Balsam für die Seele

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 Betreff des Beitrags: [HP] Briefe für Severus (10 - beendet)
BeitragVerfasst: 15. Nov 2007 15:57 
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Dies ist eine Geschichte, die ich unter dem Eindruck von Band 5 und Band 6 geschrieben habe, ohne das Wissen aus dem 7. Buch.

Es ist der Versuch, bekannte Szenen aus einem anderen Blickwinkel zu beleuchten und eine Alternative zu den gängien Sichtweisen anzubieten.
Mein Respekt gehört Ms Rowling, die es geschafft hat, durch ihre besondere Art zu schreiben, die unterschiedlichsten Interpretationen plausibel erscheinen zu lassen.

Ich hoffe, auch meine Interpretationsmöglichkeit erscheint ein wenig plausibel.

Viel Spass beim Lesen
Lythanda

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Briefe für Severus




Kapitel 1: Schuld

Wenn wir geboren werden, liegt das Leben wie ein weißes Blatt Papier vor uns und harrt der Entscheidungen, die wir fällen werden und die unseren Weg definieren werden. Manche Entscheidung treffen wir nach reiflicher Überlegung, bei einigen Abzweigungen entscheiden wir spontan. Manche halten uns fast ewig in Überlegungen gefangen und vor manchen fürchten wir uns so sehr, dass wir sie fast nicht treffen können. Aber mit jeder Entscheidung, die wir treffen und den Folgen, die sie für uns und unsere Umgebung hat, lernen wir, dass jede dieser Entscheidungen neben einem Lohn auch immer einen Preis hat.
Und während wir unaufhaltsam den Weg unseres Lebens gehen und an jeder Abzweigung neu abwägen, beginnen wir zu begreifen, dass vielleicht nicht immer ein gutes Preis- / Lohnverhältnis auch eine gute Entscheidung definiert.


Zweige von Büschen streiften sein Gesicht, aber der Mann in schwarzer Kleidung schien das nicht zu merken. Sein Gesichtsausdruck war abwesend und von einem tief sitzenden Schmerz gezeichnet. Als hätte etwas eine Wunde verursacht, die niemals heilen könnte, an deren fortwährenden Schmerz er sich nur langsam gewöhnte.
Zu wenig Zeit war vergangen seit seiner Tat, seit er dieses Gelände das letzte Mal betreten hatte. Er erreichte sein Ziel, die dichten Büsche lichteten sich ein wenig und gaben den Blick frei auf eine Fläche nahe dem See. Er konnte die Teilnehmer der Beerdigung deutlich erkennen und auch, wenn er wusste, es gab niemanden, der weniger willkommen war, als er, nichts auf der Welt hätte ihn abhalten können, hierher zu kommen und dem Direktor die letzte Ehre zu erweisen.
Der lähmende Kummer, der von den Trauergästen ausging war fast körperlich fühlbar und gerade in diesem Moment flammte der Sarg auf und ein merkwürdiger weißer Rauch stieg auf.
Als der Pfeilregen der Zentauren, diese eigenartige Form des Saluts, vor den Teilnehmern der Beerdigung niederprasselte und einige erschrocken aufschrieen, wusste er, dass es höchste Zeit war, zu verschwinden. Er hastete zurück auf dem Weg, auf dem er gekommen war, ungesehen durch das vertraute Unterholz über die Trampelpfade auf einem Gelände, dass den größten Teil seines Lebens das war, was einem Zuhause am nächsten gekommen war.
Er warf keinen Blick zurück, der Verlust schmerzte zu sehr, denn nicht nur die Vaterfigur, der Mentor, auch das Zuhause waren unwiederbringlich aus seinem Leben gerissen worden und er wollte nicht einen einzigen Blick mehr auf diese Vergangenheit werfen, aus der jeder Gedanke ein Dolchstoss in sein Herz war.
Auch wenn viele Menschen, die ihn flüchtig zu kennen geglaubt hatten annahmen, er hätte kein Herz, so war diese Annahme grundlegend falsch. Es war gerade dieses Herz, das er so angestrengt zu verstecken versuchte, zu schützen und zu verbergen, das ihm die meisten Probleme in seinem Leben machte. Ohne Herz wäre er niemals zu verletzen gewesen, ohne Herz hätte er niemals diesen grausamen Schmerz fühlen müssen, der nun, nachdem er getan hatte, was er niemals hatte tun wollen, wie ein glühendes Messer seine Seele zerschnitt.
Vieles wäre so viel leichter gewesen ohne ein Herz, aber auch wenn er sich bemühte, seines keinem zu zeigen, war es doch vorhanden und im Moment war es eine einzige Wunde, deren Schmerz langsam die Grenze des Erträglichen überschritt.
Er eilte weiter, lief schneller und schneller, verließ schließlich das Gelände der Schule und verschwand.

Severus Snape erreichte atemlos sein Haus in Spinners End. Er sah sich suchend um, doch die Strasse lag verlassen da, einzig einige Nebelschwaden zogen träge über den Boden, als wollten sie die völlige Gleichgültigkeit der Natur gegenüber dem Drama zeigen, das gerade erst seine Welt erschüttert hatte.
Ein müder Schwung mit dem Zauberstab, ein gemurmeltes Wort und die Tür öffnete sich lautlos. Er schlüpfte hinein und verschloss sie hinter sich. Nach Atem ringend verharrte er einen Moment im Flur und versuchte seinen rasenden Herzschlag zu beruhigen. Nach einigen Minuten wurde er wieder ruhiger und machte sich zuerst auf die Suche nach seinem ungeliebten Mitbewohner. Erst, als er jede Ecke des Hauses, jeden geheimen Winkel und jedes verborgene Versteck gründlich durchforstet hatte war er sicher, alleine zu sein, Aus welchen Gründen auch immer, Peter Pettigrew hatte sein Haus verlassen und er war darüber nicht traurig.
Er schützte das Haus mir verschiedenen Schutz- und Alarmzaubern, um jedes unerwünschte Eindringen zu verhindern und zog sich dann in sein Wohnzimmer zurück.
Niemand würde ihn hier vermuten, keiner außer wenigen ausgesuchten Todessern kannten diesen Ort und vor ihnen musste er sich nicht verbergen. Es lag nicht in ihrer Art Höflichkeitsbesuche abzustatten und so konnte er sicher sein, hier ungestört zu sein.
Um den Orden des Phoenix machte er sich keine Sorgen. Niemand von ihnen wusste auch nur im Entferntesten von der Existenz dieses Hauses und so sehr sich die meisten von ihnen wohl wünschen würden, ihn in die Finger zu kriegen, sie würden dazu keine Chance erhalten, solange er sich hier aufhielt.
Er blieb vor dem Regal mit den alten Gläsern stehen, die einst seine Mutter aus dem Haus Ihrer Eltern mitgebracht hatte und die ein verschnörkeltes ?P? in das edle Kristall eingraviert hatten. Seine Hand hob sich wie von selbst und strich zart über das zerbrechliche, filigrane Glas.
Wie erstaunlich, dass etwas so feines, so zerbrechliches die Stürme seiner Kindheit überstanden hatte, dass es nicht, wie so vieles andere zu Bruch gegangen war. Wie eigentlich alles, an das er sich erinnerte, wenn er ehrlich war. Die Geschichte seines Lebens vor Hogwarts war ein Trümmerhaufen voller zerborstener Träume, verlorener Wünsche und zertretener Pläne.
So vieles war zerbrochen, aber so vieles war auch einfach unentdeckt, verborgen durch Gleichgültigkeit vor der zerstörerischen Wut des Hasses.
Oder verborgen durch die kategorische Ablehnung einer Person, die er so gerne aus seinem Leben, seiner Geschichte, seiner Familie gestrichen hätte. Die aber doch unentfernbar mit ihm verbunden war, auch wenn er sich noch so sehr dagegen sträubte.

