Balsam für die Seele

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 Betreff des Beitrags: Denn Elben schlafen nie... (HDR - Oneshot)
BeitragVerfasst: 7. Okt 2008 11:51 
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Hallo liebe Leser

Dieser kleine Text ist entstanden, als ich mit einem Freund darüber diskutiert habe, ob Elben denn schlafen. Ich glaube ja, dass sie das durchaus tun, in dieser Geschichte hier ausnahmsweise aber mal nicht.

Es geht auch weniger um HDR, es ist eher ein Traum, etwas nachdenkliches. Es trifft mit Sicherheit nicht den Geschmack von jedem, aber seht selbst.

Titel: Denn Elben schlafen nie...
Autor: Goosberry
Altersbeschränkung: keine
Genre: ein Traum
Hauptcharakter: ein Menschenmädchen

Viel Spaß beim Lesen!
Goosy
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Denn Elben schlafen nie?

Sonnenstrahlen kitzelten meine Nase und unwillig drehte ich mich auf die andere Seite, ein paar Minuten wollte ich noch im Reich der Träume verweilen. Wirr genug waren sie diese Nacht gewesen und ich dachte gerne über deren Bedeutung nach.
Meine Hand berührte das Kissen, in das ich mich kuschelte und plötzlich wusste ich, dass etwas anders war.
Viel zu weich war der samtene Bezug des Kissens und zu groß der Platz in dem Bett, in dem ich lag. Erschrocken riss ich die Augen auf, nur um sie gleich wieder zu schließen, denn gleißendes Licht umströmte mich, alles war weiß und hell- anders, als ich es gewohnt war.
Ich war definitiv nicht Zuhause.

Der Tag verging rasch und ich wollte die Zeit so effektiv wie möglich nutzen. Es erschien mir immer noch unglaublich, dass ich hier war, hier auf Mittelerde, in Imladris.
Es gab keine Erklärung dafür, wie ich von meinem Bett hierher gekommen war. Vielleicht träumte ich das alles nur, aber selbst wenn es so war, war es mir gleichgültig. Dann wollte ich es einfach nur genießen.
Elrond hatte mich wie selbstverständlich begrüßt, als sei es normal, dass ein fremder Mensch in seinem Haus erwachte, der selbst nicht wusste, wie er hierher gekjommen war. Das und die Tatsache, dass er mir mit seiner warmen, ruhigen Stimme erklärte, dass ich einen ganzen Tag die Ehre hätte, mich hier in Bruchtal umzusehen und einen Tag bei den Elben miterleben durfte, ließ mich mehr und mehr an einen bloßen Traum glauben. Ein schöner Traum jedoch, ohne Zweifel.
?Was passiert heute Abend mit mir, wenn der Tag vorüber ist??, wollte ich noch wissen und Elrond hatte seine Finger ineinander verschränkt und mich mit nachdenklichen Augen und dem stets in seiner Mimik vorhandenen weisen Gesichtsausdruck angesehen. ?Du wirst müde werden und schlafen gehen, denn die Menschen brauchen den Schlaf so wie die Luft zum Atem. Und wenn du wieder erwachst, wird alles vergessen sein.?
Einen Moment lang hatte mich das traurig gestimmt, denn ich wollte mich immer an dieses Erlebnis erinnern können. Wollte ich Bruchtal überhaupt wieder verlassen? Eher nicht.

Doch statt länger darüber nachzugrübeln, riss ich mich zusammen. Ich wollte den Tag nutzen, alles sehen und erleben und fühlen, was mich in diesem wunderschönen Reich erwartete.
Elrohir und Elladan ließen es sich nicht nehmen, mir die schönsten Plätze von Imladris zu zeigen, angefangen von den märchenhaften Gebäuden bis zu den tosenden Wasserfällen.
Ich muss aber gestehen, dass es für sie bestimmt nicht gerade ein Vergnügen war, denn während sie mit federnden Tritten die unzähligen Treppen erklommen und mit Geschick und Leichtigkeit über Felsbrocken sprangen, war ich schnell außer Atem und meine menschlichen Bewegungen waren alles andere als federnd und erhaben. Und schnell war ich schon gar nicht, was ihnen öfter Wartezeiten bescherte, in denen ich mich abmühte, wieder zu ihnen auf zu schließen.
Doch außer ein paar lieb gemeinten Neckereien, ließen sie sich nichts anmerken.

Feinste Speisen wurden mittags in Elronds Haus aufgetischt und als Elladan und Elrohir nachmittags mit mir einen Ausritt unternahmen, war ich wieder versöhnt, denn zu Pferde war ich ebenso geschickt wie sie.
Doch unausweichlich ging der Tag zur Neige und Elronds Worte kamen mir wieder in den Sinn. Würde ich schlafen gehen, wäre alles vergessen, wäre alles nur ein Traum.
Und kaum dass ich daran dachte, spürte ich, wie mich Müdigkeit überkam.
Nein. Ich wollte nicht fort. Bruchtal war der Ort, zu dem ich mich schon immer hingezogen fühlte.

