Balsam für die Seele

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BeitragVerfasst: 26. Nov 2007 14:48 
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Liebste Lyth, :knuddeln:

egal, wie oft ich die Briefe lese, jedesmal bin ich wieder genauso gefesselt wie beim ersten Mal.

Die Liebesgeschichte zwischen Eileen und Tobias liest sich so toll, hier tut sich eine völlig neue Welt für den Leser (und damit auch für Severus) auf.
Und das Eileen von ihrer Familie verstoßen wird, weil sie Tobias liebt, kommt sehr glaubhaft rüber.
Es ging Andromeda in der Familie Black ja nicht anders.

Der Unterschied ist nur, dass Andromeda ohne ihre Familie klar kam und Eileen doch sehr auf die ihre fixiert zu sein scheint. *seufz*

Zitat:
Aber sie bleiben hart, wollten nichts von einem Enkelkind wissen. Halbblut und Bastard nannten sie Dich und sie verfluchten mich und meinen Einfluss auf ihre Tochter.

Wenn nicht einmal diese Beleidigungen ihres eigenen Kindes Eileen eines Besseren belehren kann, dann wird sie sich nie von ihrer Familie lösen können.
Dabei sind diese Beschimpfungen sowas von widerlich und gemein.

Zitat:
Einzig Du konntest sie zum Lächeln bringen, man konnte spüren, dass sie in den Momenten, in denen sie Dich in ihren Armen hielt wusste, dass es all den Kummer wert war.

Man sollte meinen, dass die tiefe Liebe zu ihrem Kind Eileen hier eines Besseren belehren sollte, aber das tut es wohl nicht. *tief aufseufz*

Zitat:
Mit einer seltsam steifen Bewegung legte Snape dem Brief zur Seite. Sein Gesicht war ausdruckslos, alleine in seinen dunklen Augen konnte man sehen, wie sehr ihn dieser Brief bewegt hatte.

Was ich besonders an dir mag ist, dass du Snape hier voll in Charakter beschreibst.
Genauso hätte er auch bei JKR reagieren können (und das auch noch nach Band 7).

Zitat:
Er war Vieles. Aber er war kein Feigling und er würde sich diesen Schatten stellen, egal, was sie ihm zeigen würden.

Nein, er ist beileibe kein Feigling, egal was Harry auch immer sagen mag.

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BeitragVerfasst: 1. Dez 2007 16:54 
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Ohoh... hier hab ich ja auch lange nichts geschrieben... :oops:

Dann will ich mal antworten und dir gleich das nächste Kapitel zukommen lassen.

Zitat:
Und das Eileen von ihrer Familie verstoßen wird, weil sie Tobias liebt, kommt sehr glaubhaft rüber.
Es ging Andromeda in der Familie Black ja nicht anders.

Ich freue mich, dass das glaubwürdig rüber kommt. Viele Reinblüterfamilien scheinen da ja ziemlich verbohrt zu sein und die Weasleys eher die Ausnahme.

Zitat:
Wenn nicht einmal diese Beleidigungen ihres eigenen Kindes Eileen eines Besseren belehren kann, dann wird sie sich nie von ihrer Familie lösen können.

Ich fürchte, hier geht es nicht mehr um "eines Besseren belehren können", sondern hier zeichnet sich schon langsam die Krankheit ab, die die junge Familie letzendlich zerstören wird.

Zitat:
Man sollte meinen, dass die tiefe Liebe zu ihrem Kind Eileen hier eines Besseren belehren sollte, aber das tut es wohl nicht. *tief aufseufz*

Auch hier ist es das Gleiche. Es ist nichts, was Eileen bewusst steuern kann. Alleine die tiefe Liebe zu ihrem Kind ermöglicht ihr noch einen zeitweilig klareren Blick.

Zitat:
Was ich besonders an dir mag ist, dass du Snape hier voll in Charakter beschreibst.
Genauso hätte er auch bei JKR reagieren können (und das auch noch nach Band 7).

*freu*
Du glaubst gar nicht, wie glücklich mich dieses Kompliment macht! :knuff:

/hugs
Lyth

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BeitragVerfasst: 1. Dez 2007 16:56 
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Kapitel 5: Liebe


Die Liebe ist eine seltsame Angelegenheit. Sie bringt Menschen dazu, wunderbare Dinge zu tun, aber sie verleitet sie auch zu den schrecklichsten Formen von Verrat und Betrug. Sie kann ungeahnte Kräfte in uns wecken, aber auch unsere dunkelsten Dämonen entfesseln.
Und egal, wer wir sind, egal wo wir stehen, es ist immer Liebe, die wir uns wünschen. Der Wunsch nach Liebe kann so stark sein, dass wir die unbegreiflichsten Taten begehen, um sie zu finden. Aber nicht immer sind wir auch in der Lage, Liebe zu erkennen oder sie anzunehmen, wenn sie uns dargeboten wird.
Und so sehr wir uns auch wünschen, geliebt zu werden, so stark kann auch der Wunsch sein, lieben zu dürfen und so bitter die Erkenntnis, dass unsere Liebe nicht gewünscht ist.



Severus mein Sohn,

Du bist nun ein Jahr alt und meine Hoffnungen für eine gute Wendung schwinden langsam. Ich schwanke wischen Hoffnung und Verzweiflung, aber ich bin noch nicht bereit, aufzugeben, was ich noch immer als das größte Glück meines Lebens ansehe. Es muss einen Weg geben, für uns alle Frieden und Glück zu finden, denn so wie jetzt kann es nicht weitergehen.

Ich erkenne Deine Mutter manchmal kaum wieder.
Sie ist so zornig geworden, so voller Verzweiflung. Ich kann nicht verstehen, dass das die Frau ist, die ich einmal so sehr geliebt habe, die so wunderschön war, als ich sie das erste Mal wütend erlebte. Jetzt verzerrt der Zorn manchmal ihre Züge so sehr, dass es mich zutiefst erschreckt.