Heute hatte er alles verloren, was jemals in seinem Leben von Bedeutung gewesen war, alles, was er sich aufgebaut und was er verteidigt hatte.
Verloren.
Aufgegeben für ein Versprechen, für das Geschenk unabdingbarer Loyalität.
Vielleicht war es endlich an der Zeit, zu akzeptieren, dass alles im Leben vergänglich ist, dass nichts konserviert werden kann, weder Vertrauen, noch Zuneigung.
Nicht einmal Hass.
Nicht einmal der Hass, den er sein Leben lang mit sich herum getragen hatte war noch von Bedeutung.
Vielleicht war es an der Zeit, loszulassen, was nicht mehr festzuhalten war. Loszulassen, was scheinbar nur noch ein Schatten des einst so überwältigend starken Gefühls war.
Vielleicht war es Zeit, nun, da die Gegenwart verloren war, endlich die Stimmen aus der Vergangenheit anzuhören.

Er seufzte und ging langsamen Schrittes die Treppe hoch in den ersten Stock. Ohne nachzudenken wich er der knarrenden Stelle auf der achten Stufe aus, so wie er es immer getan hatte, wenn er ungehört durch das Haus geschlichen war.
Er erreichte den ersten Stock, der Korridor lag dunkel vor ihm und er starrte einen Moment unbeweglich auf die letzte Tür auf der linken Seite, jener Tür, die seit Jahrzehnten nicht geöffnet worden war, die er seit ewigen Zeiten zu ignorieren versuchte.
Noch einmal atmete er tief ein, festigte seinen Entschluss, nun, da er keine Zukunft mehr hatte, sich der Vergangenheit zu stellen und ging auf die Tür zu.
Er betrat einen kleinen, muffigen Raum, der von Bücherregalen und einem Teakholzschreibtisch beherrscht wurde.
Eine Bewegung des Zauberstabes ließ die Fensterläden aufspringen und mattes Licht durchflutete den Raum, aber er brauchte es nicht, um zu finden, weswegen er gekommen war.
Obwohl er so lange die Existenz dieses Raumes und seines Geheimnisses vor sich selber geleugnet hatte, fanden seine Finger sofort die kleine Mulde in einer der Seitenwände der riesigen Bücherwand. Er presste den Finger in die Mulde und ein leises ?klack? ertönte.
Snape verzog angewidert das Gesicht. Seine Lippen kräuselten sich verächtlich, als er dachte, wie typisch dieses Muggelversteck war, völlig ohne jede Magie, die es schützte und vielleicht gerade deshalb sicher vor allen Zauberern, die niemals mit so etwas gerechnet hätten.
Er schob ein paar Bücher zu Seite und griff in das Fach in der Rückwand, das sich mit dem Klicken geöffnet hatte.
Heraus zog er einen Packen Briefe. Sie waren allesamt ungeöffnet und auf jedem stand in sorgfältigen Buchstaben geschrieben sein Name in einer Schrift, die er unter Tausenden erkannt hätte.

Der Preis für manche Entscheidung ist so hoch, dass es fast unvorstellbar ist, dass diese Entscheidung gut und richtig gewesen sein soll. Und doch sind es vielleicht auch gerade diese Dinge, die richtiger sind als jene, die einfach und billig gewesen wären.

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Zuletzt geändert von Lythanda am 21. Aug 2010 09:23, insgesamt 10-mal geändert.

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BeitragVerfasst: 16. Nov 2007 09:00 
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Oooh, meine liebste Lyth. *anspring und umknuddel*

Du postest die Briefe ... und das Stück für Stück. *jubelfreu*
Dann bekomme ich ja doch noch mal die Gelegenheit, sie einzeln zu reviewen. *mich sofort an die Arbeit mach*

Den Gedanke, dass Severus bei ADs Beerdigung dabei sein wollte, wenn auch logischerweise aus dem Verborgenen heraus, hast du hier sehr schön eingebracht. Sie bringt mir noch einmal den wahren Severus nahe, nicht das Monster, das er in den Augen der Anderen ist.

Zitat:
Wie erstaunlich, dass etwas so feines, so zerbrechliches die Stürme seiner Kindheit überstanden hatte, dass es nicht, wie so vieles andere zu Bruch gegangen war. Wie eigentlich alles, an das er sich erinnerte, wenn er ehrlich war. Die Geschichte seines Lebens vor Hogwarts war ein Trümmerhaufen voller zerborstener Träume, verlorener Wünsche und zertretener Pläne.

Du schaffst es großartig, die Vergangenheit in wenigen Worten so zu schildern, dass ich mir ein Bild darüber machen kann, zumindest was die Umrisse betrifft.
Vieleicht ist es mir aber auch deshalb möglich, weil mich diese Worte auch an meine eigene Kindheit und Jugend erinnern.

Zitat:
Oder verborgen durch die kategorische Ablehnung einer Person, die er so gerne aus seinem Leben, seiner Geschichte, seiner Familie gestrichen hätte. Die aber doch unentfernbar mit ihm verbunden war, auch wenn er sich noch so sehr dagegen sträubte.

Es ist mir grade erst bewusst geworden, dass du mit diesen Worten Tobias meinen musst, Sevs Vater.
Mehrmaliges Lesen bringt doch imer wieder etwas Neues zu Tage. ;)

Zitat:
Noch einmal atmete er tief ein, festigte seinen Entschluss, nun, da er keine Zukunft mehr hatte, sich der Vergangenheit zu stellen und ging auf die Tür zu.

