich wieder begeistert und hoffe, dass wir bald mehr erfahren werden.

Ahoi!
LG deine Goosy

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