Unwillkürlich klammerte ich mich an dem weißen Geländer der Terrasse fest, als würde jemand versuchen, mich mit Gewalt fort zu ziehen.
Hilflos schloss ich die Augen. Was konnte ich nur tun?
Es schien nur eine Möglichkeit zu geben, um zu bleiben.
Ich durfte nicht schlafen. Ich durfte niemals mehr schlafen.
Ich musste stark sein, so stark, dass kein Augenblick mich zum Träumen verleiten würde und mich der Schlaf übermannen konnte.
So wie die Elben, die auch niemals schliefen.
Aber war das überhaupt möglich? Ich wollte es versuchen.

Die ersten Tage waren die schlimmsten. Tage, in denen ich damit rechnete jeden Augenblick ohnmächtig zu werden, so heftig war das Verlangen nach Schlaf. Doch Elrond gewährte mir stillschweigend meinen Entschluss und ich wurde bei den Elben aufgenommen, als würde ich schon immer dazugehören.
Tagsüber lernte ich mehr und mehr das Leben der Elben kennen, versuchte mich überall zu beteiligen, um mich von meiner Müdigkeit abzulenken. Vor allem nachts war es schwer dem Drang, die Augen zu schließen, zu widerstehen, doch ich kämpfte verbissen um jede Minute. Am dritten schlaflosen Tag fühlte ich mich zu Tode erschöpft und krank. Und vermutlich war ich auch nicht zurechnungsfähig, meine Hände zitterten, mein Körper schmerzte und mein Gehirn streikte. Mich bewegen, zu reden oder zu essen war nicht mehr möglich, doch Elrond, von dem ich erwartet hatte, dass er mir jede weitere schlaflose Nacht verbieten würde, bedachte mich nur mit seinem nachdenklichen Blick und schwieg.
Meine Gedanken kreisten nur um meinen Wunsch, nicht zu schlafen und so ging es weiter, Tag für Tag und Nacht für Nacht.

Irgendwann wurde es besser. War es der Zauber dieses Landes, der es ermöglichte? Der es ermöglichte, dass ein Mensch nicht schlief, dass man auf einmal keinen Schlaf mehr brauchte?
Denn das zwingende Verlangen nach Schlaf verschwand mehr und mehr, bis es nur noch ein winziges Sehnen meiner Seele war.
Mit diesen Gedanken im Kopf schritt ich einen Flur entlang. Alles war so friedlich hier, liebevoll und bezaubernd die Elben, deren Freund ich geworden war, mit denen ich speiste, mit denen ich durch die bunten Herbstwälder ritt, mit denen ich nachts sang und deren Sprache ich lernte.
Und unbeschreiblich das Gefühl an diesem Ort hier zu sein.

Vor einem Silber umrahmten hohen Spiegel blieb ich stehen.
Wer war die Person, die mich aus dem Glas heraus anblickte? Ich erkannte mich kaum wieder und minutenlang starrte ich auf mein Spiegelbild, nicht begreifend, was passiert war.
Mich starrte ein Mädchen an, das ich zuvor noch nie gesehen hatte.
Ein sanfter Windhauch spielte mit dem leichten Stoff meines Gewandes und mit meinen hellen Haaren, die mir weit über die Schultern reichten.
Mein Gesicht war blass geworden und hell, die Haut fein wie Pergament. Die dunklen Augen waren die meinen, doch den wachen Blick aus ihnen, der nicht auf das Irdische fixiert war, sondern stets in die Ferne gerichtete schien, als würde man mit offenen Augen träumen, kannte ich nicht.
Meine ganze Erscheinung hatte sich geändert. Aufrecht und anmutig stand ich da und wunderschön. Ich bewegte mich ein wenig, ging probeweise vor dem Spiegel auf und ab und erkannte, dass sich selbst meine Bewegungen verändert hatten. Die harten, eckigen Bewegungen des Menschen waren verschwunden. Jetzt lag Anmut in meiner Bewegung, Leichtigkeit, aber gleichzeitig eine Schwermut und Ruhe, die erhaben wirkte.

Ich hatte mich verändert. Ich war eine von ihnen geworden. Eine Elbin. Mit der Hand strich ich mir ein paar Haarsträhnen hinter das Ohr. Erschrocken hielt ich inne, denn auch meine Ohren waren anders, spitz und wohlgeformt. Elbenohren.
Wie nur war das möglich?
Veränderte man sich, wenn man nicht schlief? Wurde man deshalb so blass wie der Mond, den man jede Nacht beobachtete? Weil man weniger aß?
Veränderten sich die Augen, weil man sich ohne Schlaf so viel häufiger auf entferntes konzentrierte, wie die Sterne und den Mond, mit offenen Augen träumte und mehr und mehr irdisches vergaß?
Wurden die Bewegungen leichter, erhabener, weil man sich so fühlte?