Irgendwie erinnert mich das an Harry im 7. Band, als dieser sich in Sevs Gedanken stürzt um der Gegenwart zu entfliehen und dem damit verbundenen Schmerz um die Toten.
Eine Flucht in die Vergangenheit, weil sonst der Gedanke zu velockend werden könnte, dem Leben und Leid im Hier und jetzt entgültig Ade sagen zu wollen. Denn dein Sev wäre eher selbst gestorben als AD zu töten, da bin ich mir sicher. Nur wäre das kein Ausweg gewesen.

Die Einführung und der Schluß geben dem Kapitel einen Rahmen, der seht treffend zu der Überschrift des Kapitels passt.
Ich bewundere dich immer wieder um deine Fantasie, die dich auf diese Ideen bringt. Es passt einfach haargenau.

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Zuletzt geändert von Hermine am 19. Nov 2007 09:25, insgesamt 1-mal geändert.

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BeitragVerfasst: 16. Nov 2007 16:32 
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Vielen Dank für dein Review, Minchen. :knuddel: :knuff:

Ich hatte ja schon ein ganz schlechtes Gewissen, dass du keine Gelegenheit zum kapitelweisen Reviewen bekommen hattest. Ich weiß doch, wie sehr du das magst.

Zitat:
Den Gedanke, dass Severus bei ADs Beerdigung dabei sein wollte, wenn auch logischerweise aus dem Verborgenen heraus, hast du hier sehr schön eingebracht.

Ich konnte mir zu der Zeit noch nicht vorstellen, dass Severus das nicht wollen könnte. Mittlerweile bin ich mir nicht mehr sicher *seufz*

Zitat:
Vieleicht ist es mir aber auch deshalb möglich, weil mich diese Worte auch an meine eigene Kindheit und Jugend erinnern.

Es ist schon erstaunlich, auf wie viele Menschen diese Worte zutreffen. Und wie unterschiedlich letztendlich ihre Lebenswege verlaufen sind. Jeder macht etwas anderes aus dem, was ihm auf dem Weg gegeben wird...

Zitat:
Es ist mir grade erst bewusst geworden, dass du mit diesen Worten Tobias meinen musst, Sevs Vater.

Ähh... ja... an wen hattest du denn vorher gedacht? *grübel*

Zitat:
Irgendwie erinnert mich das an Harry im 7. Band, als dieser sich in Sevs Gedanken stürzt um der Gegenwart zu entfliehen und dem damit verbundenen Schmerz um die Toten.

Ja, jetzt, wo du das erwähnst, fällt es mir auch auf.
Vielleicht ist es ab einem bestimmten Punkt einfach wichtig, offene Fragen aus der Vergangenheit zu beantworten, damit man die richtigen Entscheidungen fällen kann.

Zitat:
Eine Flucht in die Vergangenheit, weil sonst der Gedanke zu velockend werden könnte, dem Leben und Leid im Hier und jetzt entgültig Ade sagen zu wollen.

Oder weil die Vergangenheit der einige Ort scheint, der noch Anrworten vergorgen hält, die man braucht, um die Gegenwart zu verstehen.
Ich glaube nicht, dass einer der Beiden der Verlockung, dem Leben ein Ende zu setzen, nachgegeben hätte, sondern vielmehr, dass die Gefahr, durch Unwissenheit in der Handlungsfähigkeit gelähmt zu werden, das wirklich zu fürchtende war.
Die Angst, durch fehlende Informationen die falsche Entscheidung zu treffen und dass diese Erinnerungen wichtige Informationen enthielten, das musste Harry in dem Moment klar gewesen sein, als Snape sie ihm gegeben hat. Die Abneigung der beiden war zu groß, als dass er so etwas ohne wirklich triftigen Grund getan hätte, das war sogar Harry klar.

Zitat:
Die Einführung und der Schluß geben dem Kapitel einen Rahmen, der seht treffend zu der Überschrift des Kapitels passt.

Schön, dass dir ein Ein- und Ausleitung der Kapitel gefallen. Sie sind einer der wichtigsten Aspekte dieser Geschichte...

/hugs
Lyth

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BeitragVerfasst: 17. Nov 2007 22:14 
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Kapitel 2: Verantwortung


Verantwortung. Manche tragen sie schon ein Leben lang. Einige glauben, sie wären nicht bereit dafür und scheuen sich. Viele denken, es ist besser, sie anderen zu überlassen und verkriechen sich. Und ein paar wenige verstehen, dass man sie nicht aufgedrängt bekommt, sondern sich erhebt und sie übernimmt. Mit aller Konsequenz und mit allen Mühen, die sie mit sich bringt.