Schließlich, kurz vor Deinem ersten Geburtstag haben Deine Grosseltern endlich eingelenkt und uns erlaubt, sie zu besuchen und ihnen ihren Enkel zu zeigen.
Ich war so sicher, sie würden voller Stolz sein, wenn sie Dich nur erst einmal sähen, aber sie waren kalt und herablassend.
Ich verstehe nicht, wie sie ihre eigene Tochter so verletzen können und mir wird angst und bange, wenn ich daran denke, wie sie mit Dir umgehen werden, wenn Du älter bist.
Immer wieder versuche ich mit Eileen zu sprechen, die früheren Gedanken und Empfindungen in ihr wachzurufen, aber sie entgleitet mir mehr und mehr.
Sie vermisst ihre Familie mehr, als sie sich das vorgestellt hatte, damals, als sie sich gegen sie entschied.
Ich kann es in ihren Augen sehen, sie ist kein schlechter Mensch, sie ist nur unglaublich traurig und fühlt sich verlassen. Nur, dass wir beide ihr das nicht ersetzen können, das ist es, was mich zutiefst bekümmert.

Nun sprechen ihre Eltern wenigstens wieder mit ihr und ich sehe, dass sie ein wenig aufblüht.
Aber der Preis dafür ist hoch. Und so sehr ich sie auch liebe und es genieße, zu sehen, dass sie ein wenig von ihrer schwermütigen Stimmung verliert, so muss ich doch erkennen, dass sie stark die Gedanken ihrer Familie annimmt.
Natürlich, ich verstehe, dass sie sich ohne die Anerkennung ihrer Eltern wertlos gefühlt hat. Aber sind denn meine Anerkennung, mein Respekt und meine Liebe gar nichts mehr wert? Müssen es unbedingt ihre Eltern und deren Freunde sein, denen sie sich zugehörig fühlen will?
Was ist aus der Rebellin geworden, die sich mutig gegen die Ideale ihrer Umgebung auflehnte und sich zu ihrer Liebe bekannte?
Und warum lässt sie zu, dass man ihr erzählt Du warest ein Halbblut. Was bedeutet Blut, wenn man ein Kind hat, das man liebt? Warum verachten sie Dich dafür, mein Sohn zu sein?
Sollen sie MICH verachten, aber Du kannst doch nichts für Dein Blut. Du verstehst Gott sei Dank noch nichts von alledem, aber ich weiß nicht, was ich tun soll, um Dir eine unbeschwerte Kindheit fern von diesem Unsinn zu ermöglichen.
Es ist diese Ignoranz, diese sinnlose Verurteilung, die mich so ohnmächtig wütend macht. Und es ist die Wandlung Deiner Mutter, die all das früher mit der gleichen Verachtung abgelehnt hat, die auch ich noch empfinde.
Sie war so kämpferisch gegen diese alten und unsinnigen Traditionen und Gedanken eingestellt, dass ich mich jetzt manchmal zu fragen beginne, ob das noch die gleiche Frau ist, die ich geheiratet habe.
Aber das ist nicht von Belang für Dich, mein Sohn, Du musst nur wissen, dass ich alles tun werde, um Schaden von Dir fern zu halten.
Ich weiß noch nicht wie, aber ich werde es schaffen müssen, Eileen wieder das Gefühl zu vermitteln, das sie hatte, als wir zusammen fortlaufen wollten.
Ich weiß, diese Frau steckt noch in ihr und ich muss versuchen, sie vor den Gedanken ihrer Eltern zu beschützen. Sie darf nicht glauben, was ihr erzählt wird. Sie darf nicht glauben, dass sie durch ihren Mann und ihren Sohn weniger wert ist.
Ich muss ihr vermitteln, dass es unsere Liebe ist, Deine und meine, die für sie wichtig sind und dass sie diese Liebe ohne Gegenleistung bekommt, während ihre Eltern angepasstes Benehmen und nachplappern von Ideologien als Preis für ihre Anerkennung und Liebe fordern.
Ich bin sicher, sie wird erkennen, welcher Liebe sie sich eher zuwenden muss, wenn sie das Beste für ihr Kind will.

Es gibt Abende, an denen bin ich fast sicher, dass Deine Mutter wieder die Alte ist, sie lacht, scherzt, singt leise Lieder für Dich, damit Du schlafen kannst. Sie strahlt und wirkt glücklich und ich habe das ehrliche Gefühl, dass doch noch alles wieder gut werden kann.
Dann wieder gibt es Tage, an denen ist sie mürrisch und reizbar, aber oft schaffst Du es, sie zu besänftigen, wenn Du sie anlachst oder wenn ich ihr die Feldblumen mitbringe, die sie früher so liebte. Dann wird ihr Blick verklärt und ich kann sehen, dass die alten Gefühle wieder ihr Herz erfüllen.
Vielleicht, vielleicht schaffen wir drei es, eine glückliche Familie zu werden und Dir eine lohnenswerte Zukunft zu geben.
Vielleicht?.

In Liebe
Dein Vater



Snape legte auch diesen Brief zur Seite. Seine Mutter? Sie war es, die sich verändert hatte?
Ungläubig versuchte er sich zu erinnern, aber die Szenen in seinem Kopf waren verschwommen, er wusste nicht genau, wie er sie zuordnen konnte. Ein leichter Schmerz pochte hinter seinen Schläfen und er rieb sich die Augen.
Aber langsam war er gefangen in der Geschichte, die sich da vorsichtig vor seinen Augen entblätterte und er wusste, er würde sie bin zum Ende verfolgen, egal, was sie ihm enthüllen würde.