Ich wandte mich ab von dem Spiegelbild und beobachtete, wie die Sonne langsam am Horizont versank und den Himmel in rotes Licht tauchte.
Mein Wunsch hatte sich erfüllt. Von nun an war das mein Leben. Ich fragte mich, ob ich glücklich war. Ich sollte es doch sein? Jetzt, nachdem alles gekommen war, wie ich erhofft hatte. Jetzt sollte ich jubeln.
Aber ich konnte es nicht. Freude und Glück, wie ich sie früher empfunden hatte, waren mir fremd.
War das der Preis für so ein Leben?
Und plötzlich sehnte ich mich zurück nach den Tagen, als ich noch ein Mensch gewesen war.

Und ich entschied mich. Die Sonne war versunken, die Nacht brach herein und als ich mich lächelnd auf den Weg in mein Zimmer machte, fühlte ich bereits wieder einen kleinen Funken Freude in mir. Wie warme Glut, die frische Luft bekommt und wieder zu einem Feuer entfacht wird.
Jetzt wollte ich schlafen.

_________________
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Zuletzt geändert von Goosberry am 7. Okt 2008 17:17, insgesamt 4-mal geändert.

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BeitragVerfasst: 7. Okt 2008 12:20 
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Das ist toll, Goosy! :blu:

Besonders das Ende hat mir gefallen, es war sehr überraschend.
Schön, dass die Erzählerin wirklich eineWahl hatte, hätte sie sich nicht zur Elbin gewandelt, dann wäre das ewig ihre unbefriedigte Sehnsucht geblieben und hätte ihr vielleicht den Blick auf die schönen Dinge ihres eigenen Lebens verbaut.
So hat sie es ausprobiert und festgestellt, dass es nicht ihr Leben ist.

Elrond hat das gewußt, nicht wahr? *schmunzel*

/hugs
Lyth

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"I can't go back. But I can appreciate what I have right now. And I can define myself by what I am, instead of what I'm not."
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Man möchte brechen!


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BeitragVerfasst: 7. Okt 2008 13:57 
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Hallo Lyth! *knuddel*

Danke für deinen Kommentar.
Schon erstaunlich, was einem nachts vor dem Einschlafen noch durch den Kopf geht.^^ Ich sollte mir Zettel und Stift auf das Nachtkästchen legen, um alles gleich notieren zu können... :mrgreen:

Jep, Elrond hat es gewusst, das hast du richtig erkannt.

LG Goosy

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BeitragVerfasst: 7. Okt 2008 16:13 
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Huhu meine Elbin, :knuff:

sehr gut hat mir deine kleine Geschichte gefallen.

Sie macht auch nachdenklich, denn ich denke, viele Leute wünschten sich sehnsüchtig, jemand anderer zu sein, ohne zu bedenken, das auch diese ihr Päckchen zu tragen haben.
Aber man kann auch erst dann etwas vermissen, wenn man drauf verzichten muss.
Leider ist das im wahren Leben oft mit unwiederuflichem Verlust verbunden.

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BeitragVerfasst: 7. Okt 2008 20:25 
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Hi Goosy :wav: ,
auch mir hat deine kleine Geschichte sehr gut gefallen.
Wie oft hab ich mir nicht schon selbst gewünscht mal in Bruchtal sein zu dürfen. All die Herrlichkeiten dort mit eigenen Augen sehen zu dürfen. Und nur zu gut konnte ich deinen Wunsch verstehen nach nur einem Tag nicht schon wieder fort zu wollen. Wie grausam mutet auch im ersten Moment der Gedanke an sich noch nicht einmal erinnern zu können, wenn man dann am nächsten Morgen wieder erwacht.
Obwohl es natürlich besser so ist, denn sonst würde man die Sehnsucht auf ewig mit hinüber nehmen. Die Sehnsucht doch zwischen den Welten wandeln zu können.
Aber als du dann bliebst entstand in mir sofort ein mulmiges Gefühl, weil ich schon ahnte worauf es hinaus laufen würde und dass du dich würdest entscheiden müssen.
Und ich frug mich selber, würde ich das wollen, für immer dableiben?
Nein, zu wichtig ist mir doch mein Leben hier und die Menschen die ich liebe und die mich lieben.
Und so kann ich deine Entscheidung zum Schluß gut verstehen und bin froh für dich, dass du wieder zurück kommen konntest!
Hm, wenn du öfters so tolle Gedanken vor oder nach dem Schlafen hast, dann solltest du dir das mit dem Stift und dem Block mal ernsthaft überlegen! Erst recht, wenn du dann uns anschließend auch in den Genuss dieser Gedanken kommen läßt.
Ganz liebe Grüße
Sev


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