Minerva McGonagall ging in ihrem Büro auf und ab. Es bereitete ihr Unbehagen, das Büro des Schulleiters von Hogwarts als ?ihr Büro? zu sehen, aber sie war Realistin genug, um sich in die Gegebenheiten einzufügen.
Trotz Allem war es eine Situation die sie nie gewollt hatte und von der sie im Stillen gehofft hatte, sie würde niemals eintreten.
Sie schrak zusammen, als sie ein leises Hüsteln von einer der Wände hörte.
?Bitte, Albus, tun Sie das nicht, ich erschrecke mich jedes Mal zu Tode, wenn Sie so unvermutet auftauchen.?
?Du meine Güte, Minerva. Fünf Tode in drei Tagen??, der ehemalige Schulleiter sah amüsiert aus, als er in seinem Ohrensessel Platz nahm. ?Verzeihen Sie mir, ich hatte einiges zu erledigen und war viel zwischen meinen Portraits unterwegs?, fügte er etwas ernster hinzu.
?Wenigstens habe ich hier ein gemütliches Bild.? Er sah auf seinen früheren Schreibtisch herunter und sein Blick wurde verträumt.
?Könnten Sie bitte so gut sein, die Schale mit den Zitronenbrausebonbons wegzuräumen, Minerva? Jedes Mal, wenn ich sie sehe, muss ich daran denken, dass ich sie jetzt schon vermisse.? Er seufzte theatralisch.
McGonagall schmunzelte trotz Allem, denn es war so typisch für ihn und ein wenig Heiterkeit würde niemandem schaden.
Sie nahm die Schale, stellte sie in einen der Schränke und wandte sich den Kisten zu, die die Sachen aus ihrem früheren Büro enthielten. Gezielt griff sie in eine hinein und zog eine Dose mit schottischem Karomuster heraus.
?Ingwerkekse??, Dumbledore lächelte in seinem Bild, als seine Nachfolgerin nickte und sich einen Keks nahm.
Sein Lächeln wurde breiter: ?Es ist gut zu sehen, dass es selbst in unserer so turbulenten Welt voller schrecklicher Veränderungen noch Konstanten gibt. Das ist beruhigend und tröstlich.?
Dann wurde sein Gesicht ernster.
?Minerva, wenn meine Vorbereitungen alle geklappt haben, dann werden Sie in den nächsten Minuten ein Päckchen erhalten. Es enthält eine Erinnerung von mir, in der ich den ganzen Plan mit Severus bespreche und ihm das Versprechen abnehme, zu tun, was ich von ihm verlange.?
McGonagall sog scharf die Luft ein.
?Sie haben ihn mit einem Unbrechbaren Schwur gebunden??
?Nein, natürlich nicht, das wäre grausam gewesen. Obwohl??, er unterbrach sich und sein Gesicht wurde traurig. ?Vielleicht war es noch grausamer, dass ich ihn nur durch ein Versprechen basierend auf meinem Vertrauen in seine rückhaltlose Loyalität gebunden habe.?
Minerva schwieg und ihre Miene war eine undurchdringliche Maske.
Nach einem Moment der Stille fuhr Dumbledore fort: ?Wie dem auch sei. Ich möchte, dass sie die Erinnerung in meinem Denkarium ansehen. Es ist eminent wichtig, dass Sie über jedes Detail des Planes informiert sind.
Was aber noch wichtiger ist, Sie müssen zutiefst von Severus Unschuld und von seiner Loyalität überzeugt sein.?
?Ihr Wort dafür genügt mir, Albus.? Ihr Gesichtsausdruck war noch immer sehr angespannt.
?Nein, Minerva. Mein Wort reicht in diesem Falle nicht. Die Vorwürfe gegen Severus sind so schrecklich, die Vorbehalte gegen ihn werden so unüberwindbar sein, dass es eines eindeutigen Beweises bedarf, ihn zu entlasten. Und nur ein Augenzeuge kann ein eindeutiger Beweis sein. Ich bitte Sie, seien Sie mein Augenzeuge.
Sie haben eine schwere Aufgabe vor sich, ich bitte Sie, den Orden von der Wahrheit zu überzeugen. Aber noch schwieriger wird es sein, an Severus heran zu kommen. Achten Sie auf ihn, er muss in einem schrecklichen Zustand sein. Sie müssen dafür sorgen, dass er nicht aufgibt, dass er nicht zerbricht.
Finden Sie ihn, überzeugen Sie ihn davon, dass auch Sie ihm vertrauen und bringen Sie ihn zurück zum Orden. Ich weiß, er ist stark, aber bin mir nicht sicher, ob er das aushalten kann, was er getan hat? was er tun musste. Vielleicht habe ich ihn überschätzt.
Aber wie auch immer, wir brauchen ihn und auf eine Art und Weise braucht auch er uns.?
Dumbledore verstummte und sah von seinem Portrait auf McGonagall herunter.
Sie sah ihn zweifelnd an.
?Ich bin mir nicht sicher, ob ich das kann. Ich bin mir nicht einmal sicher, ob ich das will, Albus.? Ihre Stimme klang rau, als hätte sie etwas im Hals, was sie nicht schlucken konnte.
?Ich bin mir sicher, Sie schaffen das, meine Liebe. Ich habe volle Vertrauen in ihre Fähigkeiten und in ihren Gerechtigkeitssinn.?
Sie setzte sich in ihren Schreibtischsessel und schwieg wieder. Ihr Gesicht war nachdenklich und man konnte den inneren Kampf sehen, den sie mich sich auszufechten hatte.
Sanft erklang nach einer langen Pause wieder Dumbledores Stimme: ?Ich über lasse diese Entscheidung ganz Ihnen, Minerva. Welchen Weg Sie auch wählen, ich werde Ihre Entscheidung respektieren und nie wieder darauf zu sprechen kommen. Ich kann nur aus tiefstem Herzen hoffen, dass der schwere Weg ihnen nicht zu schwer erscheint und Sie die Aufgabe übernehmen.?
Er seufzte und verstummte dann.
Die Schulleiterin rührte sich nicht, sie starrte auf ihre Teetasse und nun war auch nichts mehr aus ihrem Gesicht abzulesen. Sie hatte die Entscheidungsfindung tief in ihr Inneres verlegt und niemand würde je erfahren, welche Kämpfe ihrer Entscheidung zugrunde lagen, wenn sie sich entschieden hätte.
Ein leises Pochen an einem der Fenster ließ sie aufschrecken. Ein brauner Waldkauz saß auf dem Fensterbrett und starrte zu ihr herein.
Sie erhob sich, öffnete das Fenster und löste das kleine, unscheinbare Päckchen von seinem Bein. Er flog davon, noch ehe sie ihm einen Keks oder etwas anderes hätte geben können und so schloss sie mit gerunzelter Stirn das Fenster wieder.
Mit langsamen Bewegungen wickelte sie das Päckchen aus und hielt eine kleine Phiole in den Händen. Eine silbrige Flüssigkeit war darin zu erkennen und sie musste nicht nachfragen, was das war.
Minutenlang stand sie bewegungslos da, noch immer war nicht ersichtlich, welche Entscheidung sie fällen würde, dann blickte sie kurz zu dem Portrait Dumbledores und drehte sich um. Sie ging zu dem Schrank, in dem er sein Denkarium verwahrt hatte, öffnete ihn und hob es heraus.
Sie stellte es auf den Schreibtisch, musterte das winzige Fläschchen in ihrer Hand noch einmal sehr genau, dann öffnete sie es und schüttete seinen Inhalt in die steinerne Schale.
Ihr Weg hatte begonnen.

Und am Ende erkennt derjenige, dass er gar nicht hätte aufstehen brauchen, denn er trug sie schon immer, wenn auch im Schatten, so doch nicht minder konsequent.

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BeitragVerfasst: 19. Nov 2007 09:24 
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Meine liebste Lyth, :knuddeln:

es ist Montag morgen, mein Gatte ist zur Arbeit und ich hab Zeit zum Reviewen. *strahl*

Erst mal zu deinem Re - Review.

Zitat:
Zitat:
Den Gedanke, dass Severus bei ADs Beerdigung dabei sein wollte, wenn auch logischerweise aus dem Verborgenen heraus, hast du hier sehr schön eingebracht.


Ich konnte mir zu der Zeit noch nicht vorstellen, dass Severus das nicht wollen könnte. Mittlerweile bin ich mir nicht mehr sicher *seufz*

Stellenweise ist es erschreckend, wie das letzte Buch unsere Sichtweise geändert hat, nicht wahr?

Zitat:
Zitat:
Es ist mir grade erst bewusst geworden, dass du mit diesen Worten Tobias meinen musst, Sevs Vater.