Einige von uns finden Liebe dort, wo sie sie nie vermutet hätten. Sie ernten eine Saat, die sie selber niemals gesät haben, aber trotz dieses Wunders sind sie nicht immer bereit, das Geschenk auch entgegen zu nehmen. Und so liegt es lange Zeit im Verborgenen und wir erkennen voller Ehrfurcht, dass Liebe nicht vergeht, nur weil wir sie nicht annehmen wollten.

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BeitragVerfasst: 3. Dez 2007 10:45 
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Oh, es geht weiter. *freu*

Zitat:
Viele Reinblüterfamilien scheinen da ja ziemlich verbohrt zu sein und die Weasleys eher die Ausnahme.

Das ist ja auch einer der Gründe, weswegen die Weasleys auf der Abschussliste des dunklen Lords stehen.
Sie werden ja schon als Blutsverräter beschimpft und damit als nur unwesentlich besser als Muggel hingestellt. *seufz*
Die Ideologie der Todesser lässt solche "Verräter" ihres Wahns einfach nicht zu.

Jetzt aber zu deinem neuen Kapitel.

Zitat:
Und egal, wer wir sind, egal wo wir stehen, es ist immer Liebe, die wir uns wünschen. Der Wunsch nach Liebe kann so stark sein, dass wir die unbegreiflichsten Taten begehen, um sie zu finden. Aber nicht immer sind wir auch in der Lage, Liebe zu erkennen oder sie anzunehmen, wenn sie uns dargeboten wird.

Und wieder finde ich so viel von mir selbst in deinem Vorwort. *tief aufseufz*
Nur weiss ich mittlerweile, das Liebe ohne Respekt und Achtung eben keine Liebe ist. Aber dafür hab ich weit über 30 Jahre gebraucht.

Zitat:
Und so sehr wir uns auch wünschen, geliebt zu werden, so stark kann auch der Wunsch sein, lieben zu dürfen und so bitter die Erkenntnis, dass unsere Liebe nicht gewünscht ist.

Auch hier kann ich nur wieder zustimmend nicken.

Zitat:
Natürlich, ich verstehe, dass sie sich ohne die Anerkennung ihrer Eltern wertlos gefühlt hat. Aber sind denn meine Anerkennung, mein Respekt und meine Liebe gar nichts mehr wert? Müssen es unbedingt ihre Eltern und deren Freunde sein, denen sie sich zugehörig fühlen will?

Es ist immer der Respekt der Personen, die ihn uns verweigern, den wir uns aber am meisten ersehnen.
Eileens Selbstbewusstsein wurde wohl nie von ihren Eltern gefördert, sondern eher unterdrückt. Sonst sähe sie sich vieleicht in der Lage, auch ohne Freund und Familie zu leben.
Aber gerade jetzt, wo ich dies schreibe, merke ich, wie schwer es ist, sich von dem zu lösen, das man hatte.
Auch wenn es nicht optimal war, aber es war trotzdem da.
Und es gibt einem einen gewissen Halt, ohne den man sonst nicht existieren kann, zumindest glaubt man das.

Zitat:
Vielleicht, vielleicht schaffen wir drei es, eine glückliche Familie zu werden und Dir eine lohnenswerte Zukunft zu geben.

:weinen: :weinen: :weinen:

Zitat:
Aber langsam war er gefangen in der Geschichte, die sich da vorsichtig vor seinen Augen entblätterte und er wusste, er würde sie bin zum Ende verfolgen, egal, was sie ihm enthüllen würde.

Auch das sagt einiges über Severus Mut aus, nicht wahr?
Denn nicht jeder würde sich der Vergangenheit stellen, sondern lieber weiter aus alter Gewohnheit hassen, statt sich ein eigenes Bild zu machen.

Zitat:
Und so liegt es lange Zeit im Verborgenen und wir erkennen voller Ehrfurcht, dass Liebe nicht vergeht, nur weil wir sie nicht annehmen wollten.

*zustimmend nick*
So ist es mir mit Hans gegangen, hab ich dir das jemals erzählt?

Aber jetzt genug von mir, es geht schließlich um Severus. Auch wenn ich das beim Lesen deiner Ein - und Ausleitungen manchmal vergesse, denn sie sind voller Weisheiten.

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BeitragVerfasst: 4. Dez 2007 16:20 
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Vielen vielen Dank für dein Review, Minchen! :knuff:

Zitat:
Und wieder finde ich so viel von mir selbst in deinem Vorwort. *tief aufseufz*

Das freut mich wirklich sehr, denn die Vor- und Nachwörter bedeuten mir bei dieser Geschichte sehr viel. Und es steckt eine Menge von dem, was ich intellektuell und emotional gelernt habe in meinem Leben, in diesen Texten.

Zitat:
Auch das sagt einiges über Severus Mut aus, nicht wahr?
Denn nicht jeder würde sich der Vergangenheit stellen, sondern lieber weiter aus alter Gewohnheit hassen, statt sich ein eigenes Bild zu machen.

Das stimmt wirklich. Ich glaube auch, dass Severus ein sehr mutiger Mann ist. Und das schon, bevor uns das in Band 7 bestätigt und von Harry himself bescheinigt wurde :mrgreen:

Zitat:
*zustimmend nick*
So ist es mir mit Hans gegangen, hab ich dir das jemals erzählt?

Nein, hast du nicht und ich hoffe da auf einen langen Abend bei Wein und Schokolade und alten Geschichten... :knuff:


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BeitragVerfasst: 4. Dez 2007 16:21 
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Kapitel 6: Lügen


Wenn wir davon überzeugt sind, die Wahrheit zu kennen und das Richtige zu tun, dann handeln wir aus tiefer Überzeugung. Wir halten fest an der Wahrheit, rücken nicht ab von dem was Recht ist und wiegen uns in Sicherheit.
Und auch, wenn das, was wir sehen Risse bekommt, halten wir daran fest, solange wir irgendwie können. Wir hegen und pflegen, was uns bekannt und vertraut ist und reden uns ein, dass es schon stimmen wird, weil es schließlich schon immer so war.
Nur manchmal, nachts, wenn wir nicht in den Schlaf finden und die Gedanken sich auf eigene Weg machen, dann kommen Zweifel auf und wir flüstern die vertrauten Sätze wieder und wieder in die Dunkelheit, in der verzweifelten Hoffnung, das sie sich auf magische Weise in Wahrheiten verwandeln.