Ähh... ja... an wen hattest du denn vorher gedacht? *grübel*

Wenn ich das jetzt noch wüsste ...

Jetzt aber zu Kapitel 2

Zitat:
?Bitte, Albus, tun Sie das nicht, ich erschrecke mich jedes Mal zu Tode, wenn Sie so unvermutet auftauchen.?
?Du meine Güte, Minerva. Fünf Tode in drei Tagen??, der ehemalige Schulleiter sah amüsiert aus, als er in seinem Ohrensessel Platz nahm.

Das ist schon eher der Schulleiter der ersten 6 Bücher. *seufz*
Und diesen Dumbledore hast du hervorragend getroffen.

Zitat:
Aber noch schwieriger wird es sein, an Severus heran zu kommen. Achten Sie auf ihn, er muss in einem schrecklichen Zustand sein. Sie müssen dafür sorgen, dass er nicht aufgibt, dass er nicht zerbricht.

Wenn ich das hier lese und mit dem, was sich im letzten Band herausgestellt hat, vergleiche, kommt mit AD dort noch viel grausamer vor als beim direkten lesen.
Denn da war keine Sorge darüber, ob Severus all das schafft, was ihm AD aufbürdet. Nur der Befehl, es zu tun.

Zitat:
?Ich über lasse diese Entscheidung ganz Ihnen, Minerva. Welchen Weg Sie auch wählen, ich werde Ihre Entscheidung respektieren und nie wieder darauf zu sprechen kommen. Ich kann nur aus tiefstem Herzen hoffen, dass der schwere Weg ihnen nicht zu schwer erscheint und Sie die Aufgabe übernehmen.?

Dumbledore schätzt Minerva sehr gut ein, er weiß genau, dass sie keine Frau ist, die vor Verantwortung zurück scheut, sondern alles nur erdenkliche tun wird, um dieser verantwortung gerecht zu werden. Auch wenn es manchmal gegen ihre persönlichen Wünsche ist.

Zitat:
Und am Ende erkennt derjenige, dass er gar nicht hätte aufstehen brauchen, denn er trug sie schon immer, wenn auch im Schatten, so doch nicht minder konsequent.

Ich liebe deine Einführungen und Schlußsätze. In diesem Fall treffen sie genau auf Minervas Verhalten zu, aber das war wohl von dir auch so geplant. ;)

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BeitragVerfasst: 22. Nov 2007 16:55 
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Vielen Dank für dein Review, ich Dösel hätte ja schon längst antworten sollen... *seufz*

Oh ja, das siebte Buch hat meine Sichtweise schon heftig geändert, da hast du Recht. Und es ist interessant, zu sehen, wie man vorher gedacht hat...

Zitat:
Das ist schon eher der Schulleiter der ersten 6 Bücher. *seufz*
Und diesen Dumbledore hast du hervorragend getroffen.

Vielen Dank *verneig*
Obwohl ich Dumbledore eigentlich seit Ende des 4. Bandes wirklich nicht mehr mochte (vorher war er mir nur milde unsympatisch und hat mir bei einigen seiner Handlungen ein irritiertes bis knurriges Stirnrunzeln entlockt), habe ich in all meinen GEschichten immer versucht, ihn so zu schreiben, wie er meiner Ansicht nach von Ms Rowling gedacht war.
Ich konnte nie erklären, was meine Abneigung ausgelöst hat, ausser kleine Indizien, wie sein konsequentes Verschweigen wichtiger Fakten und natürlich am Ende von Band 4 das in meinen Augen eiskalte Wiedereinsetzen Snapes als Spion.
Anyway, ich schweife ab...

Zitat:
Zitat:
Aber noch schwieriger wird es sein, an Severus heran zu kommen. Achten Sie auf ihn, er muss in einem schrecklichen Zustand sein. Sie müssen dafür sorgen, dass er nicht aufgibt, dass er nicht zerbricht.

Wenn ich das hier lese und mit dem, was sich im letzten Band herausgestellt hat, vergleiche, kommt mit AD dort noch viel grausamer vor als beim direkten lesen.

Ja, nicht wahr? Das ist mir auch aufgefallen. Der Buch-Dumbledore hat sich niemals darum geschert, ob jemand zerbricht, am allerwenigsten Snape.
Was für eine grauenhafte Vorstellung...

Zitat:
Ich liebe deine Einführungen und Schlußsätze. In diesem Fall treffen sie genau auf Minervas Verhalten zu, aber das war wohl von dir auch so geplant.

Oh, vielen vielen Dank!

Die Ein- und Ausleitungen waren mit das Wichtigste für mich an dieser Geschichte. Und natürlich ist jede von ihnen direkt auf den Inhalt des Kapitels abgestimmt, auch wenn das vielleicht nicht immer auf den allerersten Blick erkennbar ist. Manchmal versteht man den Bezug zur Einleitung erst, wenn man das Kapitel gelesen hat, manchmal vielleicht erst später oder gar nicht.
Jeder Leser soll sich seine eigenen Gedanken zu den Ein- und Ausleitungen machen und seinen eigenen Bezug zu dem Kapitel herstellen.
Von meiner Seite aus ist jedenfalls immer einer vorhanden und er spiegelt meine GEdanken zu dem Thema jedes Kapitels wieder.

/hugs
Lyth

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Kapitel 3: Vertrauen


In einer Welt, die von Misstrauen, Furcht und Paranoia geprägt ist, sind es letztendlich nur Freunde, die uns vor dem Zusammenbruch unserer Seele, vor dem Verlust unserer Integrität bewahren und uns den Halt geben, auf unserem Weg zu bleiben. Dem Weg, den wir einmal für gut befunden haben und dem wir uns geschworen haben zu folgen.
Aber was, wenn wir plötzlich merken, dass wir niemanden mehr haben, dem wir unser Vertrauen schenken können, niemanden, der uns als Freund betrachtet.
Wohin können wir dann noch gehen, ohne zu fallen, ohne die dünne Schutzschicht zu verlieren, die uns vom Schmerz trennt.