Mein lieber Sohn,

ich werde dafür sorgen, dass Du diese Briefe erst erhältst, wenn Du alt genug bist, um zu verstehen, was geschehen ist. Ich finde, das ist ein geringer Preis dafür, dass ich von nun an die ganze Wahrheit hier hinein schreibe. Meine Gefühle, meine Gedanken, beseelt von dem Wunsch, dass Du mich verstehst, dass Du mich respektierst, auch wenn ich das bald selber nicht mehr kann.

Severus, ich bleibe nur bei Deiner Mutter, weil ich Dich hier nicht alleine lassen will. Weil ich die Vorstellung nicht ertrage, dass Du ihr schutzlos ausgeliefert bist.
Himmel, was sage ich. Als könnte ich Dich schützen, als hätte ich je irgendetwas tun können, um Schaden von Dir abzuwenden.

Es wird zunehmend schlimmer mit Eileen. Immer öfter sagt sie, wie sehr sie mich hasst und dass Du ihr die Rückkehr in die Welt der Reinblüter verbaut hättest, weil Du sie zur Mutter eines Halbbluts gemacht hättest. Ich kann es fast nicht mehr ertragen und nur das Wissen, dass Du von diesen Dingen noch nichts verstehst, gibt mir die Hoffnung, dass Deine junge Seele nicht zu viel Schaden nimmt.
Aber Du bist nun drei Jahre alt und nicht mehr lange wird Dich Deine Unwissenheit schützen vor dem Schmerz der Erkenntnis, dass Worte wie Messer sein können.
Ihre Wutanfälle werden schlimmer und oft kann ich mich nur knapp dazwischen werfen, wenn sie Flüche auf Dich wirft.
Ich glaube langsam sie verliert den Verstand. Das Gift der Gedanken ihrer Familie ist dabei, ihr gütiges und liebevolles Wesen völlig zu zerstören und durch Wahnsinn zu ersetzen. Anders kann ich mit nicht erklären, was hier immer öfter passiert.

Ich habe sie gebeten, uns gehen zu lassen ich würde Dich liebend gerne mit mir nehmen und für Dich sorgen, aber sie hat nur gelacht und gesagt, ich könne gehen, aber Dich würde sie nicht hergeben. Natürlich ist das keine Option, ich werde Dich nicht alleine lassen, ich will versuchen, Dich zu beschütze, soweit ich das kann.
Leider sind meine Mittel gegen ihre Wut beschränkt, aber immerhin schaffe ich es meistens ihren lodernden Zorn auf mich zu lenken, wenn sie ihn vorher auf Dich gerichtet hatte. So kommst Du oft ungeschoren davon und ich kann nur hoffen, dass Du nicht allzu viel von alledem mitbekommst.
Vor einigen Tagen war es wieder einmal sehr schlimm. Sie war wütend auf Dich, weil Du bist, was Du bist und sie immer mehr Dich und mich als Ursache ihres Elends sieht. Mich alleine könnte sie verlassen, ihre Familie würde es ihr vielleicht sogar verzeihen, aber durch Dich ist sie Mutter eines Halbbluts und damit unrettbar für ihre verrückte Reinblüterwelt verloren.
Oh, wie ich dieses Gefüge in der Zaubererwelt hassen gelernt habe. Es ist verlogen bis in die tiefen Wurzeln des Denkens, snobistisch und menschenverachtend, aber es gibt nichts, was man dagegen tun kann.
In ihrer Wut versuchte sie wieder einmal einen Fluch auf Dich zu sprechen, ich war machtlos, konnte nicht mehr tun, als den ersten Fluch auf mich lenken, aber diesmal war es schlimmer als sonst. Sie wollte nicht von Dir ablassen und egal, was ich tat, ich konnte ihren Zorn nicht auf mich lenken.
Ich verlor die Beherrschung und brüllte sie an, wie ich noch nie im Leben jemanden angeschrieen habe. Ich muss mir alle Wut und alle Frustration von der Seele gebrüllt haben, denn ich weiß nicht mehr, wie lange ich sie anschrie, aber einige Minuten waren es bestimmt.
Sie war so erschrocken, dass sie tatsächlich aufhörte und fluchtartig den Raum verließ.
Ich war völlig perplex, aber dann sah ich, dass ich auch Dich erschreckt hatte, mein Sohn. Als ich mich umdrehte, um nach Dir zu sehen, hocktest Du zusammengekauert in der Ecke und weintest bitterlich. Ich wollte zu Dir und Dich trösten, aber Du wichst mit Angst in den Augen vor mir zurück.
Gütiger Gott, was habe ich nur angerichtet?

Ich habe mehr und mehr das Gefühl, meine Hilflosigkeit macht alles nur noch schlimmer, als würde ich ihre Wut noch anfachen, wenn ich mich nicht wehre. Aber wie sollte ich. Ihre Zauber und Flüche strecken mich in sekundenschnelle nieder. Sie begreift scheinbar nicht mehr, dass es nichts hilft, mich anzuschreien.
Aber wenigstens lässt sie Dich dann in Ruhe. Das scheint inzwischen alles zu sein, was ich noch zu Deinem Schutz tun kann.