Minutenlang stand Snape bewegungslos da, starrte auf die Briefe in seiner Hand, auf seinen Namen und rang mit sich, sein Vorhaben zu Ende zu bringen.
Schließlich gab er sich einen Ruck, schloss das Geheimversteck und verließ den Raum.
Er ging zurück in den Wohnraum und setzte sich in seinen Lehnstuhl aus altem, schon leicht brüchigem Leder. Die Hand mit den Briefen lag in seinem Schoß, als gehöre sie nicht zu ihm, sein Blick war in die Ferne gerichtet.
Es hatte eine Zeit gegeben, da hatte er dieses Geheimversteck, nachdem er es durch einen dummen Zufall entdeckt hatte, wohl hundert Mal geöffnet und die Briefe in die Hand genommen. Aber immer hatte er sie voller Verachtung, voller Hass, aber eigentlich, wenn er endlich ehrlich zu sich selber war, voller Furcht vor dem was sie enthalten könnten zurückgelegt.
Schließlich, nach einer schier endlosen Zeit nickte er, als habe er einen Entschluss gefasst und sah auf die Briefe in seiner Hand.
Er legte den Stapel sorgfältig auf ein Lesetischchen neben seinem Sessel, strich mit der Hand über den obersten und nahm ihn dann vorsichtig herunter.
Wieder sah er einen langen Augenblick auf die klaren Linien, die seinen Namen darstellten, dann zog er seinen Zauberstab und richtete ihn auf den Brief. Er hielt inne, ein Lächeln stahl sich auf seine finsteren Züge und er steckte den Zauberstab wieder weg. Aus einer Schublade zog er einen altmodischen Brieföffner, der ihm aus irgendeinem Grunde passender erschien. Diese Briefe waren ohne Magie geschrieben worden, sie wurden ohne Magie verwahrt und versteckt und nun sollten sie auch ohne Magie geöffnet werden.
Welche Ironie.
Er setzte sich wieder, dann starrte er wieder auf die Handschrift. Er kannte sie zu gut, er hasste sie, seit er denken konnte, sie stand für alles, was er verabscheute, aber dennoch übte sie auch nach all den Jahren eine eigenartige Faszination auf ihn aus.
Er schlitzte das Kuvert sauber auf, zog die Blätter daraus hervor und legte Brieföffner und Umschlag auf den Tisch neben sich.
Noch einmal atmete er tief ein, als müsse er sich überwinden, die Buchstaben auf den Blättern zu entziffern, dann begann er zu lesen.


Mein lieber Sohn,

einer alten Muggeltradition folgend beginne ich, Dir Briefe zu schreiben, die Du lesen sollst, wenn Du älter bist. Sie sollen Dir beschreiben, wie sich die Welt und Deine Familie entwickelt haben, während Du noch zu klein warst, um das bewusst zu verstehen. Sie sollen Dir schildern, was ich empfinde in einem Leben, das nun völlig verändert ist, in dem Du nun eine Hauptrolle für mich spielst.
Du bist nun seit zwei Tagen auf der Welt und schon beginne ich, die Welt anders zu sehen. Ich frage mich, was werden wird, wohin Dein Weg Dich führen wird, was ich tun kann, um Dein Leben zu etwas zu machen, das für uns Beide etwas sein kann, worauf wir stolz sein werden.
Ich weiß nicht, wohin uns das Leben bringen wird, ich weiß nicht, ob es Glück oder Trauer für uns bereithält, ob es Schmerz oder Liebe bringt, aber was auch immer werden wird, ich möchte, dass Du verstehst, wer ich war, als Du jung warst und wer ich wurde, während Du heranwuchsest.
Ich kann nur hoffen, dass ich eine Person für Dich sein werde, der Du vertraust, die Du als Deinen Freund siehst.
Ich bin so voller Wünsche und Hoffnungen für die Zukunft, dass ich es kaum zu Papier bringen kann.
Was immer die Zukunft auch bringen wird, ich möchte, dass Du eines weißt und niemals vergisst, mein Sohn:
Ich war noch niemals in meinem Leben so glücklich, habe noch niemals im Leben zwei Menschen so sehr geliebt wie Deine Mutter und Dich, als ich Dich das erste Mal in ihren Armen sah.
Mir fehlen die Worte, dieses vollkommene Glück zu beschreiben und ich kann nur hoffen, dass ich dieses Gefühl mit in die Zukunft nehmen kann, um Euch beide damit für alle Zeiten zu umschließen.

In Liebe
Dein Vater


Severus starrte das Papier voller Unglauben, voller Entsetzen an. Er hatte so Vieles befürchtet, erwartet oder gedacht, aber nicht so etwas.
Er las den Brief wieder und wieder, aber die Worte schafften es nicht, ihren Weg von seinem Geist in sein Herz zu finden, das sich mehr und mehr wie ein eisiger, schmerzhafter Klumpen anfühlte.
Zu tief war der Graben zwischen dem, was er dort las und dem, was er erinnerte und es war ihm unmöglich, eine Verbindung dazwischen zu finden.
Erschütterung, tiefe Verunsicherung und Wut mischten sich in seinen Gesichtszügen, doch er merkte nicht einmal, dass er nun endgültig die Kontrolle über seine Gefühle verloren hatte.

Viele Stunden saß er nur da, das Papier des Briefes in seiner verkrampften Hand war zerknittert, aber er schien in einer eigenen Welt voller widersprüchlicher Emotionen gefangen.
Endlich regte er sich, legte den Brief zur Seite und fuhr sich mit einer zitternden Hand durch das Haar. Nur zögerlich wurde ihm klar, dass es nur eine einzige Chance gab, herauszufinden, was geschehen war, um den Mann, der diesen Brief geschrieben hatte in den Vater, an den er sich erinnerte zu verwandeln.
Diese Briefe waren die einzige Verbindung zur Vergangenheit und so tief der Schock auch saß, so erschüttert auch alles war, was er bisher geglaubt und als wahr angenommen hatte, seine Neugier war geweckt.
Vorsichtig griff er nach dem nächsten Brief auf dem Stapel.

Wie gut, dass wir manchmal gezwungen sind, den Blick in die Vergangenheit zu werfen, denn dort können wir Menschen finden, die wir ohne die Suche nach einem Freund niemals gefunden hätten. Und manchmal finden wir unter diesen Menschen jemanden, den wir dort nie vermutet hätten.

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"I can't go back. But I can appreciate what I have right now. And I can define myself by what I am, instead of what I'm not."
"And what are you?"
"Alive. Everything else is negotiable."

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Zuletzt geändert von Lythanda am 23. Nov 2007 16:51, insgesamt 1-mal geändert.

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BeitragVerfasst: 23. Nov 2007 08:35 
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Oh wie schön, es geht weiter. :knuddeln:

Zitat:
Vielen Dank für dein Review, ich Dösel hätte ja schon längst antworten sollen... *seufz*

Lass dir ruhig Zeit, Süße, hier hetzt dich keiner. *Peitsche schwing* :box: *ggg*

Zitat:
Der Buch-Dumbledore hat sich niemals darum geschert, ob jemand zerbricht, am allerwenigsten Snape.

Was mich bei all den Diskussionen am meisten ankotzt, ist die Unlogik derjenigen, die behaupten, AD wäre doch nur am Anfang, als er zu Dumbledore kam, von diesem kalt und herzlos behandelt worden.
Dabei kommt in den Erinnerungen ganz klar raus, dass dieser auch noch kalt und herzlos war, als er seinen Tod von Sev forderte.

Und jetzt mal ganz ehrlich, wie weit wäre AD denn gekommen, hätte er Sev abgewiesen? Er wusste ganz genau, wie wichtig Sev als Spion in den ersten Reihen LVs war. Und das hat er gnadenlos ausgenutzt.

Jetzt aber zum neuen Kapitel:

Zitat:
Aber was, wenn wir plötzlich merken, dass wir niemanden mehr haben, dem wir unser Vertrauen schenken können, niemanden, der uns als Freund betrachtet.
Wohin können wir dann noch gehen, ohne zu fallen, ohne die dünne Schutzschicht zu verlieren, die uns vom Schmerz trennt.

Zu dieser Einleitung muss ich ein paar ganz persönliche Worte sagen.
Diese Frage war der Grund dafür, dass ich - bevor icDer erste Briefh euch kennen lernen und Freunde nennen durfte - nie Freunde hatte.
Denn nur so konnte mir keiner weh tun.

Der erste Brief ... er hat mich aufgerüttelt, tief berührt und ich musste schlucken, als ich ihn gelesen habe.
Severus mag es ähnlich wie mir gegangen sein, weiß der Himmel, was er erwartet hat, aber das hier eindeutig nicht.
Denn es spricht nichts als Liebe aus diesem Brief, Liebe zu seinem Kind und zu seiner Frau. Und das kann sich nicht mit Sevs Erinnerungen decken.
Es ist schon seltsam, dass das menschliche Gehirn viel leichter in der Lage ist, schlimme Erinnerungen zu bewahren als Gute.

Zitat:
Erschütterung, tiefe Verunsicherung und Wut mischten sich in seinen Gesichtszügen, doch er merkte nicht einmal, dass er nun endgültig die Kontrolle über seine Gefühle verloren hatte.

Dabei ist ihm diese Kontrolle so wichtig wie kaum etwas anderes.
Aber das ist wohl für seine Rolle bei LV auch unabdingbar.

Zitat:
Und manchmal finden unter diesen Menschen jemanden, den wir dort nie vermutet hätten.

Irgendwie vermisse ich da ein Wort ... ;)

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BeitragVerfasst: 24. Nov 2007 19:28 
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Mein liebstes Minchen,

ja, es ist schon schwierig mit Leuten, die wohl nur einen Freund, einen Vertrauten, einen Mentor haben. Denn das ist Dumbledore in dieser Geschichte bis zu seinem Tode gewesen.
Wie sehr strauchelt man, wenn diese eine Person fort ist und wieviel schlimmer ist es, wenn man selber gezwungen war, diese Person zu töten.
Denn im Gegensatz zu Dumbledores Charakter und Einstellung, habe ich daran niemals gezweifelt.

Zitat:
Es ist schon seltsam, dass das menschliche Gehirn viel leichter in der Lage ist, schlimme Erinnerungen zu bewahren als Gute.

Vielleicht ist es gar nicht mal dieser unwillkürliche Akt.
Sondern vielmehr die willkürliche Sortierung durch die Psyche, die sich die Sichtweise heraussucht, die leichter erträglich ist und sie mit den passenden Erinnerungen (vielleicht sogar aus dem Kontext gerissen) untermauert.
Weil man manchmal mit eine bestimmten Sichtweise (auch wenn es eine Lüge ist) besser leben kann, als mit der Wahrheit. Oder weil sie vielleicht die einzige erträgliche ist.

/hugs
Lyth

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BeitragVerfasst: 24. Nov 2007 19:31 
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Kapitel 4: Verstehen


Wir alle suchen etwas. Manche suchen nach Antworten. Manche suchen nach der Wahrheit. Manche suchen Glück und Erfüllung. Und manche suchen Vergebung. Wir suchen einerseits Verständnis, andererseits Verstehen. Und so sehr unsere Seele das Verständnis braucht, so sehr schreit unser Verstand nach dem Verstehen, auch wenn wir manchmal sehr, sehr lange brauchen, um dieses Bedürfnis zu begreifen. Bisweilen haben wir Angst vor dem, was wir finden könnten, aber eine unnennbare Kraft zwingt uns immer weiter zu suchen. Aber uns alle verbindet der Drang zu suchen, die Suche selber, die unsere Wege definiert.


Mein lieber Sohn,

nun sind es schon sechs Monate, die Du bei uns bist und ich kann es immer noch nicht fassen, dass dieses wundervolle kleine Wesen mein Sohn ist. Immer, wenn ich vor Deinem Bettchen stehe und Dich ansehe, während Du friedlich schläfst, werde ich erfüllt von Dankbarkeit.
Wie oft habe ich schon in Dein kleines Gesichtchen gesehen und gebetet, dass Du nicht meine Nase geerbt haben mögest.
Sechs Monate sind wir nun eine Familie, aber die Dinge verändern sich, schleichend und langsam, aber ich merke es in den Blicken deiner Mutter.
Ich habe lange überlegt, ob das in diesen Briefen erwähnt werden sollte, aber ich glaube, Du hast ein Recht darauf zu erfahren, wie die Dinge sich entwickeln, wie sie sich verändern.
Aber zuerst musst Du erfahren, wer wir sind, deine Mutter und ich, wie wir einander kennen gelernt haben und wie wir wurden, was wir nun sind.

Wir trafen uns auf einer Fähre nach Irland. Ich wusste nichts von der Zauberwelt und sah nur eine Frau an der Reling der Fähre stehen und auf das Wasser starren. Ich stellte mich zu ihr, weil sie so verloren wirkte gegen die raue See und wir kamen ins Gespräch. Wir sprachen die ganz Fahrt über und wir fanden beide Gefallen daran. Sie war aufmerksam, intelligent, blitzschnell im Denken und ihr trockener Humor traf genau meinen Geschmack.
Später sagte sie immer wieder, sie wisse nicht, warum sie an dem Tag die Fähre genommen hätte, es war einfach der Wunsch, eine Weile auf das Wasser zu sehen und das Gesicht in den Wind zu halten.
Wir trafen uns in Irland mehrmals und legten unsere Rückreise so, dass wir wieder die Fähre zusammen nehmen konnten.
Sie beschwor mich, unsere Freundschaft geheim zu halten und ich war bereit, ihr jeden Wunsch zu erfüllen. Ich war schon längst in dieses zauberhafte Wesen verliebt, auch wenn ich es noch nicht zugegeben hätte.
Wir schrieben uns regelmäßig und manchmal schafften wir es auch, uns zu treffen und irgendwann erzählte sie mir von der Zaubererwelt. Du kannst Dir kaum vorstellen, wie das für mich war, aber ich liebte sie und es war mir egal, dass sie aus einer eigentlich für mich völlig fremden und dabei so überlegenen Kultur kam. Zumindest glaubte ich damals an diese Überlegenheit. Und das ist sie im Grunde auch, wenn man als Muggel in diese Welt eintritt und sie zur eigenen Heimat macht.
Nun ja, ich schweife ab.