Ich weiß nicht, an wie viel Du Dich erinnern wirst aus dieser Zeit, aber ich hoffe aus tiefstem Herzen, dass Du mit verzeihen kannst, wenn Du eines Tages verstehst, was meine Motive waren.

Ich werde immer für Dich da sein, mein Sohn.
Dein Vater



Snape merkte nicht mehr, dass ihm das Blatt aus der Hand geglitten war und langsam zu Boden flatterte. Sein Gesicht hatte einen gequälten Ausdruck angenommen, während seine zitternde Hand noch immer das Blatt zu halten schien.
Langsam, als grabe sie sich einen Weg durch meterhohe Trümmerberge, schob sich eine Erinnerung in sein bewusstes Denken.
Er war noch sehr klein, ein kleiner, verängstigter Junge, der von seiner Mutter angeschrieen wurde.
Er verstand nicht, was sie meinte, er verstand nur die wiederkehrenden Worte ?Du bist an Allem Schuld!!!?
Sie hob ihren Zauberstab und er wusste, es würde gleich wehtun, also rollte er sich zu einer kleinen Kugel zusammen und wünschte sich, unsichtbar zu sein.
Ein Fluch traf ihn, schleuderte ihn quer durch den Raum gegen eine Kommode.
Schmerz.
Er fühlte, dass seine Nase zu laufen begann und er wischte sie mit dem Handrücken ab. Als er auf seine Hand sah, war sie voller Blut.
?DADDY! HILF MIR!?
Die Tür flog auf, sein Vater rannte auf ihn zu, als seine Mutter sich umdrehte und mit einer Bewegung des Zauberstabs seinen Vater zu Boden warf. Er krümmte sich und stöhnte furchtbar.
Als er seinen Vater dort so liegen sah, wurde ihm bewusst, dass es von ihm keine Hilfe geben würde und er begann bitterlich zu weinen.
Warum half Daddy ihm nicht, liebte er ihn denn nicht? Daddy konnte doch immer alles, immer war er da, wenn Severus etwas weh tat und er hatte auch den Hund vertrieben, vor dem er letztens solche Angst gehabt hatte.
War es am Ende doch alles seine schuld, wenn Daddy ihn nicht liebte und nichts gegen die Wut der Mutter unternahm? War sie deshalb so wütend, weil er ein Junge war, den niemand lieben konnte?
Er weinte heftiger, Gefühle von Verlassenheit und Hoffnungslosigkeit breiteten sich in ihm aus, er fühlte sie genau, auch wenn er sie natürlich noch nicht benennen konnte, aber nie hatte ein kleiner Junge sich elender gefühlt, als er in diesem Moment der Erkenntnis, dass es keine Rettung geben würde für ihn. Zumindest glaubte er das.


Mit einem Ruck sprang Snape auf die Beine und ging ein paar Schritte durch den Raum, als müsse er sich räumlich von der Erinnerung trennen. Er fühlte erst jetzt, dass nicht nur seine Hand zitterte, sondern er am ganzen Körper bebte. Das Bild aus seiner Vergangenheit hatte ihn zutiefst erschüttert.
Er hatte diese Erinnerungen und Bilder so tief vergraben, so tief waren sie verschüttet gewesen, dass es ihm ermöglicht wurde, an ein Leben ohne sie zu glauben.
Und nun waren sie hier, sie waren wahr und sie würden sich nicht wieder fort schicken lassen.
Er rang um Fassung und langsam beruhigte sich sein rasender Herzschlag wieder. Auf dem Weg zurück zum Sessel bückte er sich, hob den herunter gefallenen Brief auf und legte ihn mit scheinbar wieder gekehrter Ruhe auf den Stapel zurück.
Trotzdem dauerte es lange, bis er sich soweit fühlte, nach dem nächsten Brief zu greifen.


Wenn uns die Erkenntnis dämmert, dass es Lügen sind, auf die wir gebaut haben, werden wir dann die Kraft finden, uns von ihnen abzuwenden und in die Leere zu fallen?
Oder klammern wir uns an das zerbrechliche Gebilde der Lügen, weil es unsere einzige Sicherheit in einer Welt voller ungesagter Wahrheiten ist.
Manche Lügengebilde halten Jahrzehnte lang, manche ein ganzes Leben. Aber wenn sie einstürzen, dann lassen sie uns nicht nur schutzlos zurück, sondern auch ohne Orientierung und voller Furcht werden wir gezwungen einen Blick auf die Wahrheit zu werfen, die so lange verborgen geblieben ist.
Und dann ist es unsere eigene Entscheidung, mit der Wahrheit weiterzuleben, oder uns ein neues schützendes Lügengebilde zu bauen.

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BeitragVerfasst: 19. Dez 2007 11:26 
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Hallo Lyth, :knuddeln:

wie versprochen kommt heute Morgen mein Review zu den Briefen.

Zitat:
Wir hegen und pflegen, was uns bekannt und vertraut ist und reden uns ein, dass es schon stimmen wird, weil es schließlich schon immer so war.

Bei diesem Satz kann ich auch schon wieder Parallelen zu meinem eigenen Leben ziehen. *seufz*
Wie lange hab ich versucht, die Taten meines Vaters als nicht geschehen sehen zu wollen, bis es dann nicht mehr ging und ich die Augen nicht mehr verschließen konnte.
Aber ich denke, ich hab erst stark genug dafür werden müssen, sonst hätte ich damit nie umgehen können.

Zitat:
Meine Gefühle, meine Gedanken, beseelt von dem Wunsch, dass Du mich verstehst, dass Du mich respektierst, auch wenn ich das bald selber nicht mehr kann.

Wie schrecklich es für Tobias gewesen sein muss, als ihm diese Erkenntnis kam.
Nicht in der Lage zu sein, seinem eigenen Kind zu helfen, ist einfach furchtbar, schon wenn es um banale Dinge geht. Bei so schrecklichen Sachen, wie sie bei den Snapes passiert sind, ist es unerträglich.

Zitat:
Ihre Wutanfälle werden schlimmer und oft kann ich mich nur knapp dazwischen werfen, wenn sie Flüche auf Dich wirft.

Wie schrecklich, das dieser Wahn eine Mutter dazu treibt, ihr eigenes Kind zu quälen, ja ihm sogar den Tod zu wünschen.
Leider kommt es auch in unserer Realität zu oft vor.

Zitat:
Ich habe sie gebeten, uns gehen zu lassen ich würde Dich liebend gerne mit mir nehmen und für Dich sorgen, aber sie hat nur gelacht und gesagt, ich könne gehen, aber Dich würde sie nicht hergeben.

Das grenzt ja schon an Schizophrenie. Wäre es nicht viel besser für Eileen, ihr Kind aufzugeben? Oder braucht sie Sev als Ventil für die immer wieder aufsteigende Wut, mit der sie sonst nicht weiß, wohin sie sie richten soll?

Zitat:
Ich verlor die Beherrschung und brüllte sie an, wie ich noch nie im Leben jemanden angeschrieen habe. Ich muss mir alle Wut und alle Frustration von der Seele gebrüllt haben, denn ich weiß nicht mehr, wie lange ich sie anschrie, aber einige Minuten waren es bestimmt.

Es ist kein Wunder, das sich diese Erinnerung tiefer als die Quälereien der Mutter in Sevs Erinnerungen festgesetzt hat.
Dieser Wutausbruch des Vaters war etwas Einmaliges, das sich nicht wiederholt hat. Und damit unterscheidet es sich von den alltäglich gewordenen Hassausbrüchen der Mutter.

Zitat:
Warum half Daddy ihm nicht, liebte er ihn denn nicht? Daddy konnte doch immer alles, immer war er da, wenn Severus etwas weh tat und er hatte auch den Hund vertrieben, vor dem er letztens solche Angst gehabt hatte.

Was für ein Rückblick. *traurig ins Taschentuch schniefe*
Wie sollte ein Kind in diesem Alter, dem sein Vater bis dahin unbesiegbar erschienen ist, auch begreifen, dass dieser einfach nichts gegen die Mutter ausrichten kann. Dass auch ein noch so starker Vater nichts auszurichten mag gegen die bösartige Magie, die anzuwenden sich Eileen in ihrem Wahn nicht schämt.

Zitat:
Und dann ist es unsere eigene Entscheidung, mit der Wahrheit weiterzuleben, oder uns ein neues schützendes Lügengebilde zu bauen.

Nicht jeder ist stark genug, mit der Wahrheit zu leben, und viele flüchten sich lieber in Lügengespinste, an die sie immer mehr glauben. Severus gehört aber bestimmt nicht zu denen, die vor der Wahrheit davon laufen, im Gegensatz zu vielen Menschen, die ich kenne und kennen gelernt habe. *tief aufseufz*

Liebste Lyth, auch wenn du dich dagegen wehrst, aber es steckt sehr viel Weisheit in dieser Geschichte. Und noch viel mehr davon steckt in deinen Ein - und Ausleitungen.

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BeitragVerfasst: 19. Dez 2007 18:19 
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Hey Minchen, :knuff: :angeln: :knuddel:

vielen Dank für dein tolles Review. :kuss:

Ich freue mich wirklich, dass gerade die grünen Texte so vile Parallelen zum wirklichen Leben anbieten. Sie waren mir bei deser Geschichte mindestens genauso wichtig, wie der eigentliche Plot.

Zitat:
Wie schrecklich es für Tobias gewesen sein muss, als ihm diese Erkenntnis kam.
Nicht in der Lage zu sein, seinem eigenen Kind zu helfen, ist einfach furchtbar, schon wenn es um banale Dinge geht.

Diese Ohnmacht ist wahrscheinlich schlimmer, als alles, was ihm sonst hätte passieren können.
Insbesondere, weil er merkt, dass der Respekt und das Verständnis seines Sohnes für den vermeintlich schwachen Vater immer mehr dahin schwindet.

Zitat:
Das grenzt ja schon an Schizophrenie. Wäre es nicht viel besser für Eileen, ihr Kind aufzugeben? Oder braucht sie Sev als Ventil für die immer wieder aufsteigende Wut, mit der sie sonst nicht weiß, wohin sie sie richten soll

Nein, ich denke das ist es nicht.
Ich glaube, in ihrer wahnhaften Vorstellung liebt sie ihr Kind und verdrängt die Wutausbrüche. Zumal sie ja auch immer noch danach strebt, mit ihrer verdrehten Vorstellung von "Familie" den Ansprüchen ihrer Eltern gerecht zu werden. Das geht zwar ohne Tobias, ohne ihr Kind geht es keineswegs.

Zitat:
Es ist kein Wunder, das sich diese Erinnerung tiefer als die Quälereien der Mutter in Sevs Erinnerungen festgesetzt hat.
Dieser Wutausbruch des Vaters war etwas Einmaliges, das sich nicht wiederholt hat. Und damit unterscheidet es sich von den alltäglich gewordenen Hassausbrüchen der Mutter.

Ja, das dachte ich mir auch so. Ser Schreicken, eines vor Wurt außer Kontrolle geratenen Vaters dürfte deutlich tiefere Eindrücke hinterlassen haben, als der Alltag.

Zitat:
Nicht jeder ist stark genug, mit der Wahrheit zu leben, und viele flüchten sich lieber in Lügengespinste, an die sie immer mehr glauben. Severus gehört aber bestimmt nicht zu denen, die vor der Wahrheit davon laufen,

Das denke ich auch. Er ist verdammt mutig und auch wenn er lange Zeit unbewusst verdrängt hat, so wird er doch nun bereit sein, sich der Wahrheit zu stellen und die Konsequenzen tragen. Er hat das immer so gemacht, wie wir inzwischen wissen.