Wir hatten viele Gespräche darüber, waren uns aber einig, dass es einem liebenden Paar nicht im Wege stehen würde, aus unterschiedlichen Kulturen zu kommen, immerhin praktizieren die Menschen solche Mischehen seit Jahrtausenden in allen Kulturen und Religionen.
Allerdings lernte ich auch einiges über die Ausdrücke Reinblüter, Halbblüter und Schlammblüter. Ihre Familie war seit vielen Generationen reinblütig und sie war in dem Glauben erzogen worden, das sei das Maß aller Dinge.
Sie wurde durch unsere Liebe eines Besseren belehrt und so war ein Konflikt mit ihrer Familie vorprogrammiert.
Aber wir waren jung, wir glaubten an die Kraft der Liebe und dass sie alles überwinden könne, was sich uns in den Weg stellen würde.
Aber trotz unserer Liebe fürchtete Eileen das Gespräch mit ihren Eltern und eigentlich wusste sie auch, dass es sinnlos wäre. Sie würde mich niemals akzeptieren, also überlegten wir fortzulaufen.
Doch wie das Schicksal es so will, meistens kommt es anders, als man plant und so erreichte mich eines Abends eine Eule (ich habe recht lange gebraucht, um mich daran zu gewöhnen, dass diese wunderbaren Vögel Postboten sind), in der sie mich um ein sofortiges Treffen bat.
Ich lebte damals in einem möblierten Zimmer in einem Vorort von Manchester und ging verschiedenen Arbeiten nach, die mir das Überleben sicherten, mir aber keinen Luxus erlaubten.

Nun, wie dem auch sei, ich schrieb ihr zurück, sie solle herkommen, meine Tür stünde ihr jederzeit offen und kurz danach stand sie auch schon vor der Tür.
Sie fiel weinend in meine Arme, ein früherer Mitschüler von ihr hatte von uns erfahren und dieses Wissen unverzüglich mit ihren Eltern geteilt. Ihre Eltern hatten nicht lange gefackelt und ihr angeboten, diese ?Affäre? zu vergessen, wenn sie sie unverzügliche beenden würde und so etwas nie wieder vorkäme. Sie weigerte sich, versuchte mit ihren Eltern zu reden, aber diese kannten in so einem Fall kein Pardon, Eileen wurde der Familie verwiesen, ihre Sachen vor die Tür gestellt und sie wurde in Schimpf und Schande davon gejagt.
Ihr weinen war in Zorn umgeschlagen, sie bebte schier über die Untat ihrer Eltern.
Oh Gott, sie war so atemberaubend schön in diesem Augenblick, sie war so kraftvoll, als könne sie die Welt aus den Angeln heben und ich liebte sie mehr denn je für ihre Courage.

Natürlich wurde sie auch enterbt, aber das war kein Problem, denn sie hatte schon vorher ein wenig Geld von einer ihrer Großtanten geerbt und das sollte reichen, uns ein einfaches, aber unabhängiges Leben zu bieten. Dazu hatte ich Arbeit genug, damit wir uns eine Familie leisten könnten.
Wir heirateten, zogen hierher nach Spinners End und kurze Zeit später machte Eileens Schwangerschaft unser Glück perfekt.

Deine Geburt war das größte Glück in unserem Leben, aber Eileen wollte trotz der vorherigen Ablehnungen immer wieder versuchen, mit ihren Eltern zu reden.
Aber sie bleiben hart, wollten nichts von einem Enkelkind wissen. Halbblut und Bastard nannten sie Dich und sie verfluchten mich und meinen Einfluss auf ihre Tochter.
Deine Mutter wurde zunehmend unglücklicher. Ich konnte sie nicht mehr aufheitern, konnte ihr kaum noch vermitteln, wie sehr ich sie doch liebte und dass wir nun eine eigene Familie wären. Einzig Du konntest sie zum Lächeln bringen, man konnte spüren, dass sie in den Momenten, in denen sie Dich in ihren Armen hielt wusste, dass es all den Kummer wert war.

Ich bin sicher, wir werden darüber hinweg kommen, sie wird den Schmerz über die Ablehnung durch ihre Eltern überwinden und wir werden eine glückliche Zukunft haben.
So wird es sein müssen, denn wir tragen nun die Verantwortung für Dein Glück und das muss uns wichtiger und wertvoller sein, als alles andere, was uns bewegt.

In Liebe
Dein Vater


Mit einer seltsam steifen Bewegung legte Snape dem Brief zur Seite. Sein Gesicht war ausdruckslos, alleine in seinen dunklen Augen konnte man sehen, wie sehr ihn dieser Brief bewegt hatte.
War der erste Brief noch ein Schock gewesen, so versprach dieser plötzlich eine ganz neue Welt, eine Sicht auf seine eigene Geschichte, die er niemals vermutet hatte. Und, wenn er ganz ehrlich zu sich selber war, eine Sicht, die er niemals hatte zulassen wollen, an der er sich jedes Interesse strengstens verboten hatte.
Natürlich gab es viele Dinge in seinem Leben, die vor der Zeit lagen, an die er sich überhaupt erinnern konnte, aber auch der Rest lag in einem Nebel aus Wut, Hass und Finsternis. Als hätte sein Verstand irgendwann einmal beschlossen, dass es besser war, einige Dinge in der Dunkelheit des Vergessens versinken zu lassen.
Langsam sickerte die Erkenntnis in seine Gedanken, was für ein klassisches Drama er hier erlebte. Wie weit hatte er kommen müssen, was hatte er alles erleben müssen, um sich nun, vollkommen allein, von aller Welt als feiger Mörder verachtet und fast gebrochen endlich den Schatten seiner Vergangenheit stellen zu können.
Ein bitteres Lächeln umspielte seine Mundwinkel.
Er war Vieles. Aber er war kein Feigling und er würde sich diesen Schatten stellen, egal, was sie ihm zeigen würden.
Mit neu erwachter Kraft griff er nach dem nächsten Brief auf dem Stapel.


Und so suchen wir unermüdlich, beseelt von dem Wunsch unsere Suche eines Tages zu beenden oder die Suche selber zum Inhalt unseres Lebens zu machen. Und manchmal merken wir nicht, dass wir das, was wir so verzweifelt gesucht haben schon lange mit uns herum tragen.

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