Zitat:
Liebste Lyth, auch wenn du dich dagegen wehrst, aber es steckt sehr viel Weisheit in dieser Geschichte. Und noch viel mehr davon steckt in deinen Ein - und Ausleitungen.

*rotwerd*
Ja, vielleicht steckt einiges an Lebenserfahrung und den daraus resultierenden Gedanken in meinen Geschichten. Weisheit würde ich das jetzt so nicht nennen, aber das steht mir auch nicht zu *lach*.

/hugs
Lyth

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BeitragVerfasst: 19. Dez 2007 18:46 
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Kapitel 7: Macht



Es ist etwas Merkwürdiges an der Macht. Wir verbringen viel Zeit damit, nach ihr zu streben, uns etwas aufzubauen, das uns Macht über andere verleiht. Wir streben danach, andere zu beherrschen, ihnen unsere Ideen und Gedanken aufzuzwingen und sie so unter unsere Kontrolle zu bringen. Viele unserer Handlungen sind von dem Ziel bestimmt, unsere Macht zu erweitern, unseren Einfluss auszudehnen.
Und dabei verachten wir alles, was in unseren Augen machtlos aussieht als Schwäche.



Mein lieber Sohn,

Du wirst immer verschlossener, als würdest Du eine undurchdringliche Mauer um dich aufbauen. Wahrscheinlich versuchst Du Dich gegen Verletzungen zu schützen und das verstehe ich sehr gut, denn davon gibt es zu viele in Deinem Leben.
Ich vermisse Dein Lachen, das ich so an Dir geliebt habe, als Du ein kleiner Junge warst. Aber ich werde nichts tun, um Deinen Panzer zu durchbrechen, wenn er es ist, der Dich schützt.

Letzte Woche hast Du Deinen achten Geburtstag gefeiert. Ich konnte froh sein, noch dabei sein zu dürfen, aber ich glaube, der zerbrechliche Frieden hält nicht mehr lange.
Die Feier fand bei Deinen Großeltern statt und es waren einige Kinder aus mit ihnen befreundeten Familien eingeladen. Du kanntest diese Kinder nicht, aber man erwartete von Dir, mit ihnen zu spielen und ich konnte spüren, wie sehr Dir das widerstrebte. Du hast es Dir nicht anmerken lassen und tapfer gute Miene zum bösen Spiel gemacht, bis der Zwischenfall mit dem Besen passierte.
Deine Großeltern haben Dir einen Kinderbesen geschenkt und unter den Anfeuerungsrufen der anderen Kinder versuchtest Du, mit ihm zu fliegen. Das dumme Ding hat gebockt wie ein Esel und Du fielst unsanft auf den Boden. Eines der Mädchen lachte Dich voller Spott aus und ich konnte den Schmerz in Deinen Augen erkennen. Du sahst so verletzlich aus in diesem Moment, es brach mir schier das Herz. Ich wollte zu Dir laufen, Dich trösten und dem dummen Gör sagen, es solle sich zum Teufel scheren, aber das hätte es noch schlimmer gemacht, soviel habe ich inzwischen gelernt.
In meiner Welt bringen Väter ihren Söhnen das Fahrradfahren bei, in Eurer Welt lehren sie sie wohl das Fliegen. Wieder etwas, wobei ich Dir nicht der Vater sein kann, den Du verdienst.
Glaube mir, ich würde alles hergeben, was jemals Bedeutung hatte für mich, wenn ich nur einmal ein wirklicher Vater für Dich sein könnte.

Ich habe einen ganzen Monat nicht mehr weiter geschrieben an diesem Brief, zu sehr hat mich Dein Geburtstag beschäftigt. Aber nun hat der Alltag uns wieder und das Leben nimmt seinen gewohnten, schrecklichen Lauf.
Sie vergiften Dich. Deine Mutter und Deine Großeltern lassen ihr Gift langsam und stetig in Dein Herz und Deinen Verstand träufeln und ich merke an den Blicken, die Du mir zuwirfst, dass ihre Saat langsam aufgeht.
Meine Verzweiflung wächst, aber ich will die Hoffnung nicht aufgeben und ich will Dich nicht alleine mit diesen Leuten lassen, solange ich noch die Kraft habe.
Sie können mich nicht zwingen, von Dir fernzubleiben, denn auch ihre Gesetze geben mir als Deinem Vater bestimmte Rechte.
Aber sie stopfen Deinen jungen Verstand voll mit all dem dunklen Zeug, mit diesen schrecklichen Flüchen und Zaubern, die nur dazu dienen, anderen zu schaden. Sie nennen es die dunklen Künste, aber ich kann darin keine Kunst sehen.
Du lernst es willig und erfreust Dich an der Macht, die Dir dieses Wissen verleiht. Und soviel ich auch versuche, an Dich heran zu kommen, Du lachst nur über mich, Deine Verachtung für mich ist kaum noch zu ertragen, aber ich will Dich trotzdem nicht verlassen.
Ich werde nicht aufhören, darum zu kämpfen, dass Du aufhörst, diese dunkeln Zauber zu üben und anzuwenden. Ich weiß durch die frühe Zeit mit Deiner Mutter, wie nützlich Zauberei sein kann, wie schön, aufregend und produktiv. Aber das, was Du nun lernst ist scheußlich. Siehst Du denn nicht, dass es genau die Flüche sind, die Deine Mutter benutzt hat, um Dich zu bestrafen, um mich zu quälen?
Ist es egal, dass sie der Verletzung und Erniedrigung dienen, wenn sie Dir nur Macht geben?
Ich bin entsetzt, wenn ich Dich beobachte, wie Du diese Dinge im Garten an Tieren ausprobierst, um sie zu üben. Mir wird übel, wen ich an den Glanz in den Augen Deines Großvaters sehe, wenn er von den dunklen Künsten spricht und mir wird elend vor Angst bei der Vorstellung, diesen Glanz eines Tages auch in Deinen Augen zu sehen.
Diese Angst gibt mir die Kraft, immer wieder zu versuchen, mit Dir zu sprechen, an die Menschlichkeit in Dir zu appellieren. Du bist ein Kind, Du solltest solche schrecklichen Dinge noch gar nicht kennen, Du solltest noch nicht einmal ahnen, dass es etwas anderes als Spiel und Freude im Leben gibt.
Verdammt, ich wünschte, ich könnte Dir vermitteln, was eine glückliche Kindheit ist, so, wie ich sie hatte. Ich wünschte, ich könnte all die Schmerzen, die Angst und den Kummer deines jungen Lebens nehmen und sie tauschen gegen meine Kindheit.
Glaube mir, wenn ich es könnte, ich würde alles von Deinen schmalen Schultern nehmen und es selber tragen. Wenn Du nur noch einmal unbeschwert und glücklich lachen würdest.

Und wieder werde ich heute Abend versuchen, nach dem Abendessen, wenn Deine Mutter sich mit ihren Büchern zurückgezogen hat, mit Dir zu reden. Vielleicht wirst Du mich heute nicht fortschicken mit diesem verächtlichen Kräuseln Deiner Lippen, für das Du noch viel zu jung bist.
Vielleicht gibt es noch eine Chance, Dich zu erreichen, auch wenn ich die Hoffnung dafür fast aufgegeben habe.

Aber Dich, Dich werde ich niemals aufgeben
Dein Vater



Aber manchmal müssen wir erkennen, dass gerade in der vermeintlichen Schwäche große Macht liegt und dass in der Aufrichtigkeit das Potenzial ruht, die Mächtigen zu stürzen.

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BeitragVerfasst: 6. Jan 2008 14:31 
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Liebste Lyth, :knuff:

jetzt werd ich mich auch endlich dem nächsten Brief widmen.

Macht.
Macht über jemand anderen auszuüben ist oft nichts anderes, als der Versuch zu verbergen, wie hilflos man der Gewalt und Macht einmal ausgesetzt war.
Sie scheint dann das einzige Mittel zu sein, um slbst nie mehr Opfer zu werden. Nie mehr hilflos der Willkür eines Anderen ausgesetzt zu sein, nie mehr darunter leiden zu müssen.
Und doch ist das alles nur Makulatur. Denn es hilft nicht, die eigenen Gefühle zu überdecken.

Zitat:
Ich wollte zu Dir laufen, Dich trösten und dem dummen Gör sagen, es solle sich zum Teufel scheren, aber das hätte es noch schlimmer gemacht, soviel habe ich inzwischen gelernt.
In meiner Welt bringen Väter ihren Söhnen das Fahrradfahren bei, in Eurer Welt lehren sie sie wohl das Fliegen. Wieder etwas, wobei ich Dir nicht der Vater sein kann, den Du verdienst.

Die Hilflosigkeit Tobias tut mir richtig weh.
Es ist grausam, seinem Sohn nicht helfen zu können.
Und noch grausamer ist es, ihn so sehr seinem Vater zu entfremden, und ihm gleichzeitig die Wertlosigkeit der Muggel - die ja wohl zur Tagespredigt in diesem reinblütigen Haus gehört - am Beispiel seines eigenen Vaters beweisen zu wollen.

Severus ist einfach zu jung, um verstehen zu können, dass es nicht an Tobias Liebe oder seinem Willen, ihm zu helfen mangelt. Er kommt gegen diese Familie voller Hexen und Zauberer nicht an, die diesem Reinblutwahn unterliegen.

Zitat:
Du lernst es willig und erfreust Dich an der Macht, die Dir dieses Wissen verleiht.

Irgendwie kann ich Severus sogar sehr gut verstehen.
Er ist zu oft hilflos gewesen, hat sich quälen und peinigen lassen müssen und die Machtlosigkeit seines Vaters war ihm nun mal keine Hilfe.
Also muss er regelrecht nach dem Ausweg greifen, den ihm diese Macht verleiht.
Er kann auch die Liebe seines Vaters nicht erkennen, er sieht nur, dass dieser ihm nicht hilft. Das er gar nicht helfen kann, das erkennt Severus nicht, aber dazu ist er auch noch zu jung.

Zitat:
Ist es egal, dass sie der Verletzung und Erniedrigung dienen, wenn sie Dir nur Macht geben?

Es ist der einzige Weg, um dem erniedrigt werden zu entfliehen.
Der einzige weg aus der Machtlosigkeit ist es leider, diese Macht selbst auszuüben. *seufz*

Zitat:
Vielleicht gibt es noch eine Chance, Dich zu erreichen, auch wenn ich die Hoffnung dafür fast aufgegeben habe.

Es ist bewundernswert, welche Mühe sich Tobias immer noch gibt, Severus dem unheilvollen Einfluss zu entziehen.
Dabei kämpft er gleich Don Quichotte gegen Windmühlenflügel an, und das erfordert mehr Mut als alles andere.
Aber einfach aufgeben und gehen kann er einfach nicht.

Zitat:
Aber manchmal müssen wir erkennen, dass gerade in der vermeintlichen Schwäche große Macht liegt und dass in der Aufrichtigkeit das Potenzial ruht, die Mächtigen zu stürzen.

*zustimmend nick*

Jeden Brief lese ich immer wieder mit der gleichen Begeisterung wie beim ersten Mal, die Geschichte, wie sie hätte sein können, fasziniert mich immer wieder und ich komme nicht umhin, dir mein größtes Lob auszusprechen.
Ich bewundere dich für deine Fantasie. *verneig